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4.12.2018

Im Praxistest: Momentaufnahmen 1989/90 im Unterricht – Wir waren so frei …

Es gibt viele verschiedene Aspekte, die man im Unterricht hinsichtlich der DDR thematisieren kann. Leider ist die Zeit immer zu kurz. Das Unterrichtsmaterial zur Internetseite "Wir waren so frei" nimmt für Schülerinnen und Schüler spannende Themen in den Fokus und reduziert das Material, sodass man es ganz flexibel im Unterricht einsetzen kann. Neben vielen Ähnlichkeiten finden sich auch zeitbedingte Unterschiede zwischen Jugendlichen der Umbruchszeit und jungen Menschen heute, die von den Schülerinnen und Schüler erarbeitet werden sollen. Diese Rezension bezieht sich auf den Aspekt "Jugend" (Sekundarstufe I).

Aufbau des Materials

Jedes Thema bietet Vorschläge für alle Altersstufen, sowie weiterführende Ideen und Links, (Weiterführungen insbesondere für die älteren Jahrgangsstufen). Zur Erarbeitung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden werden verschiedene Fotos herangezogen, die ein atmosphärisch eindrucksvolles Bild der Entstehungszeit und ihrer Jugendkulturen, aber auch des historischen Kontextes vermitteln. Die Schülerinnen und Schüler werden auf unterschiedlichen methodischen Wegen (Wahrnehmungsschulung, Texterfassung, Rollengespräche, Rollenspiele) angeregt, sich in die abgebildeten Personen hineinzuversetzen. Neben den Fotos, die im Fokus stehen, gibt es zahlreiche Links zu anderen Websites und Hintergrundinformationen, sowie bereits ausformulierte Arbeitsaufträge. Die Arbeitsaufträge folgen einer Progression, aber können dennoch ohne großen Aufwand angepasst werden. Darüber hinaus können die Materialien auch an Schulen eingesetzt werden, die über eine geringe digitale Ausstattung verfügen.

Das Material ist für den Schulunterricht konzipiert und soll auch im schulischen Alltag anwendbar sein. Der zeitliche Rahmen, für den die Arbeitsgruppen gedacht sind, beläuft sich dabei auf mindestens eine Doppelstunde (90 Minuten). Die angeregte Präsentation der Arbeits- und Rechercheergebnisse sollte mit einer zusätzlichen Schulstunde (45 Minuten) veranschlagt werden. Es lässt sich jedoch nicht jede Aufgabenstellung – gerade im kreativen und gestalterischen Bereich oder bei selbstständigen Recherchen – in einen engen zeitlichen Rahmen fassen. Die vier Themenbereiche unter "Jugend" sind: Leben im besetzten Haus, Klassenfahrt nach Berlin, Einheitstort und Jugend in Ost-Berlin.

Anregungen für den Unterricht

Alle vier Themenbereiche sind problemlos im Unterricht einsetzbar und sehr schülerorientiert. Je nach Zeit und Leistungsniveau der Gruppe können die vier Themen in Gruppen bearbeitet und dann vorgestellt werden: entweder in Form von den vorgeschlagenen Präsentationen oder z.B. aber auch durch ein Erstellen einer Wandzeitung und anschließend eines Galerie-Rundgangs. Sollte Zeit ein Problem darstellen oder die Lerngruppe noch Schwierigkeiten haben, ein Thema relativ frei und selbstständig zu erarbeiten, wird empfohlen, einen Bereich auszuwählen und diesen gemeinsam zu erarbeiten. Auch in den einzelnen Bereichen können sowohl Partner- als auch Gruppenarbeiten stattfinden.

Die Themen ermöglichen vor allem einen kreativen und produktorientierten Lernansatz. Beispielsweise sollen die Schülerinnen und Schüler bei der "Einheitstorte" am Ende eine Eigene Zuhause oder, wenn möglich in der Schule, entwerfen, backen und fotografieren – eine spannende Abwechslung zum "normalen" Unterricht. Hieraus lässt sich auch ein kleiner Wettbewerb mit vorher festgelegten Kriterien ins Leben rufen. Die gebackten Torten könnten dann in der Schule verkauft werden.

Das Thema "Leben im besetzten" Haus ist im Besonderen ein aktuelles, da derzeit viel über Wohnraum und Mieten diskutiert wird. Nicht nur in Berlin steigen die Mieten und es werden immer noch Häuser besetzt. Nach der Analyse der Bilder von Hausbesetzerinnen und -besetzer ist Ost- und Westberlin, sollen die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines Textes von www.jugendopposition.de und der medialen Erweiterung zu einem Lied von Ton, Steine, Scherben die Gründe für Hausbesetzungen in Ost- und Westberlin erarbeiten. Dies könnte gut aufgeteilt und anschließend in gemischten Gruppen vorgestellt werden.

Der darauffolgende Bezug zu heute könnte auch stärker ausgebaut werden und es könnte eine Verknüpfung mit politischer Bildung erfolgen: Die Schülerinnen und Schüler könnten, je nachdem, wo sie wohnen, aktuelle Beispiele recherchieren oder sogar fotografieren. Sie können heutige Gründe, Argumente für und gegen eine Hausbesetzung recherchieren, in einer Debatte oder einem Rollenspiel diskutieren und Lösungsvorschläge erarbeiten. Diese könnten dann an die jeweilige Landesregierung getragen werden. Es könnten auch informierende Videos mit der aktuellen Wohnungssituation und den Forderungen gedreht werden oder vielleicht sogar Personen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben zu einer Podiumsdiskussion an der Schule eingeladen werden.

Zugriff

http://www.unterricht.wir-waren-so-frei.de/
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