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7.3.2019

Im Praxistest: Themenblätter im Unterricht "Rechtspopulismus - Herausforderung für die Demokratie?" (Nr. 114)

Fachdidaktische Vorüberlegungen

Das Thema Rechtspopulismus und der Umgang damit ist besonders auch in der Schule kontrovers diskutiert. Ob es Parteien sind, Musikgruppen, Meldungen in sozialen Medien oder Fangruppen von Fußballmanmschaften, immer wieder gibt es die aktuelle Notwendigkeit, dass Lehrkräfte den Rechtspopulismus als Ganzes kritisch im Unterricht thematisieren. Nichtsdestotrotz gilt auch hierbei das Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsens. Für den Umgang mit Rechtspopulismus im Unterricht folgt also gleichermaßen, dass nicht alles, was rechtspopulistisch scheint, von vornherein als extremistisch eingestuft werden sollte, sondern dass die Schülerinnen und Schüler sich idealerweise selbst ein Urteil bilden. Die vorliegenden Themenblätter liefern hierzu passendes Material für den Unterricht.

Aufbau des Materials

Das Material umfasst wie üblich vor allem das zwei-seitige Arbeitsblatt für die Schülerinnen und Schüler zum Abreißen bzw. Kopieren sowie Hinweise zur Arbeit mit den Materialien. Dazu gibt es eine Kopiervorlage, die für die dritte Aufgabe genutzt werden kann. Die Arbeitsblätter sind sowohl in der Sekundarstufe eins als auch zwei einsetzbar, sollten aber in letzterem Fall durch tiefergehende Materialien oder noch differenzierte Aufgaben ergänzt werden (z.B. zusätzlicher Einbezug von Vorwissen). Für das Material sollte ungefähr eine Doppelstunde eingeplant werden.

Es gibt drei Aufgaben, die die Aspekte des Themas abdecken, denen sich das Arbeitsblatt widmet. Das sind als erstes eine Annäherung an den Begriff des Rechtspopulismus anhand eines kurzen Sachtextes, zweitens das Aufgreifen von Beispielfotos, um Merkmale und Stilmittel der Akteure zu besprechen und schließlich ein kontroverses, schülerorientiertes Setting, in denen der Umgang mit dem Rechtspopulismus thematisiert wird.

Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Das Thema ist aufgrund seiner Aktualität, Relevanz und bisweilen auch Brisanz sehr geeignet für den Unterricht und kann somit besonders motivieren. Dies wird durch den Zugang des Materials insbesondere im schülernahen und problemorientierten Fallbeispiel in der dritten Aufgabe noch verstärkt.

Als Einstieg bietet sich beispielsweise der Bezug auf aktuelle Nachrichten im Themenfeld an. Hieran anknüpfend könnte vor der Erarbeitung der Merkmale von (Rechts-)Populismus eine Abfrage des Vorwissens erfolgen. Gerade bei diesem Thema ist je nach Jahrgangsstufe davon auszugehen, dass zum Thema in der Klasse Präkonzepte relativ ausgeprägt sind. Gleichzeitig bietet sich so der Vorteil, dass das neue Wissen aus dem Sachtext auf lernförderliche Weise mit dem bekannten Wissen verknüpft wird.

Eine mögliche Alternative zum Sachtext in der ersten Aufgabe bei gleichzeitiger Beibehaltung der Konzeption des Arbeitsblattes liegt darin, die Merkmale über ein Video erarbeiten zu lassen. Hier bietet die bpb je nach Zeit und Alter zwei geeignete Alternativen. Ein kurzes Erklärvideo (Video-Icon http://www.bpb.de/mediathek/182877/rechtspopulismus-was-ist-das-kurz-erklaert-auf-bpb-de) sowie ein etwas längerer Beitrag eines Politikwissenschaftlers (ca. 7 Minuten) (Video-Icon http://www.bpb.de/mediathek/246881/marcel-lewandowsky-zum-begriff-rechtspopulismus). Die erarbeiteten Merkmale könnten sinnvollerweise mit den vorher gesammelten Vermutungen zum Begriffsverständnis abgeglichen werden. Stellt man dem Thema beispielsweise die (Reihen-)Frage woran, wie die AfD im Kontext der verschiedenen Extremismusbegriffe einzuordnen ist, könnte hier eine erste mündliche Einordnung auf Grundlage des Vorwissens erfolgen, um einen Problembezug zu schaffen. Das angefügte Glossar eignet sich zur Differenzierung und Sprachförderung und kann durch eine mögliche Smartphone-Recherche auf weitere Begriffe, die Schwierigkeiten hervorrufen könnten, ausgeweitet werden.

Die zweite Aufgabe knüpft auf sehr sinnvolle Weise an die Lebenswelt der Schüler und Schülerinnen an, da aus Medien bekannte Bilder analysiert werden und aktuelle Beispiele erfragt werden. Die Aufgabe 2. c) kann hierbei auch länger behandelt werden, indem die Schüler und Schülerinnen Zeit für eigene Recherche und ausführliche Analysen von weiteren eigenen Beispielen erhalten – im Idealfall unter vorher geklärten Kriterien. Zentral im Material ist die dritte Aufgabe, die ein aktuelles Fallbeispiel aufgreift. Nachdem in den ersten beiden Aufgaben die Analysekompetenz im Vordergrund stand, kann in diesem Beispiel das Urteilen gefördert werden. Dazu eignet sich das sehr schülernahe Setting der Schulleiterbesetzung durch einen AfD Funktionär an einer Schule "ohne Rassismus". Es werden mehrere sinnvolle Methoden vorgestellt, wie eine Konfliktskizze (die insbesondere bei jüngeren hilft einen systematischen Überblick zu erhalten) oder die Positionierung auf einer Konfliktlinie, um alle Schülerinnen und Schüler in eine Urteilssituation zu bringen. Anstelle einer schriftlichen Stellungnahme wäre auch eine klassische Pro-Contra-Debatte auf Grundlage der unterschiedlichen Sichtweisen der Kopiervorlagen denkbar.

Ein weiterer positiver Aspekt dieser Aufgabe ist, dass zwar vermutlich in einigen Politikkursen unter sehr jungen Menschen bzgl. des Rechtspopulismus keine "echte" Kontroversität vorliegt, diese jedoch bei der hier aufgeworfenen Frage nach dem Umgang sehr wohl vorliegt. Dazu dienen auch die Gesetzesauszüge, die einerseits als Argumente gegen Positionen der AfD genutzt werden können, aber auch als Schutz vor einer Diskriminierung des Schulleiters wegen seiner legalen politischen Einstellung.

Die Themenblätter liefern somit insgesamt ein sehr geeignetes Material für den Einstieg in das Thema.

Zugriff

http://www.bpb.de/shop/lernen/themenblaetter/253945/rechtspopulismus-herausforderung-fuer-die-demokratie

Heiko Bohlen

Heiko Bohlen

Mathe und Politik, Sophie-Scholl-Oberschule Berlin


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