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31.7.2007

Didaktische Konzeption

Hauptthema dieses Unterrichtsmodells aus der Reihe "Forschen mit GrafStat" ist neben den Ursachen und Folgen von Erderwärmung und Klimawandel das umweltbewusste Handeln jedes Einzelnen. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen im Rahmen einer Befragung die Beziehungen zwischen Wissen, Einstellungen und Verhalten der Menschen zu den Ursachen und Folgen der globalen Erderwärmung. Dabei sollen sie motiviert werden, nicht nur ihr eigenes Handeln zu reflektieren, sondern sinnvolle Handlungsalternativen für sich und ihr Umfeld zu erarbeiten.

Einführung in das Thema



Zielgruppe ab Klasse 8, alle Schulformen
Ziele
  • Erlangung von fundiertem Wissen über Ursachen und Folgen des Klimawandels
  • Sensibilisierung für einen effizienteren Umgang mit den globalen Ressourcen
  • Einführung in Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung
  • Entwicklung sinnvoller Handlungsalternativen (Aktionen für ein energiebewusstes Leben)
  • Unterrichtsfächer Politik/SoWi/Gesellschaftslehre, Geografie
    Themenbezug Umweltschutz; Energiepolitik; Klima und Vegetation; Globalisierung (und Folgen für Wirtschaft und Umwelt); Konsumverhalten; Befragungsmethoden; Neue Medien
    Dauer 4 - 8 Wochen, je nach Baustein-Auswahl
    Aufwand gering bis hoch, je nach Baustein-Auswahl
    Materialien
  • je Baustein: Schema des Unterrichtsverlaufs und didaktische Hinweise, Sachinformationen und Unterrichtsmaterialien
  • Musterfragebogen und Beispieldatensatz zur Erforschung des Umweltbewusstseins im Zusammenhang mit dem Klimawandel

  • Alle Materialien stehen unter www.bpb.de/grafstat zur Verfügung.
    Autor/innen Piroschka Haenlein, Andrea Meschede, Wolfgang Sander

    Lange schon warnen Forscher vor den Folgen von Erderwärmung und Klimawandel, aber erst seit die Zeichen dafür auch in Deutschland nicht mehr zu übersehen sind, gelangt das Thema in die öffentliche Diskussion. Der bisher wärmste Winter in unseren Breiten, Orkane wie Kyrill mit lebensgefährlichen und kostenintensiven Folgen, der trockenste April aller Zeiten und andere Phänomene werden immer häufiger als Zeichen einer spürbaren Verschiebung von Klimazonen dargestellt und auf die menschlich verursachte Erderwärmung zurückgeführt.

    Es besteht ein immer stärkeres öffentliches Interesse an diesem Thema, u.a. erkennbar an der großen Resonanz, die der (vierten) Bericht über den Stand der Klimaforschung des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), des zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, im Frühjahr 2007 erfahren hat. Als wichtiges Ergebnis wird darin – abhängig von der Menge der in den nächsten Jahrzehnten freigesetzten Treibhausgase – in den nächsten 30 Jahren ein Anstieg der Erd-Durchschnitts-Temperaturen um rund 0,7 Grad Celsius vorhergesagt. Bis 2100 könne die globale Mitteltemperatur gar um bis zu 6,4 Grad steigen, wenn es nicht zu einer grundlegenden Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen kommt. Diese Prognosen gehen einher mit Warnungen vor den verheerenden Folgen einer solchen Erderwärmung. Heute werden sie von Politik und Medien in den Grundsätzen mehrheitlich ernst genommen und nicht mehr in Zweifel gezogen. Die IPCC-Berichte über den vom Menschen verursachten Klimawandel wurden auch auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm von allen teilnehmenden Staaten erstmals ausdrücklich akzeptiert.

    "Was kann ich selbst schon dagegen tun?", fragen sich viele Menschen, seit sie die Folgen der Erderwärmung am eigenen Leib erfahren. Viel Wissen und zahlreiche Tipps zum umweltgerechten Handeln stehen in Materialien und Medien bereit, so dass die Aufklärung über das Thema zunimmt. Die zentrale Frage ist aber: Wie verändert dies das Umweltbewusstsein und wie wirkt es sich auf das tatsächliche Handeln der Menschen aus? Fühlen sie sich selbst mit für den Klimaschutz verantwortlich? Wie reisen sie bzw. welche Verkehrsmittel nutzen sie? Wie heizen sie? Wie ernähren sie sich bzw. sind sie sich der Klimafolgen bei Erstellung und Transport von Nahrungsmitteln bewusst? Empfinden sie die Berichte in den Medien als Panikmache oder sind sie in Sorge wegen der Umwelt, des Klimas und auch der wirtschaftlichen Folgen? Und: Muss klimafreundliches Verhalten zugleich Verzicht und Reduzierung der Lebensqualität bedeuten?

    Das umweltbewusste Handeln jedes Einzelnen – insbesondere in den Industriestaaten mit ihrem hohen Energieverbrauch – ist neben Maßnahmen in Staat und Wirtschaft eine wesentliche Grundlage für eine globale Umweltpolitik. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen im Rahmen einer Befragung die Beziehungen zwischen Wissen, Einstellungen und Verhalten der Menschen zu den Ursachen und Folgen der globalen Erderwärmung, um letztlich ihr eigenes Handeln zu reflektieren und Lösungsstrategien für dieses epochale Schlüsselproblem unseres Planeten besser beurteilen zu können. Die Schülerinnen und Schüler sollen motiviert werden, nicht nur ihr eigenes Handeln zu reflektieren, sondern sinnvolle Handlungsalternativen für sich und ihr Umfeld zu erarbeiten. Wesentlich für den Lernerfolg sind hierbei der Bezug zum Alltag und die Orientierung an konkreten Lebenssituationen.

    Ziele des Unterrichts-Projektes



    Fundiertes Wissen über die Ursachen und Folgen des Klimawandels
    Auch wenn in den Medien derzeit das Thema "Klimawandel" sehr präsent ist, kann ausreichend fundiertes Wissen über die Entstehung und Funktionsweise des anthropogenen Treibhauseffektes nicht vorausgesetzt werden. Dieses Defizit bei den Jugendlichen zu beheben ist eine Voraussetzung, damit die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, die tagesaktuellen Meldungen zu Klimawandel und Klimaschutz bewusster wahrzunehmen und aufgrund von Hintergrundinformationen reflektierter zu beurteilen.

    Sensibilisierung für einen "intelligenteren" Umgang mit den globalen Ressourcen
    Zusätzlich ist es notwendig, das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler auf die Begrenztheit lebenswichtiger Ressourcen und die Belastbarkeit des globalen Ökosystems zu lenken und damit das Umweltbewusstsein der Schülerinnen und Schüler frühzeitig zu sensibilisieren. Wichtige Aspekte sind hierbei die Möglichkeiten zur Einsparung von Energie und die Verbesserung der Energieeffizienz in den Verbrauchsprozessen. Wie können wir Energie effizienter nutzen, ohne dass unser Lebensstandard stark reduziert wird? Wie ist ein intelligenterer Umgang mit vorhandenen Ressourcen möglich – von der globalen Ebene über die Politik in den Staaten und der Wirtschaft bis hin zum Verbraucherverhalten im Alltag.

    Einführung in die Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung und Nutzung neuer Medien
    In dem bewährten GrafStat-Format wird das Thema im Unterricht im Zusammenhang mit einer aktivierenden Befragung thematisiert, die die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lebensumfeld durchführen. Veränderungsbereitschaft bei Jugendlichen und Erwachsenen kann so eruiert, durch Wissen untermauert und durch Aufzeigen von konkreten Handlungsalternativen im Umgang mit Ressourcen stabilisiert werden. Gleichzeitig wird der Computer als ein wichtiges Werkzeug in den Unterricht eingebunden. Sowohl Technik-distanzierte als auch -faszinierte Jugendliche können die wichtige Erfahrung machen, dass sie in kurzer Zeit in der Lage sind, den Computer als nützliches Werkzeug einzusetzen, um beispielsweise Internetrecherchen durchzuführen, Befragungsdaten einzugeben und diese kompetent auszuwerten sowie Präsentationen der Ergebnisse zu erstellen.

    Entwicklung sinnvoller Handlungsalternativen: Aktionen für ein energiebewusstes Leben
    Die im Unterricht oder in der außerschulischen Bildungsarbeit erstellten Produkte, z.B. die Ergebnisse der Befragung zum Thema "Umweltbewusstsein und Klimawandel" und die eigenständig erarbeiteten Aktionsvorschläge für einenergiebewusstes Leben im Alltag, werden einer interessierten Öffentlichkeit präsentiert (Jahrgangsstufe, Schule, lokale Öffentlichkeit). Die dadurch ausgelöste positive Resonanz dürfte erfahrungsgemäß das Interesse der Jugendlichen an politischen Sach- und Streitfragen zum Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig stärken. Dabei orientiert sich die Unterrichtsreihe am Konzept der "Öffnung von Schule" und bemüht sich um eine verstärkte Integration von tagesaktuellen Themen sowie handlungs- und produktorientierter Elementen in den gewohnten Schulalltag.

    Die Unterrichtskonzeption unterstützt in hohem Maße die Eigenständigkeit und Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler. Selbständiges Lernen wird sowohl durch kooperative Lernformen als auch im Rahmen einer Befragung der lokalen Bevölkerung und des familiären Umfeldes durch die Schülerinnen und Schüler gefordert und gefördert. Durch eine schülerorientierte Planung und eine prozesshafte Gestaltung des Unterrichts wird den Schülerinnen und Schülern die konkrete Erfahrung vermittelt, dass ihre Vorstellungen und Erwartungen ernst genommen und im Unterricht berücksichtigt werden.

    Baustein-Übersicht



    Bei diesem Angebot handelt es sich nicht um eine abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden sollte, sondern um ein Unterrichtsprojekt, das nach dem Bausteinprinzip aufgebaut ist und entsprechend variabel eingesetzt werden kann. Vorgestellt werden nicht einzelne Unterrichtsstunden, sondern thematische Schwerpunkte verfolgende Unterrichtseinheiten, deren Bearbeitung durchaus mehrere Unterrichtsstunden in Anspruch nehmen kann.

    Die Lehrperson kann die Schwerpunkte ganz nach ihren Bedürfnissen und denen der Jugendlichen setzen, indem sie einige Sequenzen auswählt und intensiver behandelt, andere hingegen kürzt, variiert oder auch ganz auf deren Bearbeitung verzichtet. Häufig werden Erweiterungen angeboten, deren Erarbeitung – je nach Lernvoraussetzungen und Interessen der Lerngruppe bzw. dem zur Verfügung stehendem Zeitbudget – ganz in das Ermessen der Lehrperson gestellt wird.

    Auch wenn aus zeitlichen oder organisatorischen Gründen die als zentral angesehene eigene Befragung durch die Schülerinnen und Schüler nicht durchgeführt werden kann, stehen genügend Materialien für die inhaltliche Auseinandersetzung zur Verfügung - inklusive eines Beispieldatensatzes in GrafStat mit Daten einer bundesweiten Umfrage zum "Klimawandel im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung".

    Die einzelnen Bausteine enthalten jeweils Sachinformationen für die Lehrpersonen, Materialien für den Unterricht sowie ein in Phasen gegliedertes Artikulationsschema des Unterrichtsverlaufs und einen didaktischen Kommentar (zu Inhalt, möglichen Intentionen, Methoden und Medien).

    Baustein 1: Einstieg in das Thema
    Über aktuelle wetterbedingte Extremereignisse und ein Wissensspiel mit Aussagen zu Klima und Energie wird das Interesse am Thema geweckt und der Begriff "Klimawandel" geklärt. Durch ein Planungsgespräch werden die Inhalte der Unterrichtsreihe festgelegt.

    Baustein 2: "Die Erde schwitzt!" – Der anthropogene Treibhauseffekt
    Mit dem Treibhauseffekt und seinen Ursachen und Folgen sowie dem menschlichen Beitrag zur Erderwärmung werden wichtige Grundlagen des aktuellen Klimawandels behandelt.

    Baustein 3: Klimawandel in den Köpfen? – Vorbereitung und Durchführung einer Befragung
    Zum Thema "Umweltbewusstsein und Klimaschutz" bietet sich die Erforschug des Wissens und des Verhaltens der Menschen im Zusammenhang mit dem Klimawandel an. Ein Musterfragebogen für eine eigene Befragung zu "Umweltbewusstsein und Klimaschutz" steht für die Befragung von Mitschüler/innen, der eigenen Familie/des Umfelds und Straßenbefragung zur Verfügung.

    Baustein 4: Wie ist die Reduktion von Treibhausgasen im Alltag möglich?
    Hier setzen sich die Schülerinnen und Schüler konkret mit ausgewählten Maßnahmen auseinander, die jeder Einzelne im Alltag für den Klimaschutz durchführen kann. In arbeitsteiliger Gruppenarbeit werden die Bereiche Mobilität, Ernährung, Strom und Heizen untersucht. Am Ende steht die Erstellung eines Plakates: "Unser Aktionsplan zur Reduktion von Treibhausgasen im Alltag".

    Baustein 5: "Natürlich bin ich umweltbewusst!" – Der Widerspruch zwischen Anspruch und Verhalten
    Mit Hilfe verschiedener Erklärungsmodelle werden mögliche Gründe für den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit in Bezug auf das Umweltbewusstsein und Umweltverhalten der Menschen erarbeitet.

    Baustein 6: Die Meinung der Bevölkerung – Auswertung der Befragung
    Die spannendste Phase einer Befragung ist die Auswertung und Analyse der Daten. Nun können die Jugendlichen ihre Hypothesen überprüfen und das Datenmaterial auf weitere Zusammenhänge untersuchen. Ergänzend bzw. alternativ kann ein Beispieldatensatzes zur bundesweiten Umfrage zum "Umweltbewusstsein 2006 in Deutschland" analysiert werden.

    Baustein 7: "Was können wir tun?" Ergebnispräsentation und Aktionsvorschläge
    Zum Abschluss wird die Öffentlichkeit über die Erkenntnisse des Unterrichtsprojektes informiert. Ziel der öffentlichen Ausstellungen, Präsentationen, Expertendiskussionen, Pressearbeit und/oder Internetauftritte ist es, auch die Mitmenschen zu umweltbewusstem Handeln zu motivieren.

    Hilfestellung für Lehrkräfte



    Die hier vorliegenden umfangreichen Arbeitshilfen richten sich zunächst und vorrangig an Lehrerinnen und Lehrer sowie an Jugendgruppenleiter und -leiterinnen, die bereit und in der Lage sind, solche Projekte mit und für Jugendliche im lokalen Raum durchzuführen. Durch die Bereitstellung der gut miteinander verzahnten Arbeitsmittel wie Sachinformationen, didaktischer Planungsvorschläge, gezielt ausgesuchter Unterrichtsmaterialien und des benutzerfreundlichen Computerprogramms GrafStat, das über mehrere Jahre entwickelt sowie in der Praxis erprobt wurde, wird eine sehr leistungsfähige und benutzerfreundliche Infrastruktur für die Lehrpersonen bereitgestellt.

    Für Fragen zur Durchführung des Projektes und insbesondere zur Nutzung der Software GrafStat ist das Projektteam der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Sander per Telefon (02 51-83-22 222) oder per E-Mail (info@forschenmitgrafstat.de) zu erreichen.

    Piroschka Haenlein, Andrea Meschede, Wolfgang Sander

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