30 Jahre Mauerfall Mehr erfahren
zurück 
31.7.2007

Info 03.01 Klimawandel aus der Sicht der deutschen Bevölkerung

Die hier vorgestellten Daten stammen aus der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2006", die von der Projektgruppe "Umweltbewusstsein in Deutschland" der Philipps-Universität Marburg in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS-EMNID durchgeführt wird.

Die hier vorgestellten Daten stammen aus der Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2006", die von der Projektgruppe "Umweltbewusstsein in Deutschland" der Philipps-Universität Marburg in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS-EMNID durchgeführt wird. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamts (UBA) durchgeführt. Die UBA-Studie zum Umweltbewusstsein ist eine im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführte Repräsentativbefragung (2034 Befragte), die langfristige Trends in der Entwicklung des Umweltbewusstseins sowie aktuelle umweltpolitische Themen zum Gegenstand hat.

Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Studie sind in verschiedenen Publikationen nachzulesen und auszugsweise auch auf der Webseite www.umweltbewusstsein.de dokumentiert. Dort kann man auch die im Folgenden in Auszügen aufgeführten Ergebnisse samt der dazugehörigen Grafiken und Tabellen herunterladen.

Das Wichtigste in Kürze

Klimawandel auch in den Köpfen



Die Wahrnehmung des Klimawandels als ein zunehmend bedrohliches Problem hat sich in den letzten Jahren verändert. Die Bedrohung wird von der großen Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wahrgenommen, von Staat und Regierung wird nachdrücklich ein konsequentes Gegensteuern erwartet und es beginnt sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Klimawandel auch den privaten Bereich betrifft. Sparsamere Autos, Wärmedämmung und energieeffiziente Heizsysteme stoßen ebenso auf wachsendes Interesse wie Photovoltaik und Solarwärmesysteme. Die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden, ist in vielen Bereichen des Umweltschutzes gewachsen, insbesondere dort, wo man meint, einen realistischen Nutzen seines Tuns erkennen zu können, etwa beim Kauf energieeffizienter Geräte, bei der Ernährung oder im Rahmen eines zivilgesellschaftlichen Engagements für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes.

Eine Mehrheit der Deutschen glaubt allerdings schon nicht mehr, dass die Folgen des Klimawandels noch bewältigt werden können. 62% sind in dieser Hinsicht pessimistisch. Nur ein gutes Drittel ist im Großen und Ganzen davon überzeugt, dass wir die aus der Klimaveränderung resultierenden Probleme in den Griff bekommen. Optimistischer als der Durchschnitt der Bevölkerung äußern sich in dieser Frage die Anhänger von CDU/CSU, pessimistischer sind dagegen die Wähler der Grünen. Das Geschlecht, das Alter und die Schulbildung ergeben bei der Einschätzung einer Bewältigung des Klimawandels keine Unterschiede.

Dennoch soll alles, was möglich ist, unternommen werden und die öffentliche Meinung ist unmissverständlich: Deutschland soll Vorbild für einen anderen, klimaschonenden Umgang mit Energie sein – nicht nur national, sondern auch international. Zwei Drittel (67%) der Bevölkerung sind der Ansicht, dass Deutschland in der internationalen Klimaschutzpolitik vorangehen sollte. Dies ist im Vergleich mit den Befragungen aus den Jahren 2002 und 2004 eine weitere Steigerung des Anteils der Befürworter einer klimapolitischen Vorreiterrolle Deutschlands (2002: 47%, 2004: 56%). Das Engagement auf den internationalen Klimakonferenzen findet in der Bevölkerung Anklang und man plädiert für eine zukünftig noch aktivere Rolle Deutschlands.

Umstieg auf erneuerbare Energien gefordert – auch auf die Verbraucher kommt es an Die Deutschen wissen um ihre Macht als Energieverbraucher. Mit einem Anteil von 57% ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung davon überzeugt, dass es beim Energiesparen auch auf die Verbraucher ankommt und man daher im Alltagsverhalten gefordert sei. Weitere 39% stimmen dieser Meinung immerhin noch weitgehend zu. Letztlich wird der Industrie aber doch noch ein wenig mehr Verantwortung abverlangt: Sie sollte dazu angehalten werden, mehr energiesparende Produkte anzubieten. Diese Aussage findet bei den Deutschen nahezu hundertprozentige Zustimmung. [...]

Energiesparen im Haushalt ist angesagt



Über den eigenen Energieverbrauch hat sich die große Mehrheit noch nicht so recht Gedanken gemacht. Drei von vier befragten Personen unserer Studie können keine Aussage darüber machen, wie viele Kilowatt-Stunden Strom ihr Haushalt pro Jahr verbraucht und wie viel Cent sie im vergangenen Jahr für eine Kilowatt-Stunde bezahlt haben. Von diesen Personen nennen aber auch nur 28% annähernd korrekte Preise zwischen 15 und 20 Cent pro Kilowattstunde. Genau genommen wissen also nur ca. 11% der Bürgerinnen und Bürger – etwa jeder Zehnte – wie viel sie für Strom bezahlen. Alter, Geschlecht, Schulbildung und Einkommen haben keinen Effekt auf das Wissen um Stromverbrauch und -kosten. Die Mehrheit der Bevölkerung kann zwar nicht genau sagen, wie hoch der Stromverbrauch in ihrem Haushalts ist, gleichzeitig stimmen aber nahezu alle Bürgerinnen und Bürger der Aussage zu, dass es beim Energiesparen auch auf die Verbraucher ankomme und man daher im Alltagsverhalten gefordert sei (siehe Abbildung 2). Offenbar kommt dem Energiesparen in vielen Fällen eine eher prinzipielle Bedeutung zu, ohne dass man ständig seinen Stromzähler kontrolliert. Man verhält sich im Alltag generell sparsam und schaltet vielleicht nicht benötigtes Licht aus oder findet es generell gut, effiziente Geräte zu kaufen. So sagen 84% der Deutschen, dem Energieverbrauch Beachtung zu schenken, wenn sie Haushaltsgeräte kaufen. Nur 14% machen sich diese Mühe nicht.

Häufig fehlt es an Informationen darüber, in welchem Ausmaß Energie im Haushalt eingespart werden kann. Welche Maßnahmen und Angebote würden die Bürgerinnen und Bürger also veranlassen, entsprechend aktiv zu werden? Tabelle 4 zeigt, dass eine persönliche Beratung in diesem Fall nicht übermäßig willkommen ist, weder zu Hause noch im Geschäft oder am Einkaufsort, am wenigsten am Telefon. Am ehesten würde man sich noch an eine einschlägige Beratungsstelle wenden. Am größten ist das Interesse an einer Senkung des Energieverbrauchs beim Heizen. Im Gegensatz zum Strom machen sich die Heizkosten nämlich deutlicher im Haushaltsbudget bemerkbar. 83% der Befragten erklären, dass eine stärkere finanzielle Förderung von Einsparmaßnahmen, z.B. zinslose Kredite für die Wärmedämmung oder die Erneuerung der Heizungsanlage, sie "höchst wahrscheinlich" oder "eher ja" dazu veranlassen würde, Energie im Haushalt einzusparen. Drei von vier Personen halten ferner gezielte Informationen über Möglichkeiten der Energieeinsparung in Presse, Funk und Fernsehen für sinnvoll. Einen geringeren Effekt hätten höhere Preise für Strom.

Öko-Strom beziehen nur wenige



Die Deutschen halten mittlerweile viel von erneuerbaren Energien, doch der private Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien stellt nach wie vor eine Ausnahme dar. Aus der heimischen Steckdose der Bundesbürger fließt hauptsächlich Strom von konventionellen Anbietern. Nur 5% der Befragten geben an, bereits Öko-Strom zu beziehen. Gegenüber den Befragungen aus den Jahren 2002 und 2004 ist dies eine geringfügige Steigerung um 2 Prozentpunkte. Immerhin ist die Zahl derer, die den Bezug von Öko-Strom grundsätzlich ablehnen von 50% im Jahr 2004 auf nun 40% gesunken. Gleichzeitig erklären entsprechend mehr Personen, dass sie zukünftig vielleicht Öko-Strom beziehen wollen. Wohlwollend interpretiert ist die Nachfrage nach umweltverträglichem Strom also leicht gestiegen. Überdurchschnittlich ist das Interesse an Öko-Strom in den jüngeren Altersgruppen von 18 bis 29 Jahren. Auch die Schulbildung hat einen Effekt: Je höher, desto größer ist die Sympathie für Strom aus erneuerbaren Energien. Warum ist die Nachfrage nach umweltverträglichem Strom so gering? Was würde helfen, damit mehr Bürgerinnen und Bürger Öko-Strom beziehen? Nahezu drei von vier Personen behaupten, geringere Kosten von Öko-Strom würden sie dabei unterstützen, zu einem entsprechenden Anbieter zu wechseln. Offensichtlich hält sich hartnäckig das Vorurteil, Öko-Strom sei im Vergleich zu konventionellem Strom deutlich teurer. Im Osten Deutschlands ist dieses Vorurteil noch stärker verbreitet. Tatsächlich sind die Mehrkosten eher marginal. Und wenn man bedenkt, dass nur ungefähr jeder Zehnte annähernd korrekte Angaben über den Preis einer Kilowatt-Stunde machen kann, dann fragt man sich, ob die Kosten wirklich das entscheidende Problem sind. Vermutlich ist es eher Bequemlichkeit, die den Wechsel zum Öko-Strom behindert. Jeder Fünfte bestätigt, eine leichtere Wechselmöglichkeit zu einem anderen Stromanbieter würde helfen – obwohl der Wechsel mittlerweile reibungslos funktionieren dürfte. Bestehen also doch immer noch Informationsdefizite auf Grund unzureichendem Marketing? Aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger offenbar ja, denn jeder Dritte fordert mehr Transparenz über Anbieter und Produkte sowie generell mehr Informationen über Öko-Strom.

Klimawandel als persönliches Risiko



Fast jeder zweite Deutsche fühlt sich durch den Klimawandel persönlich bedroht. Gleiches gilt für die Risiken der Atomkraft. Auch in Bezug auf die Gentechnik dominiert die Einschätzung, diese könne für einen selbst und die eigene Familie gefährlich werden. 42% stufen die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen in Lebensmitteln als potenziell gesundheitsgefährdend ein. Der Klimawandel löst bei den Menschen in Ost und West ähnlich starke Bedrohungsgefühle aus. Differenziert man nach dem Geschlecht der Befragten, so zeigt sich, dass die durch den Treibhauseffekt verursachten Klimaveränderungen von Frauen und Männern in gleichem Maße als gefährlich eingeschätzt werden. Für die Risiken der Atomkraft und der Gentechnik gilt jedoch, dass sich Frauen stärker als Männer persönlich bedroht fühlen. Auch das Alter hat einen Effekt, und zwar auf die Beurteilung des persönlichen Gefährdungspotenzials aller drei Großrisiken. Als Tendenz lässt sich festhalten: Die Jüngsten (18 und 19 Jahre) sowie die Ältesten (70 Jahre und älter) sind weniger risikobewusst als der Durchschnitt. Umgekehrt hält die Altersgruppe der 40- bis 69-Jährigen die Risiken des Klimawandels, der Atomkraft und der Gentechnik für überdurchschnittlich gefährlich. [...]

Regierung soll aktiver werden



Die Regierung soll mehr für den Umweltschutz tun. Diese Meinung vertreten mehr als zwei Drittel der Deutschen, unter denjenigen mit höherer Schulbildung sogar drei Viertel. Damit sind die Bürgerinnen und Bürger unzufriedener mit der aktuellen Umweltpolitik als in den Untersuchungen der Jahre 2002 und 2004. Damals beurteilten 32% bzw. 34% der Deutschen die umweltpolitischen Aktivitäten der Bundesregierung als derzeit genau richtig bemessen, im Jahr 2006 ist dieser Anteil auf 28% gesunken. Gewachsen ist die Unzufriedenheit im Übrigen unter den Anhängern aller Parteien. Mehr Engagement der Regierung wollen also nicht nur die Anhänger der Grünen. Vielmehr stellt sich die Rücksicht auf den Schutz unserer Umwelt immer weniger als eine Frage der politischen Einstellung oder der gesellschaftlichen Ideologie dar. An dieser Entwicklung zeigen sich deutlich das wiedererwachte Interesse am Umweltschutz und der zunehmende Wunsch nach mehr staatlicher Einflussnahme. [...]

Was macht der Einzelne? "Müll trennen" rangiert einsam auf Platz 1!



Jeder Einzelne hat mit seinen alltäglichen Entscheidungen großen Einfluss darauf, unsere Umwelt zu schützen. Die meisten Deutschen sind sich ihrer einflussreichen Rolle als Verbraucher bewusst. Sie wissen, dass sie etwa durch ihr Kaufverhalten und einen sparsamen Umgang mit Energie wesentlich zum Umweltschutz beitragen können. Mit einer offenen Frage wurden die Deutschen gefragt, was sie persönlich für den Umweltschutz tun. Die Befragten konnten sich hierzu also ohne Antwortvorgaben frei äußern. Die Antworten haben wir von den Interviewern notieren lassen und später zu thematischen Kategorien gebündelt.

Dass der sorgsame Umgang mit Müll für sie ein grundlegendes Anliegen sei, sagen zwei Drittel der Deutschen. Abfall trennen, keinen Müll achtlos wegwerfen, sein Umfeld sauber halten und unnötiges Verpackungsmaterial vermeiden – das sind die wesentlichen der angegebenen Handlungen. Frauen thematisieren die Müllvermeidung und -trennung noch häufiger als Männer, auch unter den 18- bis 24-Jährigen ist dies der Fall. Mit weitem Abstand folgt an zweiter Stelle der häufigsten Nennungen der sparsame Umgang mit Energie. Energiesparen ist damit weitaus weniger selbstverständlich als die Mülltrennung und -vermeidung. So führt etwas mehr als jeder vierte Deutsche den sparsamen Umgang mit Energie als persönlichen Beitrag zum Umweltschutz an – angefangen mit "allgemein Strom sparen", "sparsam heizen", "Elektrogeräte mit niedrigem Stromverbrauch benutzen" bis hin zum Einsatz einer modernen, sparsamen Heizung.

Unter jungen Menschen ist die Beachtung des Energieverbrauchs weniger ein Thema. Die größte Aufmerksamkeit erhält dieser Aspekt unter den 60- bis 69-Jährigen, und zwar mit einem Anteil von 31%. Die sparsame, geplante und umweltbewusste Nutzung des Autos sowie das Fahren eines Benzin sparenden oder schadstoffarmen Autos wird besonders gern von Männern erwähnt, häufiger noch als der sparsame Umgang mit Energie. Auch unter Befragten mit höherer Schulbildung kommt die sparsame Nutzung des Autos öfter zur Sprache als im Durchschnitt der Bevölkerung. Das gilt in gleicher Weise für ein umweltfreundliches Verkehrsverhalten, womit gemeint ist, dass man häufig das Fahrrad oder den ÖPNV nutzt, gar kein Auto fährt und kurze Strecken zu Fuß geht. Ferner betont ein Drittel der 18- bis 24-Jährigen – und damit deutlich mehr als die Älteren – sich im Straßenverkehr umweltbewusst zu verhalten. Ein umwelt-freundliches Konsumverhalten führen doppelt so viele Frauen wie Männer an. Jede sechste Frau sieht hier ihren persönlichen Beitrag zum Umweltschutz, aber nicht einmal jeder zehnte Mann. Die übrigen der genannten Aspekte liegen in der Gesamthäufigkeit der Nennungen nur noch unter 10 Prozentpunkten. Dies zeigt, dass sich die meisten Deutschen im persönlichen Umweltverhalten auf die klassischen Themen – allem voran Mülltrennung und -vermeidung – sowie Energiesparen, Verkehr und Konsum konzentrieren.

Aus: Udo Kuckartz, Anke Rheingans-Heintze, Stefan Rädiker: Klimawandel im Bewusstsein, Ausgewählte Ergebnisse der Studie 2006 zum Thema Klimawandel, Februar 2007, Download unter http://umweltbewusstsein.de (03.08.2007).
Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln