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22.3.2019

Didaktische Konzeption zum Europawahl-Projekt

Eine kurze Übersicht zu Hintergrund, Zielgruppe und Aufbau des Projekts ermöglicht Lehrkräften einen schnellen Überblick.

Zielgruppe Durchführung in Sekundarstufe I, alle Schulformen
Unterrichtsfächer Politik / Sowi
Themenbezug Europäische Union, Europawahl, Wählermobilisierung, politische Urteilsbildung, Befragungsmethoden, Datenauswertung
Dauer 2 - 3 Wochen, je nach Modul-Auswahl
Aufwand gering bis hoch, je nach Modul-Auswahl
Materialien Alle benötigten Materialien stehen im Online-Angebot der bpb unter www.bpb.de/grafstat online ergänzt durch formatierte Arbeitsblätter (PDF) zur Verfügung.
Autor/innen Prof. Andrea Szukala, Cornelius Knab und Sabine Kühmichel unter Mitarbeit von Selina Kalms, Louisa Mathoux, Anna Westermann und Stefan Grosz vom Team Forschen mit GrafStat der Universität Münster

Team "Forschen mit GrafStat" der Universität Münster, unter Leitung von Prof. Andrea Szukala
Vlnr: Cornelius Knab, Anna Westermann, Selina Kalms, Louisa Mathoux und Sabine Kühmichel (© Sabine Kühmichel)


Ausgangslage und Ziel des Projektes



Im Mai 2019 wird die 9. Direktwahl des Europäischen Parlaments stattfinden. Wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger aus 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind aufgerufen, ihre Repräsentanten für das Europäische Parlament in Straßburg zu wählen.

Dieses europäische Großereignis eröffnet die besondere Chance für die transnationale mehrsprachige Bürgerbildung in Schule und in non-formaler politischer Bildung in Europa: Die politische Bedeutung der EU, die zwischen Mitgliedstaaten und Brüssel sowie zwischen den Mitgliedstaaten aufgespannten Prozesse und Inhalte sowie die Demokratisierung der Europäischen Union können anhand konkreter politischer Anliegen und Problemlagen für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Erwachsene, demokratiepolitisch erfahrbar gemacht werden.

Die Wahlen zum Europäischen Parlament im Jahr 2019 stehen unter besonderer gesamteuropäischer Spannung und politischer Polarisierung. In den Mitgliedsstaaten der EU findet Wählermobilisierung vor allem durch populistische Parteien statt. Obwohl in der EU die Zustimmung zu den gemeinsamen Werten und Institutionen nach dem Brexit-Referendum und den Wahlen in den USA wieder gestiegen ist, deuten sich Probleme der Legitimation der EU in ihrer heutigen Gestalt sowie der Wählermobilisierung an. Ist das Thema „Wahlen in Europa" nach wie vor ein schwieriger Fall für die politische Bildung? Die Krise in Europa stellt für die politische Bildung sicherlich eine Herausforderung aber zugleich auch eine Chance dar und eröffnet zahlreiche didaktische Ansatzpunkte, um das Interesse der Jugendlichen für die Europawahl zu wecken und jugendgemäße Beteiligungsformen zu unterstützen.

Didaktisch ist es sinnvoll, das Interesse der Jugendlichen, mehr zur Europawahl und zur EU zu erfahren, mit Themen zu wecken, die die Menschen in der EU und sie selbst konkret betreffen und diese mit verschiedenen Initiativen der Wählermobilisierung zu verknüpfen. Aufgenommen sollten vor allem jene Politikfelder, in denen die EU Politiken produziert, die im Alltag der Jugendlichen wirksam sind wie etwa Datenschutz (EU-Datenschutz-Grundverordnung; Bildungsfragen oder Regelungen zum Umweltschutz/ Verbraucherschutz, aber auch Politikfelder, in denen die EU als internationaler Akteur auftritt, wie etwa im Bereich der Sicherheitspolitik, der Klimapolitik und der Handelspolitik. Die Jugendlichen werden ggf. selbst noch weitere Anknüpfungspunkte problematisieren, die verdeutlichen, wie sich Europa in ihrem Alltag konkret auswirkt. Interessenkonflikte in der Mehrebenen-Demokratie sollten im Unterricht dabei aufgegriffen und als transnationale Probleme thematisiert und bearbeitet werden.

Angesichts der Schwierigkeiten in einzelnen Ländern und der EU insgesamt sowie der häufig geäußerten Kritik an der trägen EU-Bürokratie gilt es, zum einen für die Reichweite der EU-Politik zu sensibilisieren, die EU als politische Handlungsebene herauszustellen, zu problematisieren und zugleich exemplarisch alltagrelevante Phänomene der Integration aufzugreifen sowie die Sinnhaftigkeit der politischen Lösungen kontrovers zu diskutieren.

Das Projekt knüpft an die weiterhin vorhandene positive Grundeinstellung zu Europa an und thematisiert daher im Befragungsbaustein „Europawahl - Einstellungen und Wissen zur EU" (Modul 2) die Verbindung zwischen dem oft nicht großen Wissen über die EU und den resultierenden Einstellungen, indem es anlässlich der bevorstehenden Wahl die Haltungen von Bürgerinnen und die aus Aspekten des Nichtwissens zur EU - Geschichte, Aufgaben, Funktion, Entwicklung etc. - erwachsende Europaskepsis untersucht.

Aufbau und Inhalte des Projekts



Aufgeteilt ist das Projekt in vier thematische Module: Die Module haben jeweils inhaltliche Schwerpunkte, wurden aber so gestaltet, dass die Betroffenheit der Jugendlichen und der Lebensweltbezug der jeweiligen Thematik besonders deutlich hervorgehoben sind. Insbesondere in Modul 2 und Modul 4 steht das Forschend-Entdeckende-Lernen im Vordergrund. Der Handlungsbezug und die Frage nach den eigenen Handlungsmöglichkeiten in der Schule werden bei dem Thema „Jugend und Europa“ so deutlich und didaktisch umgesetzt. Dabei werden Ansätze und Konzeptionen aufgegriffen, die sich in der Praxis bewährt haben.

In der Kombination von Befragungsprojekt, politikwissenschaftlichen Inhalten und praktischen Arbeitshinweisen liegt die Stärke des Angebotes.

Jedes Modul besteht aus didaktisch aufbereiteten Schülermaterialien sowie einer Verlaufsplanung und Planungshinweisen, die aufzeigen, wie die Materialien im Unterricht eingesetzt werden können- Ergänzt wird das Projekt durch ein Glossar mit wichtigen Begriffen aus den Materialien sowie einigen Methodenblättern.

Das Projekt liegt in drei Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch) vor und eignet sich daher auch für transnationale Kooperationsprojekte.

Andrea Szukala

Andrea Szukala

Professur für Fachdidaktik der Sozialwissenschaften
an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Institut für Soziologie der WWU
Scharnhorststr. 121
48151 Münster
andrea.szukala@uni-muenster.de


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