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21.9.2012

Didaktische Konzeption

Die vorliegenden Materialien zum Thema "Bundestagswahl – Wahlanalyse und Wahlprognose" bieten vor allem Planungshilfen und Unterrichtsmaterialien für den Einsatz in der politischen Bildung. Es handelt sich hier nicht um eine abgeschlossene Unterrichtsreihe, die von der ersten bis zur letzten Einheit durchgeführt werden sollte, sondern um ein Angebot, das nach dem Bausteinprinzip aufgebaut ist und entsprechend variabel eingesetzt werden kann. Die einzelnen Bausteine enthalten ein in Phasen gegliedertes Artikulationsschema des Unterrichtsverlaufes sowie einen Planungshinweis, der inhaltliche Schwerpunkte, Durchführungsmöglichkeiten sowie anwendbare Methoden und Medien vertiefend erläutert. Die Unterrichtsmaterialien bestehen aus didaktisch aufbereiteten Texten, Infografiken, Schaubildern, Karikaturen, Statistiken und Diagrammen. Tafelbilder, auf die im Kommentar verwiesen wird, wurden ebenfalls entworfen.

Ferner orientiert sich die Unterrichtsreihe am Konzept der "Öffnung von Schule" und bemüht sich um eine verstärkte Integration handlungs- und produktorientierter Elemente in den gewohnten Schulalltag. Dabei kommt es wesentlich darauf an, die Schülerinnen und Schüler an der Planung und der prozesshaften Gestaltung des Unterrichts zu beteiligen sowie ihnen die konkrete Erfahrung zu vermitteln, dass ihre Vorstellungen und Erwartungen ernst genommen und im Unterricht berücksichtigt werden.

Diese Wirkung wird dadurch verstärkt, dass die im Unterricht oder in der außerschulischen Bildungsarbeit erstellten Produkte (z.B. die Wahlanalyse und -prognose) einer interessierten schulischen oder außerschulischen Öffentlichkeit präsentiert werden. Die dadurch ausgelöste positive Resonanz dürfte erfahrungsgemäß das Interesse der Jugendlichen an politischen Sach- und Streitfragen nachhaltig verstärken.

Bundestagswahlen vor dem Reichstag (© AP)

Die Planung des Unterrichts kann sich an zwei Varianten orientieren: Bei einer leistungsstarken Lerngruppe kann gleich zu Beginn die Durchführung einer Wahlprognose im heimischen Wahlkreis als Zielpunkt ins Auge gefasst werden (Variante A). Dabei können die Schülerinnen und Schüler Basiskenntnisse über das politische System in einem Wechselspiel von Theorie und praktischer Arbeit an der Wahlprognose erschließen, vertiefen und anwenden. Die Erarbeitung der Inhalte im Unterricht geschieht somit immer schon unter dem Gesichtspunkt der Relevanz für die eigene Befragung. Dadurch können die Jugendlichen Wissen nicht nur motiviert und zielgerichtet erwerben, sondern es in einen sinnvollen Kontext einbetten. Die gewonnenen Kenntnisse sind dann kein reiner Selbstzweck mehr, sondern auch ein Vehikel für das Erreichen gesetzter Ziele.

Die Variante B besteht darin, dass die Bausteine dieses Kapitels (in Auszügen oder vollständig – je nach zur Verfügung stehender Zeit) genutzt werden, um den Schülerinnen und Schülern Basiskenntnisse über das Wahlsystem zu vermitteln und sie zu kompetenten Beobachtern des politischen Geschehens in Zeiten des Wahlkampfes zu machen.

Der Baustein 1 thematisiert die Besonderheiten des deutschen Wahlsystems. Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Gelegenheit, die Bedeutung von Erst- und Zweitstimmen kennenzulernen. Sie berechnen auf der Basis des Wahlergebnisses aus dem Jahr 2009, wie aus Stimmen Mandate werden. Sie lernen weiterhin die Problematik der Überhangmandate kennen (inklusive der Auflagen des Bundesverfassungsgerichtes) und erfahren, wie durch die Einführung von Ausgleichsmandaten der Grundgedanke der Verhältniswahl gewahrt werden kann.

Baustein 2 stellt die Rolle der Parteien und des Wahlkampfes in den Fokus. Dabei wird den Schülerinnen und Schülern in Baustein 2.1 die zentrale Bedeutung der Parteien in unserer parlamentarischen Demokratie verdeutlicht (Anspruch). Dieser bedeutsamen verfassungsrechtlichen Stellung der Parteien soll die zunehmende Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger mit der Politik und den Parteien gegenübergestellt werden (Wirklichkeit). Auf dieser Grundlage sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, sich ein angemessenes politisches Urteil zur gegenwärtigen Situation der Parteiendemokratie in Deutschland zu bilden. Die programmatischen Ausrichtungen der Parteien werden in diesem Zusammenhang ebenfalls erschlossen. Ein Bezug zum aktuellen Geschehen kann durch eine angeleitete Internetrecherche zu den einzelnen Parteien hergestellt werden. In Baustein 2.2 wird die Frage "Wahlkampf – Information oder Manipulation?" aufgeworfen, zu welcher die Schülerinnen und Schüler am Ende der Unterrichtsreihe fundiert Stellung nehmen können. Nachdem grundlegende Wahlkampfstrategien der Regierung und der Opposition erarbeitet worden sind, können die Schülerinnen und Schüler aktuelle Wahlkampfmaterialien sowie Wahlplakate vergangener Wahlen analysieren. Anschließend wird auch auf die Bedeutung des Fernsehens (TV-Duelle der Spitzenkandidaten) und die Rolle der Neuen Medien, insbesondere des Internets, eingegangen.

Unter dem Schwerpunkt "Wahlforschung" können mit dem Baustein 3 verschiedene Aspekte der Untersuchung des Wählerverhaltens unterrichtlich gezielt aufgearbeitet werden. Dazu sollte einführend zunächst der Baustein 3.1 ("Wählerverhalten und Wahlforschung") behandelt werden, bevor ein Schwerpunkt auf andere Aspekte des Wählerverhaltens gelegt wird. Die Schülerinnen und Schüler können hier Hypothesen zum Zusammenhang von Wahlverhalten und soziodemografischen Merkmalen formulieren und diese anschließend anhand empirischer Daten überprüfen. Von der Beschreibung dieser Zusammenhänge können sie daraufhin zu möglichen Erklärungen derselben gelangen, indem sie gängige Modelle des Wahlverhaltens und der Parteibindung erarbeiten. Der Baustein 3.2 widmet sich dem Phänomen der sinkenden Wahlbeteiligung. Mögliche Gründe der Wahlverweigerer werden ebenso thematisiert wie der Zusammenhang zwischen soziodemografischen Merkmalen und der Entscheidung zur Nichtwahl. Die Frage, ob sich die Demokratie aufgrund der sinkenden Wahlbeteiligung in einer Krise befindet, wird mittels der Erarbeitung verschiedener Positionen vertiefend erforscht. Ist die Durchführung einer eigenen Wahlprognose vorgesehen, ist es empfehlenswert, die Methode der Wahlprognose mithilfe der Materialien im Baustein 3.3 ebenfalls aufzugreifen. Die Jugendlichen erhalten einen Einblick in die möglichen Fehlerquellen von Umfragen und lernen im Hinblick auf ihre eigene Wählerbefragung, die Aussagekraft dieser lokalen Erhebung kritisch einzuschätzen.

Je nach Kenntnisstand der Schülerinnen und Schüler oder zur Wiederholung können darüber hinaus Materialien des Kapitels "Wahlen in der Demokratie" hinzugezogen werden.

Wolfgang Sander, Angela Gralla, Sabine Kühmichel, Julia Haarmann

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Angela Gralla

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität
Lehrerin für die Sekundarstufe I und II


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


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