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30.6.2010

Baustein 1: Einstieg in die Befragung

Zum Einstieg in das Thema Mobbing und Gewalt sowie zur Vorbereitung auf die Befragung sollen die Schülerinnen und Schüler dafür sensibilisiert werden, dass zwar auch verbale Gewalt, wie etwa eine Beleidigung, verletzend sein kann, doch der Begriff Mobbing nur auf ein bestimmtes, viel massiver auftretendes Phänomen anwendbar ist. Baustein 1 stellt Materialien hierzu sowie zur Planung und Durchführung der Befragung zur Verfügung.

Einstieg in das Thema und Vorbereitung der Befragung



Mobbing zielt systematisch darauf ab, das Opfer zu demütigen, sein Selbstwertgefühl zu beeinträchtigen und es sozial zu isolieren. (© digitalstock)

Start und Ausgangspunkt des Unterrichtsprojekts bildet Baustein 1. Er stellt Materialien zur Bewusstmachung des Themas und Anbahnung des Befragungsprojekts zur Verfügung. Die Schülerinnen und Schüler sollen hier die Bedeutung des Themas erschließen und einen Bezug zur Thematik herstellen, aber auch die allgemeine Relevanz des Themas Mobbing in der Klasse erschließen. Zudem soll ihnen hier die Sinnhaftigkeit des Instruments der Befragung zur Ermittlung von Aussagen und Informationen zum Auftreten von verletzenden Verhaltensweisen oder gar Mobbing ersichtlich werden.





Lernziele



Die Schülerinnen und Schüler sollen

Einstieg ins Thema



Wichtig bei einer Befragung zum Thema Mobbing ist, dass die Jugendlichen in ihrem Antwortverhalten im Vorfeld nicht zu stark beeinflusst werden. Dies kann bspw. schon durch eine sehr umfangreiche Bearbeitung des Befragungsthemas vor Durchführung der Befragung passieren. Daher empfiehlt es sich, mit einem kurzen Einstieg zu beginnen und dann direkt mit der Befragung zu starten.

Spot der kanadischen Organisation "Concerned Children’s Advertisers – Long Live Kids!" (© Public Domain, Concerned Children’s Advertisers – Long Live Kids!)
Als Einstieg in das Thema oder ins Unterrichtsgespäch kann hier ein aktueller Anlass in der Klasse oder aber auch der kurze Videospot "Words hurt" (M 01.01) zum Thema Mobben mit Worten dienen. (Informationen zum Film finden Sie unter: Info 01.01)

Da der Videospot in englischer Sprache ist, sollten Sie den Spot ggf. zweimal schauen und beim zweiten Schauen, wenn nötig, die Begriffe "Loser" (= Verlierer), "Geek" (= Streber, Schleimer), "Get lost!" (= Verschwinde!) erläutern. Hier können Sie zum einen Vorwissen aktivieren, zum anderen aber auch Betroffenheit für das Thema hervorrufen.

Schnell wird sicherlich klar, dass die Vorstellungen von dem Begriff/Phänomen Mobbing bei den Schülerinnen und Schülern recht ungenau und schwammig sind, und kaum ein Jugendlicher alle Merkmale des Mobbings kennt, um dieses von "normalen" Konflikten unterscheiden zu können. Daher soll vor dem Ausfüllen des Fragebogens klar gestellt werden, was unter Mobbing verstanden werden kann und was nicht. Den Schülerinnen und Schülern soll klar werden, dass eine einmalige Rangelei oder Beleidigung zwar auch schmerzhaft und verletzend sein kann, der Begriff Mobbing jedoch nur auf ein bestimmtes, viel massiver auftretendes Phänomen anwendbar ist. Das Material M 01.02 "Ist das schon Mobbing?" hilft, den Unterschied deutlich zu machen.

Alternativ dazu kann für den Einstieg auch ein konkretes Ereignis oder ein bestimmter Vorfall in der Klasse als Aufhänger für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Mobbing dienen oder die Befragung zur inhaltlichen Vorbereitung einer Klassen- oder Kursfahrt zum Thema genutzt werden.

Durchführung der Befragung



Mobbing - bei uns nicht?

In einem nächsten Schritt füllen die Schülerinnen und Schüler den Fragebogen M 01.03 (Hinweise in Info 01.02) online oder auf Papier aus. Das Ausfüllen kann entweder im PC-Raum der Schule oder auch zu Hause erfolgen. Wichtig ist es, hier auf die Anonymität der Befragung hinzuweisen und darauf zu achten, dass diese auch eingehalten bzw. ermöglicht wird. Daher sollte sorgfältig geprüft werden, ob ein gemeinsames Ausfüllen im Computerraum sinnvoll ist.

Mobbingopfer sind aus eigener Kraft nicht in der Lage, das Mobbing zu beenden. (© digitalstock)

Es ist unbedingt zu vermeiden, dass Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig in den Fragebogen schauen, damit gerade Jugendliche, die etwas Kritisches anmerken wollen, dies auch ungestört und unbeeinflusst tun können.

Um die Anonymität der einzelnen Schülerinnen und Schüler auch bei der späteren Auswertung zu gewährleisten – also sicherzustellen, dass keine konkreten Personen anhand der Daten indentifizierbar werden – kann anstatt einer Klassenbefragung auch eine Befragung der ganzen Jahrgangsstufe erwogen werden. Dies hat den Vorteil der höheren Anonymität bei der Auswertung der Daten, weil einerseits viel mehr Personen befragt werden und man sich andererseits innerhalb der Jahrgangsstufe auch nicht so gut kennt wie auf Klassenebene. Auf der anderen Seite hat die Jahrgangsstufenbefragung gegenüber der Klassenbefragung wiederum den Nachteil, dass dadurch auch die Ergebnisse diffuser werden und nicht mehr eindeutig auf die eigene Klasse sondern lediglich auf die ganze Jahrgangsstufe bezogen werden können. Für welche Variante man sich entscheidet, wird sicher auch von der Situation in der eigenen Klasse abhängen.



Der Fragebogen

Der Fragebogen ist so konzipiert, dass beide Varianten möglich sind. Für eine Jahrgangsstufenbefragung – bei der der thematische Einstieg für die anderen Klassen nicht realisierbar ist – empfiehlt es sich u.U., auf einem Beiblatt zum Fragebogen eine Definition von Mobbing den Schülerinnen und Schülern an die Hand zu geben.

Inhaltlich deckt der Fragebogen folgende Aspekte ab:
  1. Abfrage der Beobachtung von Aktionen körperlicher, verbaler und nonverbaler Gewalt in der Schule oder Klasse,
  2. Eigenes Verhalten in Mobbingsituationen,
  3. Verhalten der Lehrpersonen.


Zwei Befragungsvarianten



Für die eigentliche Durchführung der Befragung bieten sich zwei Befragungsvarianten an. Zum einen kann die Befragung mit der bereits entwickelten Befragung online schnell und wenig aufwändig durchgeführt werden (Variante 1). Zum anderen können Sie auf Basis des Musterfragebogens auch eine schriftliche Befragung auf Papier durchführen und die Daten anschließend mit der Software GrafStat in den Computer eingeben (Variante 2).

Schnell und ohne Aufwand – Die Onlinebefragung

Screenshot des Online-Fragebogens. (© GrafStat)


(Variante 1)

Der Einsatz der Online-Befragung hat für Sie folgende Vorteile: Sie wollen teilnehmen? Hier die einzelnen Schritte für Sie im Überblick:
  1. Anmeldung für das Projekt per Mail oder Telefon (0251-83-22222).
    Ihre Mail sollte folgende Angaben enthalten:
    • Kontaktdaten der Lehrerin, bzw. des Lehrers,
    • Name der Schule,
    • Adresse der Schule,
    • Klassenstufe,
    • Anzahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler,
    • geplanter Befragungszeitraum.
  2. Durchführung der Online-Befragung mit Hilfe des für Sie kodierten Online-Fragebogens (Link s. Bestätigungsemail)
  3. Die aktuellste Version der Software GrafStat – für den Einsatz im Bildungsbereich kostenlos – herunterladen (http://www.grafstat.de/) und installieren.
  4. Mit dieser können Sie nach der Durchführung der Befragung in Ihrer Klasse die Daten mittels der zugesandten Kenndaten vom Datensammelpunkt herunterladen. Dazu die PDF-Icon Befragungsdatei mit GrafStat öffnen und über "Daten zusammenfügen" --> "aus dem Internet" die Daten der Klasse importieren. (Erforderliche Kenndaten wurden Ihnen nach der Anmeldung zugesandt.) Anschließend mit den Schülerinnen und Schülern die Daten gemeinsam auswerten. (Weitere Hinweise hierzu siehe Baustein 4 des Projektes.)

Ausgedruckt und kopiert – Die Befragung auf Papier


(Variante 2)

Alternativ zur Onlinebefragung können Sie die Befragung auch traditionell mit einem PDF-Icon ausgedruckten Fragebogen durchführen. Dazu können Sie die PDF-Icon GrafStat-Befragungsdateien herunterladen.

Der Vorteil hier ist, dass Sie, wenn Sie mögen, den Fragebogen nach Ihren Wünschen auch – gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern – modifizieren und ganz auf den Bedarf Ihrer Klassenbefragung zuschneiden und anpassen können. Sie können einzelne Fragen (Items) löschen, selbst neue Fragen hinzufügen oder vorhanden Fragen umformulieren. Dabei sollten Sie jedoch beachten, dass bei der Formulierung von Items sehr schnell Fehler auftreten können, die die Qualität der erhobenen Daten beeinflussen, z.B. dann, wenn diese Fragen missverstanden werden, so dass hier viel Sorgfalt auf die Formulierung und Gestaltung der neuen Fragen gelegt werden sollte.

Ein kleiner Nachteil dieser Variante auf Papier ist, dass die Fragebögen der Schülerinnen und Schüler manuell in GrafStat eingegeben werden müssen. Dadurch kann es sein, dass die Schülerinnen und Schüler evtl. die Gewährleistung der Anonymität gefährdet sehen, weil insbesondere durch ein mögliches Wiedererkennen der Schrift bei den Freitextantworten durch die Lehrkraft eine Zuordnung der Daten zu einzelnen Schülern stattfinden könnte. Gerade die offenen Antworten sind jedoch aufgrund möglicher Begründungen und Freiraum für eigene Anmerkungen und freie Formulierungen sehr aufschlussreich und spannend, so dass es sehr schade wäre, wenn wegen der Befürchtung einer Re-Anonymisierung so evtl. die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler, hier Auskunft zu geben, gesenkt wird.

Warum eine Befragung



Damit den Schülerinnen und Schülern ersichtlich wird, warum Befragungen ein probates Mittel zur Ermittlung von Erkenntnissen sind, sollen sie im Anschluss an das Ausfüllen des Fragebogens über Sinn und Zweck, Vor- und Nachteile von Befragungen allgemein reflektieren. Dazu kann die Methode Stummes Schreibgespräch eingesetzt werden. Hierfür kann dann entweder die Tafel genutzt oder aber mit Packpapierbahnen oder Plakaten in der Gruppe gearbeitet werden. Diese Methodenreflexion bereitet die anschließende Auseinandersetzung mit der Methodik von Befragungen vor.

Wie arbeiten Sozialwissenschaftler?



GrafStat-Interview mit dem Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Sander. (© Sebastian Stolte)

Um die Schülerinnen und Schüler noch mehr über die Methodik von quantitativen Befragungen aufzuklären, kann zur Vertiefung ein Interview über Vorgehensweisen der empirischen Sozialforschung und speziell über das Instrument der Befragung angehört werden. Die Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler ist, mittels Leitfragen die wichtigsten Aspekte zum Vorgehen zu ermitteln. Das vorliegende Interview ist als MP3-Datei und als Text verfügbar (M 01.04). Es empfiehlt sich, das Interview mindestens zweimal abzuspielen. Im Anschluss werden die Ergebnisse zunächst mit dem Tischnachbar, dann in der Klasse besprochen.
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Wolfgang Sander, Julia Haarmann, Sabine Kühmichel

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


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