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30.10.2010

Baustein 2: Ist das schon Mobbing?

Was unterscheidet Mobbing von alltäglichen Konflikten und Rangeleien? Und wer ist überhaupt am Mobbingprozess alles beteiligt? In diesem Baustein machen sich die Schülerinnen und Schüler zunächst ein differenziertes Bild von Mobbing, um sich anschließend intensiv mit den Akteuren und Rollen im Mobbingprozess und ihrer Beziehung untereinander auseinanderzusetzen.

Lernziele



Die Schülerinnen und Schüler sollen

Was ist Mobbing überhaupt? – Erscheinungsformen von Mobbing




„Nicht jede Gewalt ist Mobbing, aber Mobbing ist immer Gewalt“ (Jannan 2008, S. 22). (© digitalstock)

Zu Beginn dieses Bausteins sollen die unterschiedlichen Formen, in denen Mobbing stattfinden kann, thematisiert und von alltäglichen Konflikten und Auseinandersetzungen abgegrenzt werden. Dies ist wichtig, da der Begriff "Mobbing" im Sprachgebrauch Jugendlicher sehr häufig für Phänomene verwendet wird, bei denen es sich nicht wirklich um Mobbing handelt.

Für die Differenzierung sammeln die Schülerinnen und Schüler zunächst erst einmal möglichst viele verschiedene Erscheinungsformen von Mobbing (Methode: Kartenabfrage in Einzelarbeit). Danach sollen die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Kategorien für die unterschiedlichen Ausprägungsformen des Mobbings finden und die einzelnen Karten diesen Kategorien zuordnen (auf Plakaten).

Screenshot Info 02.01 (© GrafStat)

Die Ergebnisse der Einzel- und Gruppenarbeit werden anschließend im Unterrichtsgespräch in der Klasse zusammengetragen und zur Sicherung in einer Tabelle (vgl. M 02.01 "Erscheinungsformen von Mobbing") festgehalten. Bei dieser Aufgabe soll zudem deutlich werden, dass Jungen und Mädchen unterschiedlich mobben (vgl. Arbeitsauftrag 2). Eine erweiterbare Musterlösung zu M 02.01 findet sich in Info 02.01.

In einem nächsten Schritt geht es anschließend darum zu klären bzw. zu vertiefen, wie sich Mobbing von anderen Formen von Gewalt und Konflikten abgrenzt. Die Lehrperson fragt dazu die Schülerinnen und Schüler, ob bzw. inwiefern die aufgezählten Handlungen denn überhaupt schon Mobbing sind. Bei der Erarbeitung einer Differenzierung zwischen Mobbing und "normalen" Auseinandersetzungen kann/sollte hier unterstützend auf die Definition von Mobbing aus Baustein 1 (Ergebnisplakat sowie M 01.02 oder einer Definition von Mobbing aus dem Hanisauland-Lexikon) zurückgegriffen werden.

Dass Mobbing zwar spezieller als die alltäglichen Konflikte unter Jugendlichen, dennoch bei Weitem aber kein Randphänomen ist, wird anschließend vertiefend mit der Statistik zur Verbreitung von Mobbing (M 02.02) erarbeitet.

Nachdem vertiefend geklärt wurde, was Mobbing genau ist, wie es sich von alltäglichen Konflikten abgrenzt und dass es sich hierbei keineswegs um ein Randphänomen handelt, soll es im Folgenden konkret um die Akteure im Mobbingprozess sowie ihre Beziehung zueinander gehen.

Wer ist alles beteiligt? – Akteure im Mobbingprozess



Welche Akteure sind beim Mobbing beteiligt?
Warum kommt es überhaupt zu Mobbing?
Was sind die Ursachen und Gründe für mobbendes Verhalten?


In der Methodenkiste finden Sie weitere Lern- und Arbeitsmethoden für einen lebendigen Unterricht. (© bpb)

Um diese Fragen zu klären, sollen die Schülerinnen und Schüler - auch um psychologische Erklärungen für die Verhaltensweisen der Täter und weitere begünstigende Faktoren für das Entstehen von Mobbing kennen zu lernen - die verschiedenen Akteure und Rollen im Mobbingprozess klären und anschließend intensiv erarbeiten.

Die möglichen Rollen im Mobbingprozess sollen von den Schülerinnen und Schülern mit Hilfe der Methode eines Standbildes (s. Methodenkiste 2010, Methode 38ff.) zunächst visualisiert werden.

Um die Frage Wer ist am Prozess überhaupt alles beteiligt? einzuleiten, kann zur Veranschaulichung einer Mobbingszene ein Anti-Mobbing-Spot verwendet werden (siehe dazu den Spot "Redhaired" aus Info 02.04) oder aber auf das Vorwissen bzw. die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler zurückgegriffen werden.

Screenshot aus dem Spot "Red Haired" (© Friends Filmer)

Beim Erstellen des Standbilds werden die Schülerinnen und Schüler im günstigsten Fall wahrscheinlich selbst darauf kommen, dass es im Mobbingprozess neben "Täter(n)" und Opfer auch noch andere Akteure (z.B. Zuschauer) gibt. Ansonsten kann die Lehrperson durch unterstützendes Nachfragen ggf. mit Verweis auf die Filmszene, in der insbesondere die Rolle der Zuschauer deutlich wird, die Schülerinnen und Schüler darauf bringen.

Ausgehend vom Standbild wird die Fragestellung erarbeitet: Welche 'Funktion' haben diese unterschiedlichen Akteure im Mobbingprozess, wie stehen sie zueinander, und wie fühlen sich die einzelnen Aktueure? Nach einer kurzen Sammlung von spontanen Äußerungen sollen die Schülerinnen und Schülern dies in Gruppenarbeit erforschen, um die Ergebnisse später in einem Schaubild/Schema zu visualisieren und fixieren. Ziel soll dabei sein, das Zusammenspiel zwischen Täter, Opfer und Zuschauer zu veranschaulichen und damit fassbar zu machen.

Für die Erarbeitung gibt es zu den unterschiedlichen Akteuren im Mobbingprozess jeweils Materialien, die von den Schülerinnen und Schülern bearbeitet werden sollen:

Schema: Akteure im Mobbingprozess. (© Sebastian Stolte)

Täter

Mit Hilfe des Materials M 02.03 lernen die Schülerinnen und Schüler die Beweggründe und Verhaltensmuster der "Täter" kennen. Häufig sind es gerade sie, die Probleme haben, von denen sie mit Mobbingaktionen ablenken wollen.
In M 02.04 kommen Mobbingtäter selbst zu Wort. In einem transkribierten und übersetzten Mitschnitt einer Radioshow sprechen sie über ihr Mobbingverhalten.

Opfer

Mit M 02.05 erfolgt ein Perspektivwechsel, bei dem sich die Schülerinnen und Schüler in die Rolle eines Opfers hineinversetzen sollen. Sie können nachempfinden, wie sich die Opfer fühlen. Mit M 02.06 sollen auch die Folgen des Mobbings für die Opfer thematisiert werden. Welche Auswirkungen hat Mobbing auf ihr Leben? Wie gehen die Opfer mit Mobbing um?

Zuschauer und Mitläufer

M 02.07 beschäftigt sich mit den Zuschauern und Mitläufern, einer nicht zu vernachlässigenden Gruppe an Akteuren, da gerade sie die Täter in ihrem Tun unterstützen, entweder indem sie selbst zu Mittätern werden und das Opfer ebenfalls mobben oder aber auch als Zuschauer, die die Täter anfeuern, sich amüsieren oder aber zumindest die Handlungen dulden, indem sie wegschauen und nicht eingreifen.

Lehrperson Auch die Rolle der Lehrperson ist nicht zu vernachlässigen, denn sie nimmt eine beabsichtigte oder auch unbeabsichtigte Rolle oder Funktion im Mobbing-Prozess ein. Welche Rollen dies sein können, soll jedoch nicht von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden, aber Sie als Lehrer/in können sich mit Info 02.02 über die Rolle des Lehrers / der Lehrerin im Mobbingprozess informieren. In Info 02.03 finden Sie zudem Hinweise zu primären und sekundären Anzeichen, an denen man feststellen kann bzw. aufgrund derer man aufmerksam werden sollte, ob evtl. ein Mobbingfall vorliegt.

Wo fängt Mobbing an? (© digitalstock)

Die Erarbeitung der verschiedenen Rollen kann methodisch unterschiedlich erfolgen. Ob nun Lernzirkel oder Gruppenpuzzle (s. Methodenkiste Methode 24/25) oder klassische Textarbeit in Einzelarbeit, wichtig ist dabei, dass die Methode gewährleistet, dass alle Schülerinnen und Schüler nicht nur eine, sondern jede Rolle intensiv bearbeiten bzw. kennenlernen. Denn die Empathie für und das Einfühlen in jede Rolle haben eine hohe Bedeutung für den Lernprozess, auch im Hinblick auf eine Sensibilisierung für die Thematik und die Prävention von Mobbing.

Nach Erarbeitung der verschiedenen Rollen im Mobbingprozess wird zur Sicherung das Standbild noch einmal aufgegriffen.

Hat sich nach der Auseinandersetzung mit den einzelnen Akteuren etwas in der Aufstellung verändert? Wie kann man die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Beteiligten darstellen?

Die einzelnen Gruppen präsentieren ihr eigenes Standbild und erläutern ihre Ergebnisse. Um Zeit zu sparen, kann auch nur eine Gruppe das Standbild "bauen" sowie präsentieren und die anderen Gruppen ergänzen im Anschluss ihre eigenen Ergebnisse. Die Ergebnisse Gruppenarbeit sowie der Standbildauswertung sollen die Schülerinnen und Schüler abschließend in einem Schema bzw. Schaubild festhalten.

In Info 02.05 finden Sie ein Musterschaubild, das die einzelnen Rollen und ihr Verhältnis zueinander darstellt. Dieses Schaubild kann alternativ auch als Material im Unterricht eingesetzt werden, z.B. als eine Art Musterfolie oder falls aus Zeitgründen auf die Erstellung eines eigenen Schaubilds durch die Schülerinnen und Schüler verzichtet werden soll.
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Wolfgang Sander, Julia Haarmann, Sabine Kühmichel

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Julia Haarmann

Zentrum für Lehrerbildung, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster.


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