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27.7.2014

Baustein 1: Wie siehst du das? - Umfrage zu Vorurteilen

Rechtsextreme Einstellungen gehen mit Vorurteilen einher. Gibt es Vorurteile in der eigenen Klasse bzw. Schule? Welche Einstellungen haben die Deutschen gegenüber Minderheiten wie Muslimen, Juden und Migranten? Was sind die Ursachen von Vorurteilen? In diesem einleitenden Baustein wird jenen Fragen nachgegangen. Dazu führen die Schülerinnen und Schüler eine eigene Umfrage durch, werten die Daten aus und vergleichen ihre Ergebnisse mit gesamtdeutschen Studien. Zudem wird erarbeitet, wie sich aus Stereotypen Vorurteile bilden, die zur wahrgenommenen Ungleichheit verschiedener Gruppen innerhalb einer Gesellschaft führen.

Lernziele



Inhaltlich

Die Schülerinnen und Schüler… Methodisch

Die Schülerinnen und Schüler…

Einstieg



GrafStat - Eingangsbildschirm

Zu Beginn des Bausteins wird eine Befragung durchgeführt, um die Meinungen und Einstellungen der Schülerinnen und Schüler zu verschiedenen Aspekten des Themas Rechtsextremismus in Erfahrung zu bringen. Für die Befragung kann der Musterfragebogen (M 01.01) genutzt und ggf. noch angepasst werden. (Hinweise zur Durchführung einer Befragung mit GrafStat finden Sie im Bereich Einführung in GrafStat unter "Befragung durchführen".) Dabei soll vor der Befragung zunächst kein dezidierter Hinweis auf das Thema "Rechtsextremismus" erfolgen, um die Beantwortung der Fragen nicht zu beeinflussen (Vermeidung von sozial erwünschten Antworten).

Nach der Durchführung der Befragung wird der Fragebogen (M 01.01) besprochen: Gibt es Fragen zum Fragebogen? Wie haben sich die Schülerinnen und Schüler beim Beantworten der Fragen gefühlt? Gab es Probleme oder Unsicherheiten? Hier werden einige Schülerinnen und Schüler vermutlich anmerken, dass die Aussagen, die man zu bewerten hatte, recht einseitig und zudem extrem formuliert waren[1]. Eventuell werden von den Schülerinnen und Schülern hier schon Begriffe wie "rassistisch", "antisemitisch", "islamfeindlich", "(rechts-)extremistisch", "Vorurteile" etc. genannt, die im weiteren Verlauf wieder aufgegriffen werden sollen. Die Lehrkraft kann an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies später nochmal intensiver untersucht werden wird, und zunächst zur Datenauswertung überleiten.

Zur Vorbereitung der Datenauswertung können die Schülerinnen und Schüler gefragt werden, welche inhaltlichen Schwerpunkte ihnen bei der Auswertung wichtig erscheinen. In Klassen, die schon Erfahrungen mit der Datenauswertung haben, kann man die Auswertung auch komplett gemeinsam planen und einen konkreten Auswertungsplan erstellen.

Erarbeitung I



In der ersten Erarbeitungsphase geht es darum, die erhobenen Daten gemeinsam auszuwerten. Im Vordergrund stehen dabei die im Fragebogen zu beurteilenden Aussagen (Fragen 12-25). Die Schülerinnen und Schüler werten die Daten dabei arbeitsteilig in Kleingruppen oder Partnerarbeit aus. Jede Gruppe wertet Fragen zu einem bestimmten Aspekt aus. Für den Musterfragebogen (M 01.01) bieten sich als Untersuchungsaspekte Rassismus/Ausländerfeindlichkeit (Fragen 12-16), Antisemitismus (Fragen 20-21), Islamfeindlichkeit (Frage 18), Antiziganismus (Frage19), Sozialdarwinismus/Chauvinismus (Fragen 22-23) sowie weitere einzelne Fragen des Fragebogens an, z. B. zur eigenen Parteipräferenz (Frage 11), was mit Rechtsextremismus verbunden wird (Frage 26) oder für wie gefährlich man rechtsextremistische Gruppen hält (Frage 27).

Filter setzen in GrafStat

Diese können zunächst als einfache Häufigkeitsauszählungen der einzelnen Merkmale ausgewertet werden. Für einen Vergleich können die Einzelfragen aber auch in Form einer Kopplung (Auswertungsfunktion in GrafStat, s. M 01.02) dargestellt werden. Geübtere Schülerinnen und Schüler können zudem Kreuztabellen erstellen, um Zusammenhänge zu überprüfen, beispielsweise ob Menschen, die ihre wirtschaftliche Lage schlechter beurteilen, ausländerfeindlichen Aussagen eher zustimmen als Menschen, die ihre wirtschaftliche Lage besser beurteilen, oder ob je nach eigener Religionszugehörigkeit die islamfeindlichen Aussagen im Fragebogen unterschiedlich beurteilt werden.


Zur Unterstützung der Auswertung können die Schülerinnen und Schüler sowohl Hinweise zur Auswertung von offenen und geschlossenen Fragen im Hinblick auf die einzelnen Auswertungsfunktionen von GrafStat (M 01.02 Auswertungshilfen) sowie ein Arbeitsblatt für die Datenauswertung (M 01.03 Arbeitsblatt) nutzen. Die Auswertungen werden von den Gruppen im Plenum vorgestellt und gemeinsam besprochen.

Erarbeitung II



Vorschau M 01.08

Für eine empirische Einordnung sollen die Ergebnisse anschließend mit Ergebnissen aus anderen repräsentativen Studien verglichen werden. Diese Phase kann die Lehrkraft mit der Frage einleiten, ob die eigenen Ergebnisse typisch, z. B. für die Bevölkerung in Deutschland insgesamt, sind und wie man das überprüfen könnte.

Die Schülerinnen und Schüler äußern hierzu ihre Vermutungen und schlagen verschiedene Möglichkeiten der Überprüfung vor. Darunter wird vermutlich auch das Heranziehen von Ergebnissen aus anderen Studien für einen Vergleich genannt werden, ansonsten kann dies von der Lehrkraft ergänzend vorgeschlagen werden. Für die Einordnung werden die Ergebnisse aus den Vergleichsstudien (M 01.04M 01.08, u.a. aus der Studie "Die Mitte im Umbruch - Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2012" der Friedrich-Ebert Stiftung) fragegeleitet ausgewertet (Methode:Statistiken und Tabellen auswerten) sowie mit den Ergebnissen der eigenen Befragung verglichen.

Die Analyseergebnisse werden im Plenum z. B. mithilfe der Software GrafStat direkt über einen Beamer oder aber mithilfe einer anderen Präsentationsform vorgestellt und diskutiert. (Hinweise zu Möglichkeiten der Ergebnispräsentation finden Sie in der Methodenkiste der bpb: Methoden 20 und 47.)

Erarbeitung III und Vertiefung



Neben der empirischen Einordnung der eigenen Ergebnisse, soll auch eine inhaltliche Einordnung erfolgen. Fokus liegt auch hierbei auf den zu bewertenden Aussagen im Fragebogen, welche rassistische, antisemitische, sozialdarwinistische etc. Vorurteile beinhalten, die auch häufig in rechtsextremen Kreisen anzutreffen sind.

Karikatur "Faul" (© Klaus Stuttmann)

Um den Themenaspekt des Vorurteils einzuleiten wird zunächst eine Karika-Tour (Methodenhinweis finden Sie in der Methodenkiste der bpb: Methoden 16-17.) mithilfe einer Karikaturensammlung zum Thema (M 01.09) durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler schauen sich dazu gruppenweise die einzelnen Karikaturen an und erarbeiten fragegeleitet, worum es geht. Alternativ kann, wenn wenig Zeit zur Verfügung steht, auch lediglich die Karikatur "Faul"[2] von Klaus Stuttmann als Impuls verwendet werden, die gleich eine Reihe von Vorurteilen sowie deren Wirkung thematisiert. In der Auswertungsphase der Karika-Tour soll im Unterrichtsgespräch herausgearbeitet werden, dass hier Vorurteile thematisiert werden, und ggf. auch schon, wie damit umgegangen wird.

Mithilfe eines Texts des Vorurteilsforschers Andreas Zick (M 01.10) wird anschließend auf wissenschaftlicher Ebene erarbeitet, was Vorurteile sind, welche Funktion sie haben sowie wie sie sich von Stereotypen unterscheiden. (Weiterführende Informationen zur Vorurteilsthematik bei der bpb.) Die Ergebnisse werden im Unterrichtsgespräch zusammengetragen und gesichert.

Anschließend wenden die Schülerinnen und Schüler das Gelernte an, indem sie überprüfen, welche der Aussagen im Fragebogen auf Vorurteilen basieren bzw. einen Bezug zu Vorurteilen haben und welcher dies ist. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei herausfinden, dass die Aussagen im Fragebogen u. a. rassistische, fremdenfeindliche, antisemitische, sozialdarwinistische Vorurteile enthalten – Dimensionen, die auch im Rechtsextremismus zu finden sind. Die Ergebnisse werden gesammelt und inhaltlich diskutiert.

Überleitung zu Baustein 2



Die Vorurteile, die im Fragebogen aufgeführt sind, findet man häufig bei Menschen mit rechtsextremen Einstellungen. Im folgenden Baustein 2 soll genauer betrachtet werden, was Rechtsextremismus ist und in welchen Phänomenen er auftritt.

Fußnoten

1.
Die Aussagen, die im Fragebogen zu bewerten sind, orientieren sich an erprobten und bewährten Items aus den Mitte-Studien der Friedrich Ebert Stiftung, deren Ergebnisse in der Auswertungsphase für eine bessere Einordnung auch als Vergleichsdaten genutzt werden.
2.
Hintergrund zur Karikatur: Im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 hatte sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) abfällig über die Arbeitsmoral von Rumänen geäußert. Nach öffentlichem Druck entschuldigte er sich.

Wolfgang Sander, Sabine Kühmichel, Kristina Sauerbrei, Anna-Maria Scheibe, Cornelius Knab

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster,
Team Forschen mit GrafStat;

Referentin für Software-Schulungen - insbesondere zum Thema Evaluation mit der Befragungssoftware GrafStat (Bildungsversion und Kommerzielle Version) im schulischen und außerschulischen Bereich.


Kristina Sauerbrei

Lehrerin für Sek. I und II, Sozialwissenschaften und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Anna-Maria Scheibe

Master of Education in den Fächern Sport und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Team Forschen mit GrafStat


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


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