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28.7.2014

Baustein 2: Was ist eigentlich "rechtsextrem"?- Phänomenologie

Der Rechtsextremismus ist kein einheitlich definierbares Phänomen. In diesem Baustein tauchen die Schülerinnen und Schüler langsam in das komplexe Themenfeld des Rechtsextremismus ein. Dabei werden die Fragen beantwortet: Wie kann man Rechtsextremismus definieren? Welche Elemente umfasst der Rechtsextremismus? Was sind typisch rechtsextreme Verhaltensweisen und Einstellungen? Welche Gefahren birgt der Rechtsextremismus für die Gesellschaft und das persönliche Leben?

Lernziele



Die Schülerinnen und Schüler…

Inhaltlich Methodisch

Einstieg



Zum Einstieg in den Baustein wird eine Kartenabfrage (Methode: Kartenabfrage) zum Thema Rechtsextremismus durchgeführt. Die Lehrperson fordert die Schülerinnen und Schüler auf alles auf Karteikarten zuschreiben, was sie mit dem Thema Rechtsextremismus verbinden. Als Hilfestellung gibt es Bilder und Aussagen (M 02.01) zur Thematik, um Schülerinnen und Schüler mit „Anlaufschwierigkeiten“ Anknüpfungspunkte zu bieten und ihnen einen schnellen Zugang zu gewähren. In Kleingruppen vergleichen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse und fassen einige Ergebnisse zu Oberbegriffen zusammen. Nacheinander ergänzen die Kleingruppen ihre Ergebnisse am Plakat. Ziel ist eine erste anschauliche Strukturierung des Begriff Rechtsextremismus. Ein erster Zugang zur Thematik erfolgt über die Erarbeitung der Kernelemente des Rechtsextremismusbegriffs. Ausgangspunkt ist ein Text von Richard Stöss (M 02.02), welcher den Rechtsextremismusbegriff nach Einstellungen und Verhalten aufgliedert. In Einzelarbeit erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Kernelemente (Einstellungen und Verhalten) und präsentieren diese. Als Vertiefung soll hier wieder die Eingangskarteabfrage aufgegriffen werden, welche durch die Ergebnisse der Texterarbeitung weiter strukturiert werden kann, d.h. die Schülerinnen und Schüler ordnen ihrer Ergebnisse der Kartenabfrage nach Einstellungen und Verhalten.

Erarbeitung



Ausgehend von der Einteilung in Einstellungen und Verhalten nach Richard Stöss erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Form eines Gruppenpuzzles (Methodenhinweis finden Sie in der Methodenkiste der bpb: Methoden 24, 25) die Einstellungen im Rechtsextremismus (M 02.03 - M 02.08). Die Einteilung in die jeweiligen Gruppen soll durch die Lehrperson erfolgen, da so möglichst viele heterogene Gruppen entstehen können. In den jeweiligen Stammgruppen erarbeiten sich die Schülerinnen und Schüler die Informationen für ihren Teil des Gruppenpuzzles. Danach finden sich die Gruppen in den Expertengruppen zusammen, besprechen ihre Ergebnisse und legen gemeinsam fest, welche Aspekte auf dem Plakat vorhanden sein sollen. Abschließend treffen sich die Gruppen wieder in den Stammgruppen. Hier werden nun die Ergebnisse aus den jeweiligen Expertengruppen vorgestellt und gemeinsam erstellen die Schülerinnen und Schüler ein Übersichtsplakat zu den typischen rechtsextremen Einstellungen (s. Lösungsvorschlag Info 02.02). Diese Plakate werden dann durch einen Museumsgang (Methode: Museumsgang) vorgestellt und offene Fragen können beantwortet werden. In der zweiten Phase der Erarbeitung werden nun die verschiedenen rechtsextremen Verhaltensmuster (M 02.09 - M 02.12) untersucht. Hierzu wird eine Gruppenarbeit durchgeführt. Auch an dieser Stelle soll die Lehrperson die Gruppeneinteilung vornehmen, um somit sicherzustellen, dass heterogene Gruppen entstehen. Es ist auch vorstellbar, bei großen Klassen die Gruppen doppelt zu besetzen. Zuerst erarbeiten die Schülerinnen und Schüler die Thematik in Einzelarbeit. Im zweiten Schritt vergleichen die Schülerinnen und Schüler ihre Ergebnisse innerhalb der Gruppe und erstellen gemeinsam ein Schaubild zu den typischen rechtsextremen Verhaltensmustern (s. Lösungsvorschlag Info 02.03). Zum Abschluss stellen die jeweiligen Gruppen ihre Ergebnisse dem Plenum vor. Bei doppelter Gruppenbesetzung kann die zweite Gruppe jeweils als Kontroll- und Ergänzungsfunktion dienen. Abschließend zur Erarbeitungsphase sollen die Schülerinnen und Schüler eine eigenständige Definition zum Begriff Rechtsextremismus über die Placemat-Methode erstellen. Ziel hier bei ist es, möglichst viele Aspekte aus der Erarbeitungsphase miteinander zu verknüpfen und diese anzuwenden. (Methode: Placemat) Nachdem nun die verschiedenen Definitionen der Schülerinnen und Schüler im Plenum vorgestellt wurden, wird diese mit der Definition von Jaschke (M 02.13) verglichen.

Vertiefung



In der abschließenden Vertiefungsphase geht es vor allem darum, dass erworbene Wissen zu vertiefen und an konkreten Beispielen anzuwenden. Hierzu werden zwei Fallbeispiele (M 02.14 - M 02.15) zur Verfügung gestellt. Ausgehend von der zeitlichen Planung der Lehrperson kann an dieser Stelle auch nur eins der beiden Fallbeispiele untersucht werden. Zu empfehlen sind aber beide Fallbeispiele, da unterschiedliche Perspektiven (Jugendlicher und Parteimitglied einer rechtsextremistischen Partei) dargestellt werden. Die Erarbeitung der beiden Fallbeispiele erfolgt über eine arbeitsteilige Partnerarbeit. Einer der beiden Partner überprüft den Text auf die typischen rechtsextremen Einstellungsmuster, der andere Partner auf die typischen rechtsextremen Verhaltensmuster. In der Partnerarbeit stellen sich die Schülerinnen und Schüler nun ihrer Ergebnisse mithilfe der Tabelle vor und ergänzen diese gemeinsam. Zum Schluss dieser Phase werden die Ergebnisse in Plenum besprochen und an einer Folie festgehalten (s. Lösungsvorschlag Info 02.04). Um dem Baustein zu schließen, wird als Letztes auf die Gefahren eingegangen, welche durch den Rechtsextremismus entstehen. Zuerst sollen die Schülerinnen und Schüler Folgen aus den Fallbeispielen und einigen Erfahrungen, die durch den Rechtsextremismus entstehen, abschätzen und diese in einer Auflistung darstellen (M 02.16). Ausgehend von diesen Ergebnissen werden nun die Regeln und Maßnahmen (z.B. im Sportverein oder im Staat) untersucht, welche gegen den Rechtsextremismus vorbeugen sollen. Dabei beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit genauer mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (FDGO) und einem Auszug aus dem Strafgesetz (M 02.17 - M 02.18) und stellen die jeweiligen Ergebnisse im Plenum dar. In den letzten beiden Materialien (M 02.19 - M 02.20) wird noch einmal die schwierige Kopplung zwischen staatlichen und persönlichen Folgen des Rechtsextremismus vertieft und somit nochmals für die Schülerinnen und Schüler verstärkt. M 02.19 enthält in der Spalte "Folgen für das Zusammenleben in der Gesellschaft und im Staat" Lösungsvorschläge, die mit den Schülerinnen und Schüler schrittweise erschlossen werden können, um dann im nächsten Schritt die Spalte "Wenn ich davon betroffen wäre, ..." auszufüllen. Dieser teilweise vorbereitete Einstieg in die Zusammenfassung ist dann angebracht, wenn die Zeit knapp ist und/oder die Schülerinnen und Schüler auf diesem Gebiet nicht gut informiert sind. Das Material M 02.20 enthält diese Vorgaben nicht, stellt also für die Schülerinnen und Schüler eine besondere Herausforderung dar. Abschließend soll der Lehrer die Schülerinnen und Schüler zu einer Bewertung der Folgen des Rechtsextremismus auffordern. Als Lehrerimpuls bietet sich zusätzlich die goldene Regel an: „Was du nicht willst, dass man dir tut, dass füg auch keinem anderem zu.“ Im Infomaterial Info 02.06 wird dazu eine Beispiellösung angeboten. Mit einer solchen übersichtlichen Zusammenfassung, die auch als Gedächtnisstütze gut geeignet ist, kann dieser inhaltlich anspruchsvolle Baustein abgeschlossen werden.

Eine tabellarische Übersicht über den Verlauf des Bausteins 2 steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.

Wolfgang Sander, Kristina Sauerbrei, Anna-Maria Scheibe, Sabine Kühmichel, Cornelius Knab

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Kristina Sauerbrei

Lehrerin für Sek. I und II, Sozialwissenschaften und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Anna-Maria Scheibe

Master of Education in den Fächern Sport und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Team Forschen mit GrafStat


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster,
Team Forschen mit GrafStat;

Referentin für Software-Schulungen - insbesondere zum Thema Evaluation mit der Befragungssoftware GrafStat (Bildungsversion und Kommerzielle Version) im schulischen und außerschulischen Bereich.


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


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