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31.7.2014

Baustein 3: Wie kommt es zu Rechtsextremismus? - Erklärungsansätze

Es gibt zahlreiche Erklärungsansätze wie sich rechtsextreme Einstellungen entwickeln. In diesem Baustein werden die einzelnen Bedingungen für die Entwicklung rechtsextremer Positionen noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Welchen Einfluss auf die politischen Einstellungen haben die Familie und die persönliche Lebenssituation? Wie wirken Jugendkulturen und die Umgebung auf die politische Orientierung? Und welcher Einfluss geht von der Gesellschaft aus, in der wir leben?

Lernziele
Inhaltlich


Die Schülerinnen und Schüler…


Methodisch
Die Schülerinnen und Schüler…

Einstieg



Zu Beginn des Bausteins werden die Schülerinnen und Schüler mit einer Karikatur (M 03.01) konfrontiert. Nach der Analyse und Interpretation des Bildes (s. Methodeninfo "Karikaturen interpretieren") folgt die Entwicklung der Leitfrage durch die Schülerinnen und Schüler: "Wie kommt es eigentlich zu Rechtsextremismus?". Die Leitfrage stellt den "roten Faden" dar, an dem sich die Inhalte des Bausteins 3 orientieren. Es ist vorteilhaft, die Frage direkt auf der Folie über der Karikatur zu notieren, da auf diese zum Ende der Unterrichtsreihe bei der Beantwortung der Leitfrage wieder zurückgegriffen wird. Zur Aktivierung des Vorwissens sowie der Diagnose des Lernstandes der Gruppe formulieren die Schülerinnen und Schüler anschließend erste Hypothesen zu der Leitfrage, welche ebenfalls so gesichert werden sollten, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt verifiziert bzw. falsifiziert werden können.

Erarbeitung I



Die erste Annäherung an die Ursachen von Rechtsextremismus geschieht durch die arbeitsteilige Analyse von drei Fallbeispielen (M 03.02M 03.04) in Think-Pair-Share (s. Methodeninfo "Think-Pair-Share"). Jede/r Schüler/in arbeitet aus dem ihm/ihr zugewiesenen Fallbeispiel die hier genannten Ursachen für den Einstieg in die „rechte“ Szene heraus. Im nächsten Schritt vergleichen zwei Schüler/innen mit dem gleichen Fallbeispiel ihre Ergebnisse und ergänzen ggf. ihre Befunde. Dieser Zwischenschritt unterstützt besonders leistungsschwächere bzw. schüchterne Schülerinnen und Schüler und ermöglicht diesen ein sichereres Präsentieren ihrer Ergebnisse in der folgenden Gruppenarbeit. Hier arbeiten nun drei Schülerinnen und Schüler mit jeweils unterschiedlichen Fallbeispielen zusammen und vergleichen diese, indem sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausarbeiten. Diese ersten Erklärungen von Rechtsextremismus werden abschließend im Unterrichtsgespräch durch die Lehrkraft an der Tafel gesichert. Folgen könnte an dieser Stelle eine kurze methodische Reflexion zu den Chancen und Grenzen des Lernens mit Fallbeispielen (u.a. anschaulich, leicht verständlich, subjektiv, exemplarisch).

Erarbeitung II



Auf die exemplarische Erarbeitung von Ursachen mithilfe von Fallbeispielen folgt die Analyse eines wissenschaftlichen Textes, welcher einen Überblick über die verschiedenen Einflussfaktoren für die Entstehung rechtsextremer Einstellungen gibt (M 03.05). In einem ersten Schritt nähern sich die Schülerinnen und Schüler dem eher anspruchsvollen Text mithilfe einer Lesestrategie und markieren Unklarheiten bzw. Fragen zum Text, welche anschließend im Plenum erörtert werden. Zur Förderung des empirisch-analytischen Denkens der Schülerinnen und Schüler arbeiten diese im nächsten Schritt auf Grundlage des Textes die hier genannten einzelnen Dimensionen mithilfe der Formulierung von "Wenn-dann-Sätzen" heraus. Anschließend werden die einzelnen Faktoren im Sinne des vernetzten Lernens mithilfe der vorher erarbeiten Fallbeispiele erläutert. Die Sicherung der Arbeitsergebnisse geschieht durch die Lehrkraft im Unterrichtsgespräch. Besondere Aufmerksamkeit sollte hier darauf gelegt werden, dass die Schülerinnen und Schüler die Formulierung der "Wenn-dann-Sätze" beherrschen, da diese Methode auch in der sich anschließenden Vertiefungsphase angewendet wird.

Vertiefung I



Nachdem die Schülerinnen und Schüler sich mithilfe von M 03.05 einen Überblick über Einflussfaktoren für rechtsextreme Einstellungen verschafft haben, thematisiert die folgende Vertiefungsphase drei unterschiedliche Erklärungsansätze (Individualebene, Gesellschaftliche Ebene, Politische Kultur) (M 03.06-M 03.08). Diese werden in arbeitsteiliger Gruppenarbeit (3er-Gruppen) erarbeitet. Zuerst fertigt jede/r aus der Gruppe einen Spickzettel über den jeweiligen Erklärungsansatz an, welcher als Grundlage dient, diesen den anderen Gruppenmitgliedern zu präsentieren (s. Methodeninfo "Spickzettel anfertigen"). Nun formuliert die Gruppe gemeinsam auf Grundlage aller drei Erklärungsansätze die genannten Einflussfaktoren zu "Wenn-dann-Sätzen" um (M 03.09). Im Hinblick auf die abschließende Sicherung ist es dabei sinnvoll, eine Gruppe die Sätze auf Folie festhalten zu lassen. Im nächsten Schritt werden diese Sätze ausgeschnitten und nach den Themen "Familie und Individualebene", "Jugendkultur und Umgebung" und "Gesellschaft" sortiert (s. Lösungsvorschlag Info 03.02). Die Präsentation erfolgt durch die Gruppe, welche die "Wenn-dann-Sätze" auf Folie festgehalten hat.

Sicherung



Zur Sicherung und Diagnose des im Verlauf des Bausteins erfolgten Lernzuwachses schließt sich nun die Beantwortung der eingangs formulierten Leitfrage "Wie kommt es zu Rechtsextremismus?" an. Diese möglichst knappe Zusammenfassung des Erlernten wird im Unterrichtsgespräch ermittelt und von der Lehrkraft notiert. Eine mögliche Antwort könnte hier beispielsweise lauten: "Die Gründe, warum Menschen rechtsextrem werden, sind sehr unterschiedlich. Großen Einfluss darauf haben aber z.B. die familiären Bedingungen, persönliche Charakterzüge, das jugendliche Umfeld und die gesellschaftlichen Verhältnisse." Nach der Beantwortung der Leitfrage können die Schülerinnen und Schüler selbst ihre zu Beginn des Bausteins formulierten Hypothesen zur Entwicklung von Rechtsextremismus überprüfen, wodurch eine Selbstdiagnose des erfolgten Lernfortschritts ermöglicht wird und mit Unterstützung durch die Lehrperson auch den Zusammenhang zwischen den Faktoren erörtern.

Anwendung



Abschließend gewährt eines von zwei Rollenspielen den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, das erlernte Wissen handelnd anzuwenden und sich gleichzeitig in die Rolle und Perspektive anderer hineinzuversetzen. Zur Auswahl stehen hier zwei unterschiedliche Rollenspiele: "Tatort Stadion" (M 03.10, M 03.11, Info 03.03) und "Flüchtlingsunterkunft" (M 03.12, Info 03.04). "Tatort Stadion" thematisiert einen Konflikt um rechtsextremistische Äußerungen gegenüber einem Fußballspieler in einem deutschen Stadion. Einführend in die Thematik kann hier der Text "Fußball und Rechtsextremismus" (M 03.10) gelesen werden. Die Vorbereitung der einzelnen Rollen geschieht anschließend in Gruppenarbeit. Es sind insgesamt 7 Rollen am "Runden Tisch" vertreten, wobei die Rolle von Christa (Christian) Meyer als Moderator/in besondere Wichtigkeit zukommt und daher entweder von der Lehrkraft selbst oder einer/m leistungsstarken Schüler/in übernommen werden sollte. Das Rollenspiel zum Thema "Flüchtlingsunterkunft" behandelt den Konflikt um die Aufnahme von Flüchtlingen in eine Stadt des Ruhrgebiets. Hier kommen 9 Rollen bei einer Bürgerversammlung zu Wort, wovon der Rolle des Pfarrers Bonifatius als Gesprächsleiter besondere Wichtigkeit zukommt. Zu jedem Rollenspiel geben sowohl Schüler- als auch Lehrermaterialen weiterführende Informationen.

Eine tabellarische Übersicht über den Verlauf des Bausteins 3 steht als PDF-Icon PDF-Dokument zum Download bereit.

Wolfgang Sander, Anna-Maria Scheibe, Cornelius Knab, Sabine Kühmichel, Kristina Sauerbrei

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Anna-Maria Scheibe

Master of Education in den Fächern Sport und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Team Forschen mit GrafStat


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


Sabine Kühmichel

Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster,
Team Forschen mit GrafStat;

Referentin für Software-Schulungen - insbesondere zum Thema Evaluation mit der Befragungssoftware GrafStat (Bildungsversion und Kommerzielle Version) im schulischen und außerschulischen Bereich.


Kristina Sauerbrei

Lehrerin für Sek. I und II, Sozialwissenschaften und Geschichte; Institut für Erziehungswissenschaft, Westfälische Wilhelms-Universität Münster


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