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28.7.2014

Info 03.03 Hinweise zum Rollenspiel „Tatort Stadion“ M 03.11

Das Rollenspiel ist eine Methode, bei der die Lebenswirklichkeit mit spielerischem Agieren verbunden wird. Alltagssituationen, Probleme oder Konflikte werden im Rollenspiel nachempfunden oder vorausschauend bearbeitet. Ziel dieser Methode ist es, Einstellungen und Verhaltensweisen zu verdeutlichen und Ansatzpunkte für Veränderungen aufzuzeigen. Somit können Rollenspiele die Jugendlichen schulen, ihre soziale Umwelt wahrzunehmen und zu beobachten. Das Nachempfinden der Realität befähigt die Schülerinnen und Schüler, Konflikte darzustellen und zu analysieren. Darüber hinaus können sie eigene Verhaltensweisen bewusst erleben und neue Verhaltensweisen einüben.

Aus unterrichtspraktischer Sicht ist die Unterscheidung zwischen spontanem und angeleitetem Rollenspiel wichtig. Bei spontanen Rollenspielen werden Spielsituationen aus dem unmittelbaren Erfahrungsbereich der Schülerinnen und Schüler aufgegriffen. Hierzu zählen beispielsweise Konflikte in der Familie und Probleme in der Schule. Sofern der Unterricht auf Verhaltenstraining, Stärkung der Handlungskompetenz oder soziales Lernen im Zusammenhang mit der Lebenswelt der Jugendlichen abzielt, empfiehlt sich das spontane Rollenspiel. Da die nachzustellende Situation den Beteiligten aus dem Alltag bekannt ist, bedarf diese Art des Rollenspiels außer einer kurzen Einstimmung keiner größeren Vorbereitung. Den Schülerinnen und Schülern ist nur eine Rahmenhandlung vorzugeben, während der Spielablauf und die Ausgestaltung der Rollen flexibel bleiben. Die Bezeichnung "spontanes Rollenspiel" leitet sich nicht davon ab, dass die Schülerinnen und Schüler von sich aus zu agieren beginnen, sondern sie bezieht sich auf die rasche Umsetzung der Spielidee innerhalb des Unterrichtsverlaufs.

Im Gegensatz zum spontanen Rollenspiel steht das angeleitete Rollenspiel. Bei dieser Art werden Situationen oder Probleme bearbeitet, die nicht aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler stammen, sondern zukünftige Lebenssituationen vorgreifen, andere Lebensbereiche simulieren oder sich auf geschichtliche Vorgänge beziehen.

Angeleitete Rollenspiele bedürfen der Aufbereitung durch die Lehrkraft und müssen im Unterricht vor- und nachbereitet werden. Informationsmaterial, Rollenkarten mit Hinweisen für die Spielerinnen und Spieler, sowie Aufgaben zur Generalisierung und zum Transfer kennzeichnen die angeleiteten Rollenspiele.

Einführung in das Thema Fußball und Rechtsextremismus als Vorbereitung auf das Rollenspiel (M 03.10) Jugendkultur wird hier nochmals am Beispiel Fußball thematisiert und nimmt so Bezug zu den Erklärungsansätzen.

Ort: Stadion von Fortuna Kinderhaus

Im letzten Jahr ist die Fußballmannschaft von "Fortuna Kinderhaus" (Münster) in die 3. Liga aufgestiegen und spielt jetzt im Profibereich. Das Team spielte eine sehr gute erste Saisonhälfte und befindet sich auf dem vierten Platz in der Tabelle. Durch die guten Leistungen des Teams ist das Zuschauerinteresse während der Saison stark angestiegen. Neben den vielen Zuschauern konnte Fortuna Kinderhaus einen neuen Sponsor gewinnen der den Verein mit hohen Beträgen unterstützt. In der Kurve von Fortuna Kinderhaus gibt es zwei Fanclubs, die besonders aktiv die Mannschaft unterstützen. Das sind zum Einen die „Alten Kameraden Kinderhaus“ und zum Anderen, die „Ultras Kinderhaus“.

Der Vorfall:

Im letzten Heimspiel vor der Winterpause kommt es bei der Begegnung zwischen Fortuna Kinderhaus und Wacker München zu Pöbeleien und Schmährufen gegen den dunkelhäutigen Spieler von Wacker München Josef Ismaier. Während des gesamten Spiels stimmen Mitglieder des Fanclubs „Alte Kameraden Kinderhaus“ Affenlaute an, wenn Josef Ismaier den Ball erhält. Mehrfach werden auch Bananen auf das Spielfeld geworfen. Josef Ismaier ist betroffen und macht im Interview mit der „Sportschau“ auf die Vorfälle aufmerksam. Daraufhin wird in den Medien ausführlich und kritisch über das Geschehen in Kinderhaus berichtet. Die „Ultras Kinderhaus“ fordern ebenso wie der Sponsor Konsequenzen. Die Lokalzeitung lädt daraufhin zu einem „Runden Tisch“ ein, um mit allen Beteiligten über die Vorfälle zu diskutieren und verbindliche Vereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Das Rollenspiel hat das Ziel, dass sich die Vertreter aller Interessengruppen (alle Rollen) gemeinsam an einen Tisch setzen und die Ereignisse des letzten Heimspiels miteinander diskutieren. Am Ende der Diskussion sollen Maßnahmen gefunden und Beschlüsse getroffen werden, die menschenverachtendes Verhalten im Stadion von Fortuna Kinderhaus unterbinden.

Folgende Rollen sind vorgesehen:

a) Vorstand des Vereins Fortuna Kinderhaus
b) Sponsor: Textilunternehmen „Generation Sport“
c) Ordnungsdienst: „Sicherheit in Kinderhaus“
d) Fanclub „Alte Kameraden Kinderhaus“
e) Fanclub „Ultras Kinderhaus“
f) Fußballspieler Josef Ismaier


Organisation und Verlauf des Rollenspiels

Vorbereitungsphase
Spielphase

Auswertungsphase

Mögliche Schwierigkeiten bei Rollenspielen

Da bei allen Formen von Rollenspielen ähnliche Schwierigkeiten auftreten können, werden die aufgeführten möglichen Probleme allgemein formuliert.

Mögliche Schwierigkeit während der Vorbereitungsphase:

Das Arbeitsmaterial ist hier als PDF-Dokument abrufbar.

Eiegener Text

Wolfgang Sander, Cornelius Knab

Zur Person

Wolfgang Sander

Prof. Dr. phil., geb. 1944; Erziehungswissenschaftler an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Anschrift: Westfälische Wilhelms-Universität, Institut für Erziehungswissenschaft, Georgskommende 33, 48143 Münster.
E-Mail: sander@uni-muenster.de


Cornelius Knab

Bachelor im Major / Minor: Kommunikationswissenschaft / Politikwissenschaft
Master im Fach Politikwissenschaft

Wissenschaflticher Mitarbeiter an der Fachhochschule Münster
im Projekt "game based learning in nursing - spielerisch lernen in authentischen, digitalen Pflegesimulationen"

Team Forschen mit GrafStat


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