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23.10.2014

Taxi Driver

Was es zum Klassiker braucht: Die Geschichte des Taxifahrers, der zur Selbstjustiz greift, ist zu schmutzig fürs Museum und viel zu modern, um jemals aus der Mode kommen.

Taxi Driver (© picture-alliance / akg-images)


USA 1976
Drama

Kinostart: 1976 (BRD)
Verleih: /
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Paul Schrader
Darsteller/innen: Robert De Niro, Cybill Shepherd, Jodie Foster, Harvey Keitel, Leonard Harris, Pete Boyle u. a.
Kamera: Michael Chapman
Laufzeit: 113 Min
Sprachfassung: dt. F.
Format: 35mm, Farbe, Breitwand
Festivals / Preise: Internationale Filmfestspiele Cannes 1976: Goldene Palme
FBW: besonders wertvoll
FSK: 16
Altersempfehlung: ab 16 J.
Klassenstufen: ab 11. Klasse
Themen: Einsamkeit, Entfremdung, Individuum (und Gesellschaft), Krieg/Kriegsfolgen, Trauma, Rebellion, USA
Unterrichtsfächer: Deutsch, Englisch, Ethik/Religion, Kunst

Seit seiner Rückkehr aus dem Vietnamkrieg kann Travis Bickle nicht mehr schlafen. Deshalb heuert er als Taxifahrer an und fährt bis in die frühen Morgenstunden durch New York, selbst in jene Bezirke, die unter seinen Kollegen verrufen sind. Doch von Tag zu Tag wächst seine Wut über die Stadt und die Menschen, die in dieser leben: Kleinkriminelle, Zuhälter, Gangster, Prostituierte – für ihn sind sie Abschaum, den endlich "ein großer Regen von der Straße waschen" müsste. Zunehmend reift in ihm der Entschluss, dass er selbst etwas dafür unternehmen muss. Als er die abgeklärte 12-jährige Prostituierte Iris trifft, ist für Travis die Zeit gekommen. Er beschafft sich Waffen und will sie aus den Händen ihres Zuhälters befreien.

Geradezu schlafwandlerisch wirken die Aufnahmen des nächtlichen New York, wenn Bickles Taxi über dampfende Kanaldeckel fährt und die bunten Neonlichter der Rotlichtviertel auf den regennassen Straßen reflektiert werden. Wiederholt nimmt die Kamera den Blick von Bickle ein, der sich von den anderen Menschen entfremdet hat. Martin Scorsese entwirft das Bild einer Großstadt, die mehr einem Moloch als einem lebenswerten Raum gleicht. In den Schauplätzen des Films spiegelt sich zudem die Gefühlslage des Protagonisten, den nicht nur die Schlaflosigkeit plagt, sondern vor allem auch die Einsamkeit. Auf der Tonebene unterstreicht der Jazz-Score von Bernard Herrmann die widersprüchlichen Facetten von Bickle, indem durch Saxophon-Klänge auf Sehnsüchte verwiesen wird, durch Schlaginstrumente jedoch zugleich auch ein Gefühl der Bedrohung vermittelt wird: Bickle ist eine tickende Zeitbombe.

Taxi Driver zeichnet ein präzises Bild der US-amerikanischen Gesellschaft Mitte der 1970er-Jahre, die noch vom Vietnamkrieg traumatisiert ist und der moralische Bezugspunkte scheinbar abhanden gekommen sind. Bickle wird damit zur unbequemen Identifikationsfigur, weil er die Verhältnisse verändern will – und doch die falschen Mittel wählt. So regt der Film auch zu Diskussionen über Moral oder die Ursachen von Gewalt und Radikalisierung. Weitere Ansatzpunkte bietet der religiöse Subtext, der sich durch die meisten Filme von Martin Scorsese zieht. Damit wird Taxi Driver auch zu einer Geschichte über Schuld und Vergebung – wobei gerade letztere in der Schlussszene das Publikum mit einem unguten Gefühl entlässt.

Informationen und Materialien
bpb.de: Dossier Filmkanon: Taxi Driver
http://www.bpb.de/gesellschaft/kultur/filmbildung/filmkanon/43602/taxi-driver

Landesmedienzentrum Baden-Württemberg
http://www.mediaculture-online.de/Taxi-Driver.86.0.html

Mehr zum Thema auf kinofenster.de:
Die Dämonen der Schlachten - Das Kriegstrauma als Thema des Kinos (Hintergrund vom 27.10.2008)
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Gangs of New York (Filmbesprechung vom 01.02.2003)

Stefan Stiletto

Stefan Stiletto

Stefan Stiletto

Stefan Stiletto: Geboren 1976. Studierte Pädagogik (Diplom) mit Schwerpunkt Medienpädagogik in Trier und Bielefeld und beschäftigte sich insbesondere mit dem Thema Filmkompetenz. Volontariat bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Arbeitet seit 2002 frei als Autor filmpädagogischer Texte sowie als Referent.


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