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16.5.2019

Praxisbegleitforschung der Webvideoreihe

Um das Projekt auch auf seine Wirkung hin überprüfen zu können, wird die Webvideoreihe über den gesamten Projektzeitraum hinweg wissenschaftlich begleitet. Hier eine kurze Beschreibung des Forschungsvorhabens.

Auswertung der Sozialen Netzwerk-Analyse der ersten Staffel (© Turn – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention)


Das Projekt „Jamal al-Khatib – Mein Weg", Staffel 2 wird über den gesamten Projektzeitraum hinweg wissenschaftlich begleitet. Die übergeordnete Forschungsfrage der begleitenden Praxisforschung lautet: Inwieweit konnten die Ziele, die sich die am Projekt Beteiligten für die Online-Distributions- und Diskussionsphase sowie die Offline-Produktionsphase gesetzt haben, erreicht werden – sprich: konnte die anvisierte Dialoggruppe erreicht werden, welche Interaktionen sind entstanden, und wie sind die projektbeteiligten Jugendlichen und/oder der Online-Dialoggruppe im Umgang mit Konflikten, Kompromissen und Widersprüchen umgegangen? Unter der Online-Distributions- und Diskussionsphase ist die Veröffentlichung der gesamten Webvideoreihe sowie ihre Wirkung und Rezeption gemeint; unter der Offline-Produktionsphase sind Text- und Videoproduktion und hier v.a. die Mitwirkungsgrade und Selbstwirksamkeitserfahrungen der projektbeteiligten Jugendlichen gemeint, aus deren Erfahrungen im Zuge der narrativen Biographiearbeit mit den Mitarbeiter/-innen von Turn – Verein für Gewalt- und Extremismusprävention die Geschichten der fiktiven Figur Jamal al-Khatib ja erst entstanden sind.

Zur wissenschaftlichen Begleitung der Offline- und die Online-Komponenten des Projekts werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden angewandt. Um die Reichweite der Webvideoreihe festzustellen und der Frage nachzugehen, inwieweit die Dialoggruppe erreicht wurde, werden die von den Online-Plattformen bereitgestellten Daten hinsichtlich der Anzahl der Interaktionen, aber auch der demografischen Daten und die "Gefällt mir"-Angaben der Follower/-innen und Zuschauer/-innen quantitativ ausgewertet. Qualitative Methoden kommen bei der Analyse der Interventionen bzw. der Diskussionen in den Kommentarspalten unter den Videos zum Tragen. Sinn und Zweck der Untersuchung der Wirkung der im Zuge des Projekts angewandten Interventionen ist es auch, Handlungsempfehlungen für andere Projekte, die in diesem Bereich angesiedelt sind, formulieren zu können.

Ziele der begleitenden Praxisforschung Online



  1. Eine hohe Anzahl an Views und eine hohe Interaktionsrate (Likes, Shares, Comments) auf den verschiedenen Social Media-Plattformen zu erreichen.
  2. Jugendliche, die Gefahr laufen über Suchanfragen zu Themen ihrer Lebenswelt auf extremistische Inhalte, Online-Kanäle und Netzwerke zu stoßen, sowie Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in szenespezifischen Social Media-Filterblasen aufhalten, mit den Videos zu erreichen.
  3. Mit diesen Online-Dialoggruppen in Diskussion zu treten (Call-to-Action) und dabei gegebenenfalls unterschiedliche diskursive Interventionen anzuwenden, um Reflexionsprozesse anzuregen.
  4. Jugendliche im Umgang mit Konflikten, Kompromissen und Widersprüchen zu stärken und ihre Ambiguitätstoleranz zu fördern.
Ein erster Schritt, um die Forschungsfrage nach dem Erreichen der vorgesehenen Dialoggruppen zu beantworten, ist die Auswertung der soziodemographischen Daten, die von den unterschiedlichen Social Media-Plattformen, beispielsweise in Form sogenannter Insights, bereitgestellt werden. Dazu gehören die Anzahl der Views, "Gefällt mir"-Angaben (Facebook) bzw. "Daumen hoch"-Angaben (YouTube), die Anzahl der Interaktionen (Shares, Kommentare), aber auch soziodemografische Daten, wie das Alter oder das Geschlecht der Personen, die mit den "Jamal al-Khatib – Mein Weg"-Videos von Staffel 2 erreicht werden konnten.

Im Zuge der quantitativen Auswertung der Online-Kampagne wird daher zusätzlich auf Facebook (und auf YouTube) mithilfe eines eigens programmierten automatisierten Programms untersucht, bei welchen anderen Seiten die Profile auf "Gefällt mir" geklickt haben, bei denen auch die Jamal al-Khatib-Seite unter den "Gefällt mir"-Angaben zu finden ist. Eine "Gefällt mir"-Angabe bedeutet natürlich nicht automatisch, dass die User/-innen die alternativen Narrative in ihr Weltbild übernommen haben, sie weist jedoch darauf hin, dass sie die Inhalte positiv aufgefasst haben oder zumindest bezüglich der Webvideoreihe auf dem Laufenden gehalten werden wollen.

Außerdem wird eine explorative Soziale Netzwerkanalyse der Profile und der dazugehörigen "Gefällt mir"-Angaben durchgeführt, um zu überprüfen, ob auch der Teil der Online-Dialoggruppe erreicht werden konnte, der sich in szenespezifischen Social Media-Filterblasen aufhält.

Des Weiteren werden die Reaktionen auf die Videos in den Kommentarspalten auf Facebook, sowie die Inhalte der dort entstandenen Diskussionen und die diskursiven Interventionen, die im Zuge des Online-Streetworks angewandt wurden, quantitativ und qualitativ ausgewertet. Zu diesem Zweck werden die Diskussionen während der Laufzeit der Webvideoreihe mit Hilfe von Screenshots festgehalten. Nach Vollendung von Staffel 2 werden diese Screenshots dann quantitativ und qualitativ ausgewertet.

Ziele der begleitenden Praxisforschung Offline

  1. Die Teilnahme am Projekt soll eine positive Auswirkung auf die Selbstwirksamkeit(-serwartungen) der teilnehmenden Jugendlichen haben.
  2. Ziel ist es außerdem, dass die jugendlichen Projektteilnehmer/-innen eine "Innere Autonomie", in dem Sinne entwickeln, dass das Denken und Handeln von eigenen Werten, Normen und Bedürfnissen geleitet wird.
  3. Außerdem soll ein Rahmen geschaffen werden, in dem die Professionist/-innen und jungen Erwachsenen gegenseitig zu wichtigen Bezugspersonen werden. So soll ein Rahmen geschaffen werden, in dem Autonomiebestrebungen unterstützt und die Erfahrung individueller Kompetenz ermöglicht werden können.


Um die Frage nach dem Erreichen der pädagogischen Ziele beantworten zu können, werden teilstrukturierte Einzelinterviews der an der Offline-Produktionsphase beteiligten Jugendlichen durchgeführt. Diese Interviews werden wiederholt zu verschiedenen Zeitpunkten im Projektzeitraum stattfinden, um mögliche Entwicklungen festzustellen. Um die oben genannten Forschungsfragen hinsichtlich der Offline-Produktionsphase zu beantworten, wird ferner auf die Methode der teilnehmenden Beobachtung zurückgegriffen. Diese wird bei den Arbeitstreffen vor und während der Drehphase, sowie an den Drehtagen selbst zum Tragen kommen. Außerdem sind teilstrukturierte Einzelinterviews vor und nach der Online-Kampagne mit den jungen Erwachsenen vorgesehen, die sich, entsprechend des Peer-to-Peer-Ansatzes am Online-Streetwork beteiligen. Außerdem sollen Gruppendiskussionen stattfinden. Die gesammelten Daten werden transkribiert und in einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet.

Abschluss



Die Ergebnisse der begleitenden Praxisforschung werden nach Beendigung des Projektes voraussichtlich Ende 2019 hier veröffentlicht. Einen ausführlichen Bericht über die wissenschaftliche Auswertung der ersten Staffel finden Sie hier auf e-beratungsjournal.net: Jamal al-Khatib – Mein Weg! Online-Campaigning als Methode der Politischen Bildung. Nach Abschluss von Staffel 2 sind überdies "diskursive Settings" für Jugendliche in zumindest einer österreichischen und einer deutschen Großstadt geplant. Außerdem werden zu den Videos pädagogische Materialien erarbeitet (mit der Veröffentlichung auf u.a. dieser Seite ist ebenfalls im 4. Quartal 2019 zu rechnen), damit Multiplikator/-innen diese im Rahmen ihrer jeweiligen pädagogischen Praxis verwenden können. Dazu werden voraussichtlich auch Multiplikator/-innenworkshops in Deutschland und Österreich stattfinden.
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