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15.1.2013

Einleitung

Zunächst wird auf die Bedeutung von guten Beziehungen innerhalb der Klasse für die Lernatmosphäre eingegangen. Darüber hinaus werden die Ziele des Moduls sowie die Voraussetzungen für seine Umsetzung dargestellt.

Schüler


Die Gestaltung der Interaktionen und Beziehungen



Die Zugehörigkeit zu einer Klassengemeinschaft kann die Schüler/innen in ihrer persönlichen Entwicklung grundsätzlich bereichern. Die Gestaltung der Beziehungen zwischen Lehrkraft und Schüler/innen und zwischen den Schülern und Schülerinnen untereinander wirkt sich auf die Atmosphäre in der Lerngruppe aus. Eine stabile Ebene der Beziehungen ist zudem eine wichtige Grundlage für eine ausgeglichene Lernatmosphäre.

Kinder und Jugendliche mit schwierigen Beziehungs- und Bindungserfahrungen sind sehr verunsichert und misstrauisch. Es ist Aufgabe der Pädagogen, in der Gruppe eine Atmosphäre des Vertrauens und der Verlässlichkeit herzustellen. Das ist ein langer, sensibler und durch viele Höhen und Tiefen gekennzeichneter Prozess. Oft überlagern emotionale und psychische Probleme das eigentliche Leistungspotenzial der Kinder und Jugendlichen. Es ist gut für sie, wenn sie dann im schulischen Rahmen eine zuverlässige, offene, tolerierende, akzeptierende, zugewandte, warmherzige, aber auch grenzsetzende Beziehungsstruktur vorfinden. Das erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich allmählich öffnen können. Leistungsdefizite oder auch Teilleistungsstörungen wie Lese- und Rechtschreibprobleme oder eine Mathematikschwäche rücken dann nach und nach in den Hintergrund.

Wenn die Schüler/innen die Lehrkraft als stabile und zuverlässige Bezugsperson erleben, können sie Vertrauen entwickeln. Sie lassen sich auf die an sie herangetragenen Anforderungen besser ein. Die Heranwachsenden akzeptieren in der Folge eher Konsequenzen und Grenzen. In diesem Rahmen sie dann auch bereit, an sich zu arbeiten und in dieser Beziehung ihr Verhalten zu verändern.

Die Schüler/innen haben durch ihren Platz in der Klasse die Möglichkeit, Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen und dauerhafte Beziehungen zu entwickeln. Im Umgang mit den Mitschülern und Mitschülerinnen benötigen sie hierfür grundlegende soziale Kompetenzen. So können sie sich mit all ihren Stärken und Schwächen einbringen und werden zugleich von den anderen akzeptiert. Selbstvertrauen, Selbstsicherheit, ein gutes Selbstbild und eine gewisse Ich-Stärke sind Voraussetzungen für eine Gruppenfähigkeit des Kindes. Genauso wichtig ist es zu lernen, wie man sich angemessen mit den anderen Schüler/innen der Klassengemeinschaft auseinandersetzt: Es werden Strategien für geeignete Problemlösungen entwickelt.

Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche haben jedoch häufiger Schwierigkeiten bei der altersgerechten Gestaltung der Kommunikation und Kooperation in Gruppen. Dies liegt oftmals an ihren Milieuerfahrungen und der primären Sozialisation, d. h. der ersten Rollenerfahrungen mit den Eltern. Damit begründet sich die Notwendigkeit der bewussten Gestaltung sozialen Lernens mit all seinen Methoden und Möglichkeiten besonders auch für diese Schüler/innen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist besonderes pädagogisches Geschick wichtig:

Ziele von Modul 1



Die wichtigsten Ziele sind: Die Schüler/innen fühlen sich dann wohl, wenn sie sich der Gruppe, in der sie sich befinden, auch zugehörig fühlen. Alles, was Menschen Nähe zu anderen Menschen vermittelt, gibt Sicherheit. Es löst entsprechendes Wohlbefinden aus und bedeutet zudem Entspannung für die einzelnen Schüler/innen.


Zielgerichtet und akzeptierend in der Gruppe mit anderen Mitschülern und Mitschülerinnen zu arbeiten, stellt für die Schüler/innen zunächst eine hohe Herausforderung dar. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind das Bekanntsein untereinander und das nötige Vertrauen zu anderen Menschen. Auf dieser Basis ist es möglich, sich gegenseitig anzunehmen, zuzuhören und die Verhaltensweisen des anderen zu tolerieren. Schritt für Schritt werden die Schüler/innen dann ermutigt, eigene Standpunkte zu vertreten, andere zu kritisieren, ohne sie zu verletzen, oder Konflikte angemessen zu regeln. Durch ein solches Vorgehen werden wesentliche Bestandteile einer offenen, kreativen Lernatmosphäre geschaffen.

Die Grafik gibt eine Übersicht über die verschiedenen Kennlernübungen in Baustein zwei "Ich bin ich – und wer bist du?" und Baustein drei "Ich stelle dich vor – du stellst mich vor".

Die Altersgruppe, die mit diesem "Trainingsprogramm" des sozialen Lernens angesprochen wird, befindet sich in der pubertären Entwicklungsphase. Dies ist eine Phase der Ablösung, der Entwicklung der Selbständigkeit sowie der Geschlechtsidentität. Daraus ergeben sich besondere Anforderungen für die vermittelnden Lehrkräfte: Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, innerhalb der Klassengemeinschaft an die Mädchen andere Anforderungen zu stellen als an die Jungen. Durch die vielfältigen Aktivitäten, die dieses Modul kennzeichnen, besteht die Chance, dass die Schüler/innen sich untereinander mit ihren Eigenarten, die sie einzigartig machen, kennenlernen und sich dadurch vertrauter werden.

Voraussetzungen und Bedingungen, die für die Umsetzung der Inhalte benötigt werden:
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