Interview mit Marta Dzido (OmU)

Drehbuchautorin und Koregisseurin des Filmes "Die Frauen der Solidarność"

Marta Dzido antwortet auf Fragen zum Film "Die Frauen der Solidarność".

Inhalt

Marta Dzido beantwortet im Interview folgende Fragen:

  1. Was war für Sie persönlich der aufregendste Moment und die wichtigste Erkenntnis während der Dreharbeiten?
  2. Woran liegt es Ihrer Meinung nach genau, dass die Aktivistinnen im kollektiven Gedächtnis kaum eine Rolle spielen? (ab 01:24)
  3. Wie würden Sie die politische Bedeutung der Frauen in Polen heute einschätzen? (ab 02:39)



Der aufregendste Moment während der Dreharbeiten von „Die Frauen der Solidarność“ war, als wir die vermisste Heldin des August-Streiks, Frau Ewa Ossowska, gefunden haben. Es hat monatelang gedauert, der Erfolg der Suche war aber keineswegs gewiss. Wir wussten natürlich auch nicht, ob sie mit uns überhaupt sprechen möchte. Als sie aber zusagte und sich bereit erklärt hat, uns in ihrem Haus in Neapel zu empfangen, Wir wussten natürlich auch nicht, ob sie mit uns überhaupt sprechen möchte. Als sie aber zusagte und sich bereit erklärt hat, uns in ihrem Haus in Neapel zu empfangen, war das für mich persönlich der aufregendste und rührendste Moment. Die wichtigste Erkenntnis, die größte Herausforderung für mich als Regisseurin und Dokumentaristin war der Umgang mit meiner eigenen Präsenz im Film. Es war mir wichtig, es so zu gestalten, dass ich einerseits selbst nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehme, um dadurch den Protagonistinnen genug Erzählzeit widmen zu können. Andererseits wollte ich doch im Film sichtbar sein, so dass Frauen in meinem Alter, die diese Geschichte gerne kennenlernen und verstehen möchten, sich mit mir in gewissem Sinne identifizieren können, damit ich auch in ihrem Namen alle Fragen in diesem Film stellen kann.



Erst heute, 30 Jahre nach der Entstehung der Solidarność, kommt es zu einem Punkt, an dem wir die vollständige Geschichte kennenlernen wollen. Und tatsächlich war es bisher so, dass die Rolle der Frauen vergessen und geschmälert wurde. Dies liegt auch am Geschichtsunterricht. Genannt werden Namen von Führern, Generälen, dazu viele Daten. Die Menschen hingegen, die eine entscheidende Rolle für die Geschichte gespielt haben, aber keinen konkreten Posten hatten, werden nicht erwähnt oder unter Historikern und Forschern als nicht wichtig eingestuft. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Film und viele Bücher, die heute herausgegeben werden, dies ändern können. Ich hoffe, die Heldinnen und Aktivistinnen dieser Zeit werden in die Annalen der Geschichte eingehen und ihre Aktivität bleibt in Erinnerung, auch künftiger Generationen. Eine der Protagonistinnen von „Die Frauen der Solidarność“, Joanna Gwiazda, sagt, in Polen wird Politik beim Jagen, Fischen oder Wodka gemacht. Frauen haben kein Interesse an diesen Aktivitäten und betreten somit die politische Bühne nicht. Dies ist natürlich eine sehr ironische Diagnose. Aus meiner Sicht haben sich die Frauen der Solidarność auf eine andere Art und Weise politisch engagiert. Sie sind zwar nicht unter den machtausübenden Akteuren zu sehen, treten nicht im Fernsehen auf und gehören auch keiner politischen Partei an; Sie sind zwar nicht unter den machtausübenden Akteuren zu sehen, treten nicht im Fernsehen auf und gehören auch keiner politischen Partei an; aber an der Basis fördern sie die Sozialhilfe von ehrenamtlichen Organisationen, indem sie den Waisen, Senioren oder einfach den unterstützungsbedürftigen Personen direkt helfen. Dies ist für mich eine effiziente Art der Politik, die einen greifbaren Effekt hat. Es ist eine sichtbare Beeinflussung der Realität und eine Bestrebung, bessere Umstände zu schaffen.

Weitere Informationen

  • Produktion: 2016

  • Spieldauer: 04:07

  • hrsg. von: Bundeszentrale für politische Bildung, Sabcat Media

Themen

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