Datenreport

Datenreport 2018



Nachruf: Zum Tod von Gernot Dallinger (1939 – 2017)

Wer im Netz den Namen Gernot Dallinger googelt, stößt auf eine Fülle von Publikationen, die mit ihm eng verbunden sind. Mehr als 30 Jahre lang hat er die Arbeit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bereichert. Seit 1985 ist auch der Datenreport mit seinem Namen verbunden.

Gernot Dallinger wurde im August 1939 in Traunstein geboren – er hat sich scherzhaft immer als "Friedensware" bezeichnet. Als Historiker hat er sich mit einer Dissertation über einen preußischen Minister des Vormärz, Karl von Canitz und Dallwitz, zeitweilig Generalmajor und Minister für Auswärtige Angelegenheiten Preußens, profiliert. Man kann diese quellengesättigte Arbeit noch heute beziehen. Sein Wunsch, an der Universität zu bleiben, ließ sich nicht realisieren, weil er im familieneigenen Unternehmen als Sohn neben drei Schwestern (so war das damals!) die Verantwortung übernehmen musste.

Dallinger war bereits 42 Jahre alt, als er in der bpb – zunächst als freier Mitarbeiter, ab 1988 mit Festanstellung – zu seinen Ursprüngen näherungsweise zurückkehren konnte. Der erste Schriftenreihe-Band, den er redaktionell betreute, war 1981 dem Thema "Die Menschenrechte: eine Herausforderung der Erziehung" gewidmet. Ein Einstieg mit Symbolcharakter!

Zwei Veröffentlichungen der bpb bleiben in denkwürdiger Erinnerung: Dallinger hat ein Vierteljahrhundert lang die Grundgesetz-Ausgabe der bpb verantwortet und dabei in Abstimmung mit dem Verfassungsreferat des Bundesministeriums des Innern die zahlreichen Änderungen zeitnah und akribisch vorgenommen und kontrolliert. Dieser absolute "Bestseller" der bpb, von dem 1992 bereits mehr als sechs Millionen, bis heute mehr als zwölf Millionen Exemplare verteilt worden sind, steht damit in direkter Verbindung mit unserem Kollegen.

Als zweite Veröffentlichung ist der Datenreport hervorzuheben, ein konkurrenzloser Reihentitel im Angebot der bpb. 1983 erstmals in Verbindung mit dem Statistischen Bundesamt publiziert, ist er seit 1985 in einer erweiterten Kooperation mit dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) als erste und bis heute einzige deutsche Publikation herausgegeben worden, die unsere amtliche Statistik und die "Sozialberichterstattung" (also die tatsächlichen sozialen Lagen und ihre subjektive Wahrnehmung) verbindet. Diese Reihe hat Dallinger bis zur Ausgabe von 2016 mit großer Akribie und souveräner Gelassenheit redaktionell betreut.

Er hat sich zudem besondere Verdienste um die Ausbildung der bpb-Volontäre erworben. Gernot Dallinger war ein höchst sachkundiger und empathischer, ja väterlicher Lehrmeister für eine junge Generation, die – von ihm angeleitet und inspiriert – neue Ideen und frischen Wind in das Haus einbrachte.

Am 30. November 2017 ist Gernot Dallinger gestorben. Er bleibt vor allem im Hinblick auf den Datenreport unvergessen.

Rüdiger Thomas

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