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14.11.2018

Bruttoverdienste

Die Daten über die Bruttoverdienste der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zeigen tatsächlich gezahlte Bruttolöhne und -gehälter, die sich zum Teil deutlich von den Tarifverdiensten unterscheiden. So werden beispielsweise nicht alle Arbeitnehmer in Deutschland nach Tarif bezahlt oder das Tarifniveau wird aufgrund der wirtschaftlichen Lage des Betriebes über- oder unterschritten. Die Ergebnisse der Vierteljährlichen Verdiensterhebung zeigen, wie sich die tatsächlich gezahlten Bruttoverdienste von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern entwickeln.

Bruttoverdienste 2017

Vollzeit beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich verdienten in Deutschland 2017 durchschnittlich 3.771 Euro brutto im Monat. Im früheren Bundesgebiet und Berlin lag der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst bei 3.885 Euro, in den neuen Ländern waren es 3.049 Euro. In diesen Verdienstangaben sind Sonderzahlungen nicht enthalten. Sonderzahlungen sind Vergütungen, die nicht regelmäßig erfolgen, wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Gewinnbeteiligungen, Prämien für Verbesserungsvorschläge sowie jährlich einmalig gezahlte Provisionen oder Boni.

Bruttomonatsverdienste vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Bruttomonatsverdienste nach Leistungsgruppen

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden zur besseren Analyse der Durchschnittsverdienste in die Leistungsgruppen 1 bis 5 eingeteilt. Arbeitnehmer in leitender Stellung verdienten 2017 mit durchschnittlich 6.911 Euro mehr als dreimal so viel wie ungelernte Arbeitnehmer (2.156 Euro). Im Durchschnitt aller beobachteten Wirtschaftszweige gehörten 12,9 % der Männer in Deutschland dieser Leistungsgruppe 1 an, aber nur 9,4 % der Frauen. In Leistungsgruppe 5 kehrt sich dieses Verhältnis um: 6,3 % ungelernte Arbeitnehmerinnen stehen hier 5,4 % ungelernten Arbeitnehmern gegenüber.

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Info 1

Leistungsgruppen

Die Leistungsgruppen stellen eine grobe Abstufung der Arbeitnehmertätigkeiten nach dem Qualifikationsprofil des Arbeitsplatzes dar. Es wird unterschieden zwischen
  • Leistungsgruppe 1: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in leitender Stellung,
  • Leistungsgruppe 2: Herausgehobene Fachkräfte,
  • Leistungsgruppe 3: Fachkräfte,
  • Leistungsgruppe 4: Angelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer,
  • Leistungsgruppe 5: Ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Im früheren Bundesgebiet und Berlin waren 13,4 % der vollzeitbeschäftigten Männer in Leistungsgruppe 1, aber nur 9,4 % der Frauen. Rund 5,4 % der männlichen Beschäftigten waren ungelernte Arbeitnehmer (Frauen: 6,6 %). In den neuen Ländern ist diese Verteilung deutlich ausgewogener: Auf leitende Arbeitnehmer entfielen hier 9,8 % der Männer und 9,7 % der Frauen, ungelernt waren 5,0 % der Männer und 5,1 % der Frauen (siehe Tab 2).

Bruttomonatsverdienste nach Branchen

Zwischen den einzelnen Branchen im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich bestehen große Verdienstunterschiede. Die Spanne reichte 2017 für die Vollzeitbeschäftigten in Deutschland von 5.124 Euro für Beschäftigte im Bereich Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen bis 2.300 Euro im Bereich Gastgewerbe. Bei den Unterpositionen war die Spannweite bei den Verdiensten noch ausgeprägter: Die Branche "Gewinnung von Erdöl und Erdgas" (6.719 Euro) führte hier das Ranking an, vor "Kokerei und Mineralölverarbeitung" (5.848 Euro) und "Luftfahrt" (5.551 Euro). Die niedrigsten Verdienste verzeichneten die Bereiche "Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften" (2.193 Euro), "Gastronomie" (2.257 Euro) sowie "Beherbergung" (2.351 Euro). Diese Angaben beziehen sich auf den regelmäßig monatlich gezahlten Verdienst ohne Sonderzahlungen. Die Verdienstunterschiede zwischen den Branchen vergrößern sich tendenziell noch, wenn die Sonderzahlungen berücksichtigt werden. So lag beispielsweise der Anteil der Sonderzahlungen an der Grundvergütung im Gastgewerbe mit 4,4 % deutlich unter dem bei Betrieben der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (20,6 %). Im Durchschnitt wurden 10,1 % Sonderzahlungen erreicht. Tendenziell war der Anteil der Sonderzahlungen an der Gesamtvergütung in Branchen mit hohen Verdiensten höher als in Branchen mit niedrigen Verdiensten.

Branchen mit den höchsten und niedrigsten Verdiensten 2017 — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Verdienste und Arbeitszeiten vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Alle hier veröffentlichten Verdienstangaben sind Durchschnittswerte (arithmetisches Mittel). Wichtig für die Interpretation dieser Werte ist eine Vorstellung über die Verteilung der Beschäftigten um diesen Mittelwert: Aus der Verdienststrukturerhebung 2014 ist bekannt, dass knapp zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten (62 %) weniger verdienen als den gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswert; nur ein gutes Drittel hat höhere Bruttoverdienste. Dieses Drittel hat so hohe Verdienste, dass der Durchschnittswert für alle Beschäftigten "nach oben gezogen" wird.

Bruttostundenverdienste nach Bundesländern

Voll- und Teilzeitbeschäftigte (ohne geringfügig Beschäftigte, das heißt ohne sogenannte Minijobs) verdienten im Jahr 2017 im Produzierenden Gewerbe sowie im Dienstleistungsbereich in Deutschland pro Stunde 21,31 Euro brutto. Sonderzahlungen wurden in diesem Durchschnittswert nicht berücksichtigt. Bei den Bundesländern führte Hamburg (23,76 Euro) das Ranking vor Hessen (23,42 Euro) und Baden-Württemberg (23,10 Euro) an. Den niedrigsten Stundenlohn der Länder im früheren Bundesgebiet verzeichnete Schleswig-Holstein mit 19,60 Euro. Die geringsten Bruttostundenverdienste wurden in Mecklenburg-Vorpommern (16,61 Euro) sowie in Sachsen-Anhalt (17,05 Euro) und Thüringen (17,07 Euro) gezahlt.

Durchschnittliche Bruttostundenverdienste nach Bundesländern 2017 — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ein wichtiger Grund für die Verdienstabstände zwischen den Bundesländern sind die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus. Je höher der Wert der von den Erwerbstätigen hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen ist, desto höhere Verdienste können den Beschäftigten gezahlt werden. Das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen lag im Jahr 2017 in den alten Bundesländern und Berlin 27,5 % über dem Durchschnitt der neuen Länder ohne Berlin. Der Verdienstabstand zwischen West- und Ostdeutschland betrug ebenfalls mehr als ein Viertel (28,1 % oder 4,83 Euro pro Stunde) und ist fast vollständig durch die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus erklärbar. Bei der Produktivität und auch bei den Verdiensten belegten Hamburg und Hessen die vorderen Plätze der Rangfolge. In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen war die Produktivität am geringsten. Eine ähnliche Struktur zeigt sich seit mehreren Jahren und kann daher als Erklärung für den Verdienstabstand zwischen Ost- und Westdeutschland herangezogen werden.

Bruttostundenverdienste und Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Verdienste von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten

Gibt es Unterschiede im Bruttostundenverdienst bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten? Als Teilzeitbeschäftigte gelten hier alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die vergleichbarer Vollzeitbeschäftigter. Teilzeitbeschäftigte wiesen im Jahr 2017 mit 17,76 Euro einen um 20 % niedrigeren durchschnittlichen Bruttostundenverdienst auf als Vollzeitbeschäftigte (22,16 Euro). Woran liegt das? Ein Vergleich der Verdienste von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten nach Leistungsgruppen macht deutlich, dass 11,8 % der Vollzeitbeschäftigten leitende Arbeitnehmer waren. Bei den Teilzeitbeschäftigten waren es lediglich 6,3 %. Demgegenüber gehörten 5,7 % der Vollzeit-, aber 13,8 % der Teilzeitbeschäftigten zu den ungelernten Arbeitnehmern.

Bruttostundenverdienste bei Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten 2017 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Da der Verdienst mit dem am Arbeitsplatz erforderlichen Qualifikationsniveau entsprechend ansteigt, wird der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Teilzeitbeschäftigten demnach durch einen höheren Anteil "niedriger" Stundenverdienste gedrückt. Entspräche die Verteilung der Teilzeitbeschäftigten auf die Leistungsgruppen der von Vollzeitbeschäftigten, ergäbe sich nur noch ein Verdienstunterschied von 12 %. Ein weiterer Grund für die Unterschiede beim Bruttostundenverdienst Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigter liegt in der Verteilung der jeweiligen Beschäftigungsarten auf einzelne Branchen. Teilzeitbeschäftigte finden sich verstärkt in Branchen mit niedrigeren Verdiensten. Berechnet man einen Stundenverdienst mit den Verdiensten der Teilzeitbeschäftigten und der Branchenstruktur der Vollzeitbeschäftigten, beträgt die Abweichung nur noch 15 %. Beide Effekte zusammengenommen erklären knapp zwei Drittel des Verdienstabstandes zwischen Voll- und Teilzeitbeschäftigten.

Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen

Seit einigen Jahren wächst das Interesse an den bestehenden Verdienstunterschieden zwischen Männern und Frauen, dem "Gender Pay Gap". Um geschlechtsspezifische Lohnunterschiede zu analysieren, stehen zwei Indikatoren zur Verfügung: Der bereinigte Gender Pay Gap ermittelt die Höhe des Verdienstunterschiedes von Frauen und Männern mit vergleichbaren Eigenschaften (zum Beispiel: Tätigkeit, Ausbildung, Berufserfahrung) und wird nur in mehrjährlichen Abständen errechnet. Der jährlich ermittelte unbereinigte Gender Pay Gap betrachtet den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied in allgemeiner Form, das heißt ohne Berücksichtigung struktureller Unterschiede in den Beschäftigungsverhältnissen von Männern und Frauen. Auf diese Weise wird auch der Teil des Lohnabstands erfasst, der beispielsweise durch unterschiedliche Zugangschancen beider Geschlechtergruppen auf bestimmte Tätigkeitsfelder oder Leistungsgruppen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind.

Im Jahr 2017 lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Deutschland bei 21 %, das heißt, der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen fiel um 21 % geringer aus als der von Männern. Analysen auf Grundlage der in mehrjährlichen Abständen durchgeführten Verdienststrukturerhebung für 2014 zeigen, dass in Deutschland drei Viertel (74 %) des unbereinigten Gender Pay Gap auf Strukturunterschiede zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zurückzuführen waren. Wichtigste Unterschiede waren, dass Frauen und Männer unterschiedliche Leistungsgruppen besetzten und sich hinsichtlich der Berufs- beziehungsweise Branchenwahl unterschieden. Schließlich waren Frauen eher in Teilzeit beschäftigt und teilweise schlechter ausgebildet. Rund ein Viertel (26 %) des unbereinigten Verdienstunterschieds konnte nicht mithilfe derartiger Unterschiede erklärt werden. Der bereinigte Verdienstunterschied lag demnach bei rund 6 %. Dies bedeutet, dass weibliche Arbeitnehmer pro Stunde 6 % weniger als Männer verdienten, auch unter der Voraussetzung, dass sie

In diesem Zusammenhang sollte jedoch berücksichtigt werden, dass der bereinigte Gender Pay Gap möglicherweise geringer ausfallen würde, wenn weitere lohnrelevante Eigenschaften für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten. So konnte beispielsweise im Rahmen der Auswertungen weder der Familienstand oder die tatsächliche Berufserfahrung noch das individuelle Verhalten in Lohnverhandlungen einbezogen werden.

Zerlegung des Gender Pay Gap 2014 — Bruttostundenverdienst in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Nominal- und Reallohn

Beim Nominallohn handelt es sich um den Bruttomonatsverdienst einschließlich Sonderzahlungen, den die Beschäftigten tatsächlich für ihre Arbeit erhalten. Der Reallohn entspricht dem um die Inflation bereinigten Verdienst. Somit ist der Reallohn ein Indikator für die Kaufkraft des Nominallohns.

Von 2007 bis 2017 stiegen die Reallöhne, das heißt die preisbereinigten Bruttomonatsverdienste, um insgesamt 10,6 %. Die nominale Verdienstentwicklung von Vollzeit-, Teilzeit- und geringfügig Beschäftigten betrug 25,8 %, die Verbraucherpreise verzeichneten im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 13,7 %. Bei Betrachtung der einzelnen Jahre konnten die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fast durchweg Reallohngewinne im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Die Verdienste einschließlich der Sonderzahlungen stiegen also stärker als die Verbraucherpreise.

Nominale und reale Verdienstentwicklung — Veränderung zum Vorjahr in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Eine Auswertung nach den sogenannten Leistungsgruppen (siehe Info 1), also den Anforderungen des Arbeitsplatzes hinsichtlich Führung und Qualifikation, zeigt, dass im Jahr 2017 die nominalen Verdienststeigerungen der leitenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (+ 2,9 %) überdurchschnittlich hoch waren, dicht gefolgt von denen der ungelernten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (+ 2,8 %). Herausgehobene Fachkräfte hatten mit + 2,3 % den geringsten Verdienstzuwachs. Ferner hatten innerhalb der betrachteten Beschäftigungsarten die geringfügig Beschäftigten mit + 1,6 % deutlich geringere Verdienstzuwächse als Teilzeit- (+ 2,9 %) und Vollzeitbeschäftigte (+ 2,5 %).

Insgesamt stiegen die nominalen Verdienste von geringfügig Beschäftigten zwischen 2007 und 2017 um rund 32 %. Damit fielen die Lohnsteigerungen stärker aus als bei den Vollzeitbeschäftigten (+ 25 %) und den Teilzeitbeschäftigten (+ 30 %). Angelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verzeichneten im selben Zeitraum ein Plus von 26 %. Bei den Fachkräften belief sich der Lohnzuwachs auf 23 %. Die höchsten Verdienststeigerungen in den letzten zehn Jahren konnten leitende Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie herausgehobene Fachkräfte und ungelernte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer für sich verzeichnen (+ 33 % beziehungsweise jeweils + 26 %).

Bei Betrachtung der Verdienstentwicklung in beiden Landesteilen zeigt sich, dass die Nominallöhne in den neuen Ländern mit + 31 % stärker gestiegen sind als im früheren Bundesgebiet und Berlin mit + 25 %.

Niedriglöhne

In den letzten Jahren wurde immer wieder über Niedriglöhne und das damit einhergehende Armutsrisiko für die Beschäftigten diskutiert. Dabei wird der Begriff "Niedriglohn" unterschiedlich definiert. Das Statistische Bundesamt verwendet eine unter anderem bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) übliche Definition. Demnach liegt die Niedriglohngrenze bei zwei Dritteln des Medianverdienstes.

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Info 2

Was sind Niedriglöhne?

Der Begriff "Niedriglöhne" wird unterschiedlich verwendet. Das Statistische Bundesamt berechnet die Niedriglohngrenze, unterhalb derer alle Verdienste als Niedriglohn gelten, nach einem Ansatz, der unter anderem von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) angewandt wird.

Diese grenzt den Niedriglohnbereich relativ zur Verteilung der Verdienste aller betrachteten Beschäftigten ab. Dazu wird zunächst der Medianverdienst berechnet: Dieser teilt die betrachteten Verdienste in genau zwei Hälften, das heißt, die eine Hälfte der Beschäftigten verdient weniger und die andere Hälfte mehr als diesen Wert. Nach der Definition wird von Niedriglohn gesprochen, wenn der Verdienst eines Beschäftigten kleiner als zwei Drittel des Medianverdienstes ist.

Die Daten zu Niedriglöhnen basieren auf der Verdienststrukturerhebung, die alle vier Jahre detaillierte Informationen zu den Erwerbseinkommen abhängig Beschäftigter bereitstellt. Aktuell stehen die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung 2014 für Analysen zum Niedriglohnsektor zur Verfügung.

Mit den letzten beiden Erhebungen wurde der Berichtskreis der Verdienststrukturerhebung zweistufig erweitert: im Jahr 2010 um die Branchen der nicht marktbestimmten Dienstleistungen und 2014 um Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Zudem wurden mit der Erhebung 2014 auch Klein- und Kleinstbetriebe (Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten) einbezogen.

Aussagen zu Erwerbseinkommen von Selbstständigen sowie zu privaten Haushalten mit Haus- personal können auch weiterhin mithilfe dieser Erhebung nicht getroffen werden. Mit der Veränderung des Berichtskreises sind auch Zeitvergleiche mit vorangegangenen Erhebungen nur bedingt möglich. Im Jahr 2014 betrug der Schwellenwert für den Niedriglohn 10,00 Euro pro Stunde und bezog sich auf den Bruttostundenverdienst. Der Bruttostundenverdienst ist am besten geeignet, da so festgestellte Verdienstunterschiede nicht aus unterschiedlich langen Arbeitszeiten resultieren können und Einflüsse von Steuern und Abgaben außen vor bleiben. In der Analyse wurden Beschäftigte im Alter von 15 bis 64 Jahren ohne Auszubildende berücksichtigt.

Die Angaben zum Niedriglohn stammen aus der Verdienststrukturerhebung, die alle vier Jahre durchgeführt wird. Aktuell stehen Ergebnisse aus der Erhebung von 2014 zur Verfügung, auf die sich die folgenden Ausführungen beziehen.

Die wie oben beschrieben definierte Niedriglohngrenze lag 2014 in Deutschland bei 10,00 Euro brutto pro Stunde. Fast 21 % aller Beschäftigten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren (ohne Auszubildende) erhielten einen Verdienst unterhalb dieser Grenze. Bei den sogenannten atypisch Beschäftigten (Teilzeitbeschäftigte mit 20 Stunden oder weniger, geringfügig Beschäftigte, befristet Beschäftigte sowie Zeitarbeiter; siehe Kapitel 5.1, Info 4, Abb 9) war der Anteil sogar doppelt so hoch. Dabei unterschieden sich die Anteile der Niedrigentlohnten je nach Beschäftigungsform deutlich: So arbeiteten fast zwei Drittel der geringfügig Beschäftigten (65 %) für einen Niedriglohn. Für Teilzeitbeschäftigte mit maximal 20 Arbeitsstunden pro Woche (47 %), für Zeitarbeiterinnen und Zeitarbeiter (39 %) und befristet Beschäftigte (33 %) waren die Anteile zwar geringer, aber immer noch deutlich über dem Niveau von Normalarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern mit 10 %. Als Normalarbeitsverhältnisse gelten unbefristete, voll sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen mit über 20 Wochenstunden, die nicht als Zeitarbeit ausgeübt werden.

Beschäftigte mit Niedriglohn 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Das bedeutet, dass von den gut 34,7 Millionen Beschäftigten im Alter von 15 bis 64 Jahren (ohne Auszubildende), über die die Verdienststrukturerhebung repräsentative Aussagen macht, 2,2 Millionen Normalbeschäftigte und rund 4,9 Millionen atypisch Beschäftigte einen Niedriglohn erhielten.

Je jünger Beschäftigte sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Niedriglöhne bezogen werden. Rund 46 % der Beschäftigten im Alter von 15 bis 24 Jahren bekamen 2014 einen Niedriglohn. Dies sind deutlich mehr als doppelt so viele wie in jeder anderen Altersgruppe. Bei den atypisch in Teilzeit beziehungsweise geringfügig Beschäftigten lag der Anteil der Personen unter der Niedriglohnschwelle bei den 15- bis 24-Jährigen sogar über 70 %.

In den einzelnen Wirtschaftszweigen sind Niedriglöhne unterschiedlich stark verbreitet. Beschäftigte der Land- und Forstwirtschaft und des Gastgewerbes bekommen häufiger als in allen anderen Wirtschaftsabschnitten Bruttostundenverdienste unterhalb der Niedriglohngrenze. So bezogen in diesen Branchen rund 54 % beziehungsweise 67 % aller Beschäftigten einen Niedriglohn. Diese beiden Wirtschaftsabschnitte weisen im Vergleich mit den anderen Wirtschaftsabschnitten auch bei den Normalbeschäftigten den höchsten Anteil unter dem Niedriglohn (45 % beziehungsweise 50 %) aus.

In den anderen Wirtschaftsabschnitten war der Anteil der Niedriglohnbezieherinnen und -bezieher unter den Normalbeschäftigten wesentlich geringer. Allerdings überstiegen in allen Wirtschaftsabschnitten die Anteile der niedrig entlohnten atypisch Beschäftigten deutlich die der Normalbeschäftigten. So erhielten beispielsweise im Bereich Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 1,5 % der Normalbeschäftigten, aber rund 17 % der atypisch Beschäftigten einen Niedriglohn. Im Handel war der Anteil der niedrig entlohnten atypisch Beschäftigten mit 50 % rund 37 Prozentpunkte höher als der entsprechende Anteil für die Normalbeschäftigten.

Auch die berufliche Qualifikation ist ein bedeutender Faktor, der die Verdiensthöhe beeinflusst. Je höher die persönliche berufliche Qualifikation, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit eines Niedriglohns. Insgesamt bezogen 46 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne einen beruflichen Bildungsabschluss einen Niedriglohn. Bei Beschäftigten mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung waren es 20 % und bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss 4,2 %.

Über den in Deutschland seit 2015 geltenden Mindestlohn informiert Kapitel 5.3.

Sandra Klemt, Sabine Lenz

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