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14.11.2018

Konflikte bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Wie gut sich Arbeit mit dem Familienleben in Einklang bringen lässt, ist ein zentrales Kriterium für gute Lebensqualität – insbesondere für Eltern oder Menschen, die Angehörige pflegen. Während eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Vergangenheit eher als Thema für Frauen galt, äußern inzwischen auch immer mehr Männer den Wunsch, Beruf und Familie besser miteinander verbinden zu können.

Vereinbarkeitskonflikte können zeitbasiert sein, etwa wenn die Zeit, die eine Person in ihre Arbeit oder Familie investiert, zu Schwierigkeiten führt, die Anforderungen im jeweils anderen Bereich zu erfüllen. Sie können aber auch belastungsbasiert sein, wenn jemand durch die Belastungen in Beruf oder Familie beispielsweise zu erschöpft oder zu angespannt ist, um die Anforderungen des jeweils anderen Bereichs zu erfüllen.

2015 gaben mit 21 % mehr Männer als Frauen (15 %) an, dass ihre Berufstätigkeit ihr Familienleben beeinträchtigte. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Frauen ihre Arbeitszeiten eher als Männer an familiäre Anforderungen anpassen und somit Vereinbarkeitskonflikte reduzieren. Zusätzliche Analysen zeigen, dass Männer und Frauen die in ähnlichem Stundenumfang erwerbstätig sind, auch etwa gleich oft Vereinbarkeitskonflikte erleben. Unter den Vollzeiterwerbstätigen (30 bis 48 Wochenstunden) erlebten 17 % der Männer und 16 % der Frauen regelmäßig Beeinträchtigungen des Familienlebens durch den Beruf. Bei denjenigen mit überlangen Arbeitszeiten (über 48 Wochenstunden) waren sogar 34 % der Männer und 33 % der Frauen von Beeinträchtigungen betroffen. Unter Teilzeitbeschäftigen waren Beeinträchtigungen des Familienlebens durch den Beruf mit 9 % bei den Männern und 11 % bei den Frauen hingegen deutlich seltener. Eine Beeinträchtigung des Berufs- durch das Familienleben trat bei Frauen wie bei Männern nur sehr selten auf.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Arbeitszufriedenheit 1997 – 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Männer mit Abitur erlebten seltener, dass ihr Beruf das Familienleben beeinträchtigte als Männer mit Haupt- oder Realschulabschluss. Bei den Frauen war eine Beeinträchtigung des Familienlebens durch den Beruf bei Hauptschulabsolventinnen besonders selten. Männer mit Migrationshintergrund berichteten deutlich häufiger, dass ihr Familienleben den Beruf beeinträchtigte, als Männer ohne Migrationshintergrund.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Arbeitszufriedenheit nach soziodemografischen Merkmalen 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Männer der mittleren Altersgruppe erlebten besonders häufig eine Beeinträchtigung des Familienlebens durch Anforderungen im Beruf. Frauen dieser Altersgruppe berichteten hingegen vergleichsweise oft, dass ihr Beruf durch das Familienleben beeinträchtigt werde. Väter erlebten zudem Konflikte in beide Richtungen häufiger als kinderlose Männer, Mütter hingegen nur eine stärkere Beeinträchtigung des Berufs durch das Familienleben als kinderlose Frauen.

Wie hängen Arbeitsbedingungen, Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz mit Vereinbarkeitskonflikten zusammen? Männer nahmen eher Beeinträchtigungen des Familienlebens durch den Beruf wahr, wenn sie ihren Arbeitsplatz als unsicher und ihre Arbeit als wenig interessant und unabhängig einstuften sowie wenn sie geringe Aufstiegsmöglichkeiten wahrnahmen. Hierbei handelt es sich vermutlich um belastungsbasierte Vereinbarkeitskonflikte, bei denen sich die Unzufriedenheit und Anspannung, die mit solchen Arbeitsbedingungen einhergehen, negativ auf das Familienleben auswirken. Bei den Frauen zeigten sich hingegen größere Beeinträchtigungen des Familienlebens, wenn ihre Arbeit interessant und nützlich für die Gesellschaft war, wenn es Teil der Arbeit war, anderen zu helfen und wenn die Arbeit gute Aufstiegschancen bot. Hier scheinen es eher die positiven Aspekte der Arbeit zu sein, die die Frauen vereinnahmten und dazu beitrugen, dass diese das Familienleben öfter hintanstellten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Arbeitszufriedenheit nach Arbeits­platzmerkmalen, Belastungen und Ressourcen am Arbeitsplatz 2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Schwere körperliche Arbeit und Stress im Beruf beeinträchtigten das Familienleben für Männer wie für Frauen. Entsprechend dem Befund, dass flexible Arbeitszeiten Frauen in der Familienphase vergleichsweise wichtig sind (siehe Abschnitt 5.4.1), nahmen Frauen eine geringere Beeinträchtigung des Familienlebens wahr, wenn sie Einfluss auf ihre Arbeitszeiten hatten. Ansonsten ist der Zusammenhang zwischen Freiräumen bei der Organisation der täglichen Arbeit und der Arbeitszeiten auf der einen und der Vereinbarkeitssituation auf der anderen Seite eher gering. Wichtiger als diese formalen Gestaltungsspielräume ist die soziale Unterstützung durch Vorgesetzte sowie Kolleginnen und Kollegen.

Mareike Bünning

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