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14.11.2018

Bevölkerung

Deutschland war zu Jahresbeginn 2017 mit 82,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern der bevölkerungsreichste Mitgliedstaat der EU, vor Frankreich mit 67,0 Millionen und dem Vereinigten Königreich mit 65,8 Millionen Menschen. Insgesamt lebten Anfang 2017 in den 28 EU-Staaten rund 512 Millionen Menschen. Im Lauf des Jahres 2016 wuchs die EU-Bevölkerung um 1,2 Millionen Menschen. Innerhalb der Europäischen Union gab es jedoch gegenläufige Trends: In 10 EU-Staaten schrumpfte die Bevölkerung, in 18 stieg sie. Wie sich die Bevölkerung entwickelt, hängt von zwei Faktoren ab:

In Deutschland nahm die Bevölkerung im Jahr 2016 netto um rund 346.000 Einwohnerinnen und Einwohner zu. Getragen wurde diese Entwicklung von Zuwanderung. Ohne Zuwanderung wäre Deutschlands Bevölkerung rückläufig, da 2016 rund 119.000 mehr Menschen starben als geboren wurden.

Bevölkerungsentwicklung 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Geburten



Damit die Bevölkerungszahl eines Landes ohne Zuwanderung auf konstantem Niveau bleibt, muss in hoch entwickelten Ländern jede Frau durchschnittlich 2,1 Kinder bekommen. Liegt die Geburtenziffer darunter, wird jede folgende Generation – und damit auch die Zahl der potenziellen Mütter – kleiner als die vorherige. Frankreich erreichte 2016 als einziger EU-Staat mit 1,9 Kindern je Frau noch annähernd diesen Wert. In Deutschland lag die Geburtenziffer bei 1,6 Kindern je Frau. Die geringste Geburtenhäufigkeit verzeichneten Italien und Spanien mit je 1,3 Kindern je Frau.

Zusammengefasste Geburtenziffer 2016 — Kinder je Frau Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Alter der Mütter beim ersten Kind



Im Jahr 2016 waren in fünf EU-Ländern Frauen bei der Geburt des ersten Kindes im Durchschnitt bereits über 30 Jahre alt, beispielsweise in Italien und Spanien. Frauen in Deutschland lagen im EU-Vergleich mit 29,4 Jahren ebenfalls im oberen Drittel. In den osteuropäischen Ländern bekamen Frauen vergleichsweise früh Kinder. In Bulgarien betrug das Durchschnittsalter beim ersten Kind 26 Jahre.

Durchschnittliches Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes 2016 — in Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Lebenserwartung



Die Chance auf ein langes Leben war nie so gut wie heute. In allen EU-Staaten steigt die Lebenserwartung immer weiter an. Dabei gibt es aber deutliche regionale Unterschiede. Vor allem in den osteuropäischen Ländern liegt die Lebenserwartung unter dem EU-Durchschnitt. Gründe hierfür sind unter anderem der verglichen mit Westeuropa niedrigere Lebensstandard, die schlechtere Gesundheitsversorgung, schwerere Arbeitsbedingungen sowie andere Ernährungsgewohnheiten. So hatte ein im Jahr 2016 geborener Junge in Litauen eine voraussichtliche Lebenserwartung von knapp 70 Jahren, in Italien hingegen von 81 Jahren. Frauen haben generell eine deutlich höhere Lebenserwartung als Männer: Im EU-Durchschnitt leben sie gut fünf Jahre länger. Doch auch hier gibt es Unterschiede: In Bulgarien geborene Mädchen hatten 2016 eine durchschnittliche Lebenserwartung von knapp 79 Jahren, in Spanien hingegen von über 86 Jahren.

Lebenserwartung bei Geburt 2016 — in Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ein- und Auswanderung



Wie sich die Gesamtbevölkerung eines Landes entwickelt, hängt neben der natürlichen Bevölkerungsentwicklung von den Wanderungsbewegungen ab. In 21 EU-Staaten war der Wanderungssaldo im Jahr 2016 positiv. Vor allem die nord- und westeuropäischen Länder verzeichneten eine Nettozuwanderung. Die Hauptzielländer waren Schweden, das Vereinigte Königreich sowie Deutschland. Sieben EU-Staaten wiesen einen negativen Wanderungssaldo auf, es wanderten also mehr Menschen ab als zu. Dazu gehörten auch die osteuropäischen Staaten Rumänien, Litauen, Lettland und Bulgarien. Diese vier Länder verzeichnen bereits seit 1990 ununterbrochen einen negativen Wanderungssaldo (siehe auch Tab 1).

Schutzsuchende



Neben der innereuropäischen Migration, die durch die Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU erleichtert wird, gab es in den vergangenen Jahren eine starke Zuwanderung von Schutzsuchenden aus dem außereuropäischen Ausland. Im Jahr 2017 wurden in den 28 EU-Staaten insgesamt rund 705.000 Asylanträge gestellt. Die meisten Antragstellenden stammten aus Syrien (15 %), dem Irak und Afghanistan (je 7 %) sowie Nigeria (6 %). Wichtigstes Zielland innerhalb der EU war Deutschland mit rund 223.000 Asylanträgen. Es folgten Italien (rund 129.000) und Frankreich (99.000). Rund 30 % aller Antragstellenden in der EU waren Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Asylanträge aus Nicht-EU-Staaten — pro Monat Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Demografischer Wandel



Die anhaltend niedrigen Geburtenraten und die steigende Lebenserwartung führen zu einer Alterung der Gesellschaft. Dieser Prozess kann durch Zuwanderung allenfalls gedämpft werden. In Deutschland ist der demografische Wandel im EU-Vergleich besonders weit vorangeschritten. Von der idealtypischen klassischen Bevölkerungspyramide weicht Deutschland bereits deutlich ab.

Altersaufbau der Bevölkerung 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Kinder und Jugendliche stellen in Deutschland schon lange nicht mehr die zahlenmäßig stärksten Jahrgänge dar. Im Jahr 2017 lag der Anteil der unter 15-Jährigen an der Bevölkerung hierzulande bei 13 %. Das war der niedrigste Wert in der EU. Der Anteil der über 65-Jährigen in Deutschland stieg auf den neuen Höchststand von 21 %. Länder wie das Vereinigte Königreich oder Irland befinden sich in einem früheren Stadium des demografischen Wandels, aber auch dort nimmt der Anteil der über 65-Jährigen zu.

Demografischer Wandel — Anteile in Prozent der Bevölkerung Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Johanna Mischke

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