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14.11.2018

Einkommen und Armutsgefährdung

In der EU existiert ein beträchtliches Wohlstandsgefälle. Zwischen den nördlichen und südlichen sowie den älteren und neueren EU-Mitgliedstaaten gibt es erhebliche Einkommensunterschiede.

Einkommen



Im EU-weiten Einkommensvergleich steht die Bevölkerung in Deutschland insgesamt gut da. Unter Berücksichtigung der Kaufkraft verfügte sie im Jahr 2016 über das dritthöchste Einkommen in der EU. Noch höher als hierzulande waren die Einkommen nur in den Nachbarländern Luxemburg (+ 32 %) und Österreich (+ 6 %). In Polen hingegen lag das kaufkraftbereinigte Einkommen mit 51 % nur halb so hoch wie in Deutschland. In Rumänien betrug es sogar nur 23 % des deutschen Einkommens.

Einkommen der Bevölkerung 2016 — Index Deutschland = 100 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Armutsgefährdung



In der EU gelten Menschen als armutsgefährdet, wenn sie einschließlich staatlicher Sozialleistungen weniger als 60 % des mittleren Einkommens der Bevölkerung ihres Landes zur Verfügung haben (siehe Kapitel 6.3.2). In Deutschland galten 2016 rund
17 % der Bevölkerung als armutsgefährdet. Diese Quote entsprach dem EU-Durchschnitt. Den EU-weit geringsten Anteil hatte Tschechien mit 10 %. Aus einer niedrigen Armutsgefährdungsquote kann man jedoch nicht schließen, dass das Wohlstandsniveau eines Landes besonders hoch ist. Sie besagt lediglich, dass nur ein vergleichsweise geringer Teil der Bevölkerung unterhalb der jeweiligen nationalen Armutsgrenze lebt.

Armutsgefährdungsquote 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Armutsgefährdung bei Erwerbslosigkeit



Einige Bevölkerungsgruppen sind besonders armutsgefährdet. Ein besonders hohes Armutsrisiko birgt der Verlust des Arbeitsplatzes. In Deutschland lebten 2016 rund 71 % der Erwerbslosen unter der Armutsgefährdungsgrenze. Das war EU-weit die höchste Quote. In anderen EU-Staaten griffen die Sozialsysteme in diesem Fall scheinbar besser: Deutlich seltener armutsgefährdet waren Erwerbslose zum Beispiel in Finnland (37 %) und Frankreich (38 %).

Armutsgefährdung von Haushalten mit Kindern



Auffallend hoch war das Armutsrisiko auch für Haushalte von Alleinerziehenden. Von ihnen galten 2016 in Deutschland 33 % als armutsgefährdet. Unterdurchschnittlich gefährdet waren hingegen Paare mit einem Kind (11 %) oder zwei Kindern (8 %). Mit drei oder mehr Kindern stieg die Quote hierzulande auf 18 %. Im EU-Durchschnitt waren Paare mit drei oder mehr Kindern noch deutlich häufiger armutsgefährdet (27 %).

Armutsgefährdungsquote von Haushalten mit Kindern 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Beengte Wohnverhältnisse



Wer nur über ein begrenztes Einkommen verfügt, muss häufig auch Abstriche bei der Wohnungsgröße machen. In Deutschland lebten im Jahr 2016 rund 19 % der armutsgefährdeten Personen in einer überbelegten Wohnung, im Durchschnitt der Bevölkerung waren es 7 %. Vor allem in den osteuropäischen EU-Staaten ist Überbelegung weitverbreitet. So lebte in Rumänien knapp die Hälfte der Bevölkerung (48 %) in einer überbelegten Wohnung, unter den armutsgefährdeten Personen stieg der Anteil sogar auf 61 %. Als überbelegt gilt eine Unterkunft, wenn sie bestimmte Mindestanforderungen nicht erfüllt: So sollte unter anderem jeder Person ab 18 Jahren beziehungsweise jedem Paar ein eigener Raum zur Verfügung stehen und Kinder unter 12 Jahren sollten sich höchstens zu zweit ein Zimmer teilen.

Bevölkerungsanteil, der in einer überbelegten Wohnung lebt 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Johanna Mischke

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