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14.11.2018

Subjektiv wahrgenommene Belastungen durch die Schule

Neben den tatsächlichen Alltagspraxen ist auch die subjektive Sicht der Kinder und Jugendlichen auf die Schule von Interesse. Die 9- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen wurden gefragt, wie sie ihre Situation in der Schule hinsichtlich Leistungsanforderungen, Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern sowie Lehrerinnen und Lehrern, Lernfreude und Belastung einschätzten. Abbildung 3 zeigt die Häufigkeit der Aussagen differenziert nach der jeweiligen Schulform. Insgesamt zeigt sich zunächst ein positives Bild, was den Schulbesuch und die damit verbundenen sozialen Beziehungen betrifft: Mit nur geringen Unterschieden zwischen den einzelnen Schulformen stimmten insgesamt über 90 % der Schülerinnen und Schüler den beiden Aussagen zu, dass sie sich mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gut verstünden und ihre Lehrerinnen und Lehrer sie ernst nähmen. Die überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler gab zudem an, dass sie alles in allem gern zur Schule gingen, wobei Hauptschülerinnen und Hauptschüler hier etwas seltener zustimmten als Schülerinnen und Schüler anderer Sekundarschulformen.

Aussagen zur Schule nach Schulform 2014/2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Bei der Frage, wie gut Kinder und Jugendliche in der Schule mithalten können, ist ein differenzierterer Blick hinsichtlich der besuchten Schulform notwendig. Vor allem die Grundschülerinnen und Grundschüler stechen hier deutlich hervor: Jeweils über zwei Drittel sagten, dass es ihnen leicht falle, schwierigere Aufgaben zu lösen, und dass sie die Antwort auf eine Frage meistens früher als die anderen wüssten. Gymnasiastinnen und Gymnasiasten bejahten dies auch häufiger im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern formal niedrigerer Schulformen. Zudem betonten über 40 % der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, sich für gute Noten nicht anstrengen zu müssen. Während diese Aussage von den Grundschülerinnen und Grundschülern übertroffen wurde (49 %), stimmten dem nur 30 % beziehungsweise 31 % der Haupt- und Realschülerinnen- und -schüler zu.

Nichtsdestotrotz gehen die Anstrengungen, die die Schule mit sich bringt, häufig nicht spurlos an den Schülerinnen und Schülern vorbei. Ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler fühlte sich nach der Schule meistens erschöpft. Auffällig ist hierbei, dass dies sowohl mehr als die Hälfte der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten als auch knapp die Hälfte der Hauptschülerinnen und Hauptschüler angaben – und damit mehr Kinder und Jugendliche als in der Grund- (41 %) und Realschule (45 %). Es ist Fakt, dass die Schule einen großen Teil des Tages einnimmt. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass vor allem Gymnasiastinnen und Gymnasiasten zeitlich besonders eingespannt sind, bedauerten auch Hauptschülerinnen und Hauptschüler vergleichsweise oft, dass die Schule ihnen kaum Zeit ließe, sich mit ihren Freundinnen und Freunden zu treffen. In eine ähnliche Richtung gehen auch die beiden folgenden Aussagen: Am häufigsten sagten Hauptschülerinnen und Hauptschüler, dass es in ihrer Schule nur wenige Dinge gebe, die ihnen wirklich Spaß machten, und dass sie die Anforderungen der Schule als große Belastung empfänden.

Die Ergebnisse lassen die Schlussfolgerung zu, dass zwar der Schulbesuch an sich generell positiv bewertet wird, sowohl Hauptschülerinnen und Hauptschüler als auch Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Schule aber teilweise auch als belastend empfinden.

Anne Berngruber, Nora Gaupp, Alexandra N. Langmeyer

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