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14.11.2018

Einsamkeit, Depressivität und Lebenszufriedenheit

Die Analyse der Struktur und Qualität der sozialen Netzwerke von älteren kinderlosen Frauen und Männern hat gezeigt, dass eine einseitig negative Sicht auf kinderlose Erwachsene als sozial isoliert und mit einem Mangel an Unterstützung nicht der Realität entspricht. Doch wie sieht es mit den emotionalen Ressourcen im Alter aus, die sich viele Erwachsene seitens ihrer Kinder erhoffen? Bedeutet kinderlos zu sein auch, einsam zu altern?

Zunächst wird sichtbar, dass insgesamt nur eine Minderheit der älteren Frauen (8 %) und Männer (10 %) berichtete, einsam zu sein. Die Messungen belegen leichte Unterschiede zwischen Eltern und Kinderlosen: Mütter und Väter fühlten sich seltener einsam als kinderlose Frauen und Männer, wobei diese Differenz nur für Männer signifikant ist.

Anteil einsamer älterer Frauen und Männer an der jeweiligen Bevölkerungsgruppe — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Einsamkeit im Alter wird oft auch mit Depressivität verbunden. Besteht dieser Zusammenhang, sollten vor allem kinderlose Männer Symptome von Depressivität aufweisen, da sie von Einsamkeit besonders betroffenen sind. Das bestätigt sich jedoch zunächst nicht, denn im Durchschnitt lagen die Werte auf der Depressivitätsskala bei den Frauen höher. Allerdings zeigten die kinderlosen Männer signifikant häufiger Symptome von Depressivität als gleichaltrige Väter.

Durchschnittliche Depressivität älterer Frauen und Männer — Mittelwerte Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Nach dem Matching bestanden diese Unterschiede in der Ausprägung von Einsamkeit und Depressivität zwischen kinderlosen Männern und Vätern nicht mehr. Bei Müttern war nach dem Matching Einsamkeit sogar signifikant höher ausgeprägt als bei kinderlosen Frauen. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen soziodemografischen Merkmale der Vergleichsgruppen für eine geringere subjektive Lebensqualität bei kinderlosen Personen verantwortlich sind und nicht das Fehlen von Kindern.

Schließlich stellt sich die Frage nach der Lebenszufriedenheit von Eltern und von kinderlosen Personen. Kinderlose Frauen und Männer sind signifikant weniger zufrieden mit ihrem Leben als Mütter und Väter. Allerdings sind die Unterschiede nicht sehr groß. Auch diese Unterschiede sind nach dem Matching nicht mehr sichtbar: Sowohl für Männer als auch für Frauen konnten in gleichen soziodemografischen Gruppen keine signifikanten Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit beobachtet werden. Sie war bei Frauen und Männern mit Kindern nach dem Matching zwar etwas niedriger als ohne Matching, aber jener der Kinderlosen ähnlicher. u Abb 8

Durchschnittliche Lebenszufriedenheit älterer Frauen und Männer mit und ohne Berücksichtigung der soziodemografischen Unterschiede durch Matching — Mittelwerte Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Insgesamt ergeben die Analysen, dass die ohne Matching gemessenen Unterschiede in der Einsamkeit, der Depressivität und der Lebenszufriedenheit älterer Kinderloser und gleichaltriger Eltern durch die spezifische soziodemografische Zusammensetzung beider Gruppen zu erklären sind und nicht durch die Kinderlosigkeit an sich. Die Literatur verweist darauf, dass jene Personen, die mit größeren Ressourcen ausgestattet sind (zum Beispiel durch höhere Bildung, stabile Partnerschaften, höheres persönliches und berufliches Prestige) unabhängig von der Kinderzahl weniger Defizite hinsichtlich der Unterstützungspotenziale und subjektiver Befindlichkeiten im Alter haben.

Die Gestaltung der persönlichen sozialen Netzwerke ist allerdings davon beeinflusst, ob sich ein Leben mit oder ohne Kinder ergibt.

Elke Hoffmann, Laura Romeu Gordo

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