Datenreport

Datenreport 2018



Politische Integration und politisches Engagement

In einer sich immer stärker sozial und kulturell differenzierenden Gesellschaft wie der Bundesrepublik Deutschland ist die Frage der Integration und der Teilhabe von zentraler Bedeutung für den Zusammenhalt. In einer demokratischen Gesellschaft gilt das nicht zuletzt für den Bereich der Politik. Demokratie bedeutet die Möglichkeit der gleichen Teilhabe an den politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen. Durch gleiche Wahlen bestimmen die Bürgerinnen und Bürger ihre politischen Repräsentanten, durch politische Beteiligung können sie Einfluss auf die Politik nehmen. Unter politischer Integration versteht man den Prozess, in dessen Verlauf sich die Bürgerinnen und Bürger durch ihre eigene politische Beteiligung in die politische Willensbildung einbringen und dadurch sowohl die demokratischen "Spielregeln" anerkennen als auch Loyalitätsbeziehungen gegenüber den politischen Institutionen und Akteuren entwickeln. Die Frage, wie viel Bürgerbeteiligung eine Demokratie braucht, bleibt offen und ist letztlich nur normativ zu beantworten.

Wenn jedoch eine Gesellschaft hinter ein bereits erreichtes Ausmaß an politischer Integration und Partizipation zurückfällt, ist dies ein Warnsignal für die Demokratie. Starke regionale oder soziale Unterschiede in der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an der Politik können darauf verweisen, dass eine gleichmäßige Integration in die Politik nicht gelingt. Die Debatten über die "Mitgliederkrise" von Großorganisationen wie Parteien und Gewerkschaften, über Politik- und Parteienverdrossenheit sowie über sozial bedingte politische Ungleichheit legen es nahe, danach zu fragen, ob sich die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik heute weniger politisch beteiligen als früher und ob sich Unterschiede zwischen sozialen, demografischen oder regionalen Gruppen ergeben. Sozial induzierte Ungleichheit in der politischen Teilhabe ist in den letzten Jahren zunehmend in der Diskussion. In demografischer Hinsicht ist insbesondere der Blick auf jüngere Altersgruppen und ihr "Hineinwachsen" in die Demokratie von Interesse. Zudem stellt sich selbst nach fast drei Jahrzehnten deutscher Einheit die Frage, ob die Bürgerinnen und Bürger in den neuen Bundesländern in vergleichbarer Weise politisch integriert sind und einen ähnlich starken Zugang zum politischen Willensbildungsprozess finden wie die der alten Bundesländer.

Autor: Bernhard Weßels, WZB
Herausgeber: WZB / SOEP

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