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14.11.2018

Wohnverhältnisse

Beim Thema Wohnen bestehen über die Angebots- und Kostenaspekte hinaus Verknüpfungen zu gesellschaftlichen Fragen, die nur durch die Befragung der Wohnenden selbst zu beantworten sind. Ansatzweise wird dies bereits beim Blick auf die Eigentümerstruktur ersichtlich. Zwar können hiermit Aussagen über die Verteilung von Wohneigentum gemacht werden, für eine tiefergehende Analyse ist es aber bedeutsam, wie sich Haushalte, die im Eigentum wohnen, typischerweise von solchen unterscheiden, die zur Miete wohnen.

Wohnverhältnisse von Haushalten

Die statistische Differenzierung der Bewohnerinnen und Bewohner von Wohnungen kann nach ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten erfolgen, beispielsweise nach Einkommen, Bildungsstand oder Erwerbsstatus. Im Hinblick auf die Wohnsituation von Familien und Kindern wird hier unterschieden zwischen Ehepaaren, Lebensgemeinschaften und Alleinerziehenden mit (ledigen) Kindern unter 18 Jahren sowie Ehepaaren und Lebensgemeinschaften ohne Kind. Die für die Verknüpfung von Struktur- und Haushaltsmerkmalen maßgebliche Quelle ist – sofern nicht anders erwähnt – die vierjährlich stattfindende Zusatzerhebung "Wohnen" des Mikrozensus, die zuletzt 2014 stattfand (siehe Mikrozensus Info 1).

Im Jahr 2014 gab es in Deutschland hochgerechnet 40,2 Millionen Haushalte. In rund 8 Millionen (20 %) dieser Haushalte lebte mindestens ein Kind unter 18 Jahren. Am stärksten ausgeprägt war die Eigentümerquote bei Paaren (Ehepaaren und Lebensgemeinschaften) mit und ohne Kind, am schwächsten bei Alleinerziehenden und Alleinlebenden – dies galt unabhängig von der regionalen Untergliederung. Überhaupt ähnelten sich die Strukturen der Verteilung von Eigentum auf die Haushaltstypen zwischen den regionalen Vergleichsgruppen auffallend, wenn auch auf unterschiedlichen Niveaus.

Haushaltstypen nach Nutzungsart der Wohnung und Wohnflächen 2014 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Ehepaare und Lebensgemeinschaften wiesen 2014 auch im Durchschnitt die größten Wohnungen auf, unabhängig davon, ob Kinder unter 18 Jahren im Haushalt lebten. Dies kann daran liegen, dass die Gruppe der Ehepaare und Lebensgemeinschaften ohne Kind unter 18 Jahren auch diejenigen Paare enthielt, bei denen erwachsene Kinder im Haushalt lebten, oder deren Kinder bereits ausgezogen waren. Demgegenüber hatten die Alleinstehenden durchschnittlich die geringsten Wohnungsflächen. Allerdings verfügte diese Gruppe durchschnittlich pro Kopf gesehen über den größten Wohnraum, da Paare ihre Wohnfläche mit mindestens einer weiteren Person teilen.

Belastung durch die Wohnkosten

Nach der Definition des Statistischen Amtes der Europäischen Union (Eurostat) liegt eine Überbelastung durch Wohnkosten vor, wenn ein Haushalt mehr als 40 % seines verfügbaren Einkommens für Wohnkosten aufwendet. Mit Blick auf die Preisentwicklungen für Wohneigentum und Mieten wurde bereits herausgestellt, dass Eigentümer und Mieter unterschiedlichen Kosten ausgesetzt sind.

Selbst wenn keine Miete gezahlt wird, fallen im Regelfall Nebenkosten an: für Versicherungen und Instandhaltung, Grundsteuer, Wasser, Kanalisation, Straßenreinigung, Müllabfuhr, Schornsteinreinigung und mehr. Hinzu kommen meist abzubezahlende Hypotheken oder Darlehen für Wohnimmobilien. Durch diese Kosten können auch Eigentümerinnen und Eigentümer von einer Überbelastung durch Wohnkosten betroffen sein.

Menschen in Wohneigentum empfinden im Vergleich dennoch deutlich seltener eine Überbelastung durch Wohnkosten als jene, die zur Miete wohnen. Dabei war 2016 der Anteil von überbelasteten Eigentümerinnen und Eigentümern, die noch Hypotheken oder Darlehen abzahlten, mit 10 % gerade einmal 1 Prozentpunkt höher als bei solchen, die keinerlei Zahlungen mehr leisten mussten. Deutlich anders sah die Situation bei den Mieterinnen und Mietern aus: Wenn die Wohnung zu Marktpreisen vermietet wurde, war beinahe ein Viertel der Haushalte durch Wohnkosten überbelastet. Nur geringfügig anders war die Situation, wenn die Wohnung vergünstigt oder sogar kostenfrei vermietet wurde, denn dann betrug der Anteil immer noch nahezu ein Fünftel.

Überbelastung durch Wohnkosten nach Wohnstatus — in Prozent der jeweiligen Gruppe Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Unabhängig von der offiziellen Definition von Überbelastung durch Wohnkosten kann diese Belastung unterschiedlich durch die Haushalte empfunden werden. Je nach Lebenssituation und Verpflichtungen kann auch eine scheinbar überschaubare Mietbelastung eine große Bürde sein. Ebenso ist es möglich, dass Mieterinnen oder Mieter bewusst einen großen Anteil ihres Einkommens für Wohnkosten aufwenden, ohne sich dadurch finanziell belastet zu fühlen.

Ein Großteil aller Haushalte empfand 2016 subjektiv eine gewisse Belastung durch die Wohnkosten. Verhältnismäßig am wenigsten belastet sahen sich Haushalte ohne Kind und hier vor allem die Alleinlebenden. Am stärksten wurde die Belastung von Alleinerziehenden empfunden, von denen mehr als ein Fünftel angab, unter großer Belastung durch die Wohnkosten zu leiden.

Subjektiv wahrgenommene Belastung durch die monatlichen Wohnkosten 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Die messbare Mietbelastungsquote sinkt mit dem verfügbaren Einkommen und der Anzahl der Einkommensbeziehenden im Haushalt deutlich. Entsprechend ist die Mietbelastung vor allem für Einpersonenhaushalte beziehungsweise Haushalte mit nur einer oder einem Einkommensbeziehenden stärker ausgeprägt. So wies 2014 mehr als jeder fünfte Einpersonenhaushalt eine Mietbelastungsquote von mehr als 40 % auf. Dieser Anteil reduzierte sich für alle Haushaltsformen mit mehr Mitgliedern auf einen von zehn Haushalten.

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Info 7

Mietbelastungsquote

Die Mietbelastungsquote ist der Anteil des verfügbaren Einkommens eines Haushalts, der monatlich für die Bruttokaltmiete aufgewendet wird. Im Mikrozensus wird das verfügbare Haushaltsnettoeinkommen in Kategorien abgefragt, beispielsweise in der Einkommensklasse 2.000 bis unter 2.300 Euro. Der Einkommensteil der Mietbelastungsquote bezieht sich daher auf die Klassenmitte der Kategorie, im obigen Beispiel also 2.150 Euro.

Wie aufgrund der Beobachtungen zu den Haushaltsgrößen zu erwarten war, haben Alleinerziehende und Alleinstehende/-lebende deutlich höhere Mietbelastungsquoten als andere Haushaltstypen. Über alle Vergleichsgruppen hinweg besteht bei den Mietbelastungsquoten ein deutlicher Niveauunterschied zwischen den ostdeutschen Flächenländern auf der einen und den Flächenländern Westdeutschlands sowie den Stadtstaaten auf der anderen Seite.

Mietbelastungsquoten verschiedener Haushaltstypen 2014 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Im Abschnitt Mietkosten wurde gezeigt, dass in den Stadtstaaten die Mieten je Quadratmeter bei allen Wohnungsgrößen über 40 Quadratmetern höher sind als in den ostdeutschen wie auch den westdeutschen Flächenländern. Bei den in Abbildung 8 dargestellten Haushaltstypen wirken sich diese Unterschiede in den Mietniveaus aber nicht auf gleiche Weise auf die Mietbelastungsquote aus. Die Mietbelastungsquoten für Ehepaare ohne minderjähriges Kind sowie Alleinerziehende und Lebensgemeinschaften mit Kind(ern) unterscheiden sich kaum zwischen westdeutschen Flächenländern und Stadtstaaten.

Bewertung des Wohnumfeldes

Für eine abschließende Bewertung der Wohnverhältnisse werden auch Aspekte zum Zustand der Wohnung und zum Wohnumfeld dargestellt. Für diesen Zweck wird die Erhebung LEBEN IN EUROPA des Statistischen Amtes der Europäischen Union herangezogen und es werden die dort ausgewählten Kriterien verwendet. Die Kriterien werden in Form von wahrgenommenen Mängeln in der Wohnung und im Wohnumfeld abgefragt und sind dementsprechend subjektiv.

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Info 8

EU-SILC

EU-SILC ist eine jährlich europaweit durchgeführte Befragung zu Einkommen und Lebensbedingungen der Haushalte (European Union Statistics on Income and Living Conditions, mit der deutschen Bezeichnung "LEBEN IN EUROPA"). EU-SILC ist die zentrale amtliche Datenquelle für die europäische Sozialberichterstattung mit dem Schwerpunkt der Messung von Armutsgefährdung, materieller Entbehrung und sozialer Ausgrenzung (siehe Kapitel 6.3). Im Rahmen der Erhebung werden auch Fragen zur subjektiven Einschätzung der Wohnsituation gestellt, wie die Belastung privater Haushalte durch die Wohnkosten, die wahrgenommenen Probleme im Wohnumfeld sowie Fragen nach Wohnungsmängeln. Durch das europaweit abgestimmte Fragenprogramm sind die Ergebnisse auf europäischer Ebene vergleichbar.

Tabelle 10 zeigt den Anteil der Bevölkerung in Deutschland, bei dem der dargestellte subjektive Mangel an der Wohnung beziehungsweise dem Haus oder im Wohnumfeld wahrgenommen wird. Dieser wird mit dem entsprechenden Anteil der Bevölkerung in ausgewählten Anrainerländern beziehungsweise dem EU-28-Durchschnitt verglichen. Hierbei fällt auf, dass in Deutschland generell häufiger Mängel im Wohnumfeld empfunden werden als von den Anrainern beziehungsweise dem EU-28-Durchschnitt. Insbesondere betraf dies die Bereiche Lärmbelästigung und Umweltbelastungen. Im Bereich der wahrgenommenen Belastung durch Kriminalität im Wohnumfeld lag der Anteil von rund 14 % etwa 1 Prozentpunkt über dem EU-28-Durchschnitt, allerdings weit über dem Wert für beispielsweise Dänemark oder Polen. Mängel in der Wohnung gibt immerhin gut jeder achte Haushalt in Deutschland an.

Empfundene Mängel im Wohnumfeld und in der Wohnung nach Haushaltstypen und Ländern 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Unterscheidet man die Kennzahlen nach der Bevölkerung in Haushalten mit und ohne abhängige Kinder (Kinder unter 18 Jahren sowie Kinder zwischen 18 und 24 Jahren, sofern sie nicht erwerbstätig oder arbeitsuchend sind und mit mindestens einem Elternteil zusammenleben) zeigt sich, dass sich die Bevölkerung in Haushalten ohne abhängiges Kind häufiger durch Mängel im Wohnumfeld belastet fühlt als solche mit abhängigen Kindern. Hingegen nahm die Bevölkerung mit abhängigen Kindern häufiger Mängel in der Wohnung selbst wahr als die Gruppe ohne abhängiges Kind. Diese Befunde trafen so im Allgemeinen auch für die dargestellten Anrainerstaaten wie auch im EU-Durchschnitt zu.

Daniel Zimmermann

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