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14.11.2018

Zusammenfassung

Die Herkunft aus einer bestimmten sozialen Klassenlage hat trotz der Betonung von Chancengleichheit im Bildungswesen und der Hervorhebung des Leistungsgedankens in der Berufswelt nach wie vor einen starken Einfluss auf die spätere Klassenposition von Männern und Frauen in Deutschland. Viele Personen, die heute eine bestimmte Klassenposition innehaben, kommen aus Familien, in denen bereits der Vater die gleiche Klassenposition hatte. Dies trifft insbesondere für die Klassen der Landwirte und Facharbeiter zu, aber auch abgeschwächt für die obere Dienstklasse und die Klasse der ungelernten Arbeiter und Angestellten. Über die Zeit gab es hier nur wenige Veränderungen, die insbesondere die Facharbeiterpositionen und vor allem im Osten die oberen Dienstklassenpositionen betreffen. Die oberen Dienstklassen rekrutieren sich zunehmend aus sich selbst.

Bei der Vererbung von Klassenpositionen zeigen sich etwas häufiger Trends. Die Vererbungsraten in der oberen Dienstklasse nehmen zu, für Männer und Frauen in Ost und West. Die Raten bei der Klasse der ungelernten Arbeiter und Angestellten nehmen bei Frauen ab, bei Männern dagegen tendenziell leicht zu. Zudem sind in Ostdeutschland die geringer werdenden Vererbungsraten bei Facharbeiterpositionen deutlich. Insgesamt gibt es eine etwas stärkere Polarisierung für Männer in Ost und West, während die Frauen zunehmend schlechtere Positionen vermeiden und bessere Positionen erreichen können.

Der Trend zu mehr Abstiegen und weniger Aufstiegen, wie er sich im ersten Jahrzehnt des Jahrtausends andeutete, hat sich im aktuellen Jahrzehnt nicht fortgesetzt. Es gibt wieder mehr Aufstiege, das Ausmaß an Abstiegen bleibt nahezu gleich. Insgesamt überwiegen weiterhin die Aufstiege, insbesondere für westdeutsche Männer. Im Osten überwiegen die Aufstiege nur leicht. Das Ausmaß an sozialer Mobilität ist für Frauen zwischen Ost und West mittlerweile sehr ähnlich, bei Männern sind die Unterschiede zwischen Ost und West sehr viel deutlicher ausgeprägt.

Die Betrachtung der tatsächlichen Chancengleichheit – bereinigt um strukturelle Einflüsse – zeigt für westdeutsche Männer einen klaren kontinuierlichen Trend hin zu einem abnehmenden Einfluss der sozialen Herkunft auf die eigene Klassenposition. Den gleichen Trend kann man für westdeutsche Frauen beobachten, wenn auch weniger stark ausgeprägt. Im Osten dagegen nimmt der Einfluss der sozialen Herkunft deutlich zu. Die ehemals deutlich höhere Chancengleichheit für Männer und Frauen im Osten hat stark abgenommen, es kommt bei beiden Geschlechtern zu einer Verschmelzung der Mobilitätschancen in Ost und West. Inwieweit es fortan zu einem gemeinsamen Trend kommt oder ob die nach wie vor ungünstigeren Rahmenbedingungen in Ostdeutschland dazu führen, dass der Einfluss der sozialen Herkunft auf die eigene Klassenposition in den kommenden Jahren noch wichtiger wird, werden die kommenden Jahre zeigen.

Reinhard Pollak

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