Datenreport

Datenreport 2018



Lebenssituation von Migrantinnen und Migranten und deren Nachkommen

Im Jahr 2017 lebten rund 19,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, was etwa 24 % der Gesamtbevölkerung ausmacht (siehe dazu Kapitel 1.2). Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund stellt jedoch keine homogene Gruppe dar. Vielmehr handelt es sich sogar um eine äußerst heterogene Gruppe von Menschen, die aus einer Vielzahl von Ländern nach Deutschland gekommen sind. Besonders auffällig sind die Unterschiede zwischen Migrantinnen und Migranten, die selbst einmal nach Deutschland eingewandert sind (sogenannte erste Generation), und der zweiten Generation, deren Eltern eingewandert sind, die aber selbst in Deutschland geboren wurde. Neben diesen Generationsunterschieden gibt es einen engen Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit von Personen zu unterschiedlichen Herkunftsgruppen und der Art und Weise an der deutschen Gesellschaft teilzuhaben.

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Definitionen

Personen mit Migrationshintergrund sind entweder selbst zugewandert oder haben mindestens einen zugewanderten Elternteil. Gesondert ausgeführt werden die 17- bis 45-jährigen Migrantennachkommen, die entweder schon in Deutschland geboren wurden oder vor dem siebten Lebensjahr nach Deutschland zugewandert sind und dementsprechend in Deutschland die Schule besucht haben. Die Zugehörigkeit zu einer Herkunftsgruppe wurde von dem Geburtsland der Befragten oder deren Eltern abhängig gemacht. Falls keine eindeutige Zuordnung zu einer Herkunftsgruppe möglich war, wurden die Befragten nur der Gesamtgruppe der Migrantinnen und Migranten zugeordnet, etwa wenn die Mutter in Griechenland und der Vater in der Türkei geboren wurde. Insofern umfasst die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund nicht nur die fünf differenzierten Herkunftsgruppen. Geflüchtete und deren Nachkommen bleiben in diesem Kapitel unberücksichtigt (siehe dazu Kapitel 7.4), genauso wie Personen, die 2016 jünger als 17 Jahre alt waren. Insgesamt wurden rund 17.900 Personen ohne und rund 7.000 Personen mit Migrationshintergrund befragt. Je nach Item kann die Zahl der Personen variieren.

Betrachtet man die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, so verlagerten zahlreiche Migrantinnen und Migranten aus den sogenannten Gastarbeiterländern, zu denen auch das frühere Jugoslawien sowie die Türkei zählen, ihren Lebensmittelpunkt in die Bundesrepublik Deutschland und holten anschließend ihre Familien nach. Nach 1990 siedelten viele (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler aus Rumänien, Polen und den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion in das vereinigte Deutschland über. Darüber hinaus stellten zu Beginn der 1990er-Jahre, auch aufgrund der Eskalation des Bosnienkriegs, zahlreiche Geflüchtete aus den Balkangebieten Asylanträge in Deutschland. Seit den EU-Osterweiterungen (ab 2004) kommt ein großer Anteil der Migrantinnen und Migranten aus osteuropäischen EU-Ländern nach Deutschland, etwa aus Polen oder der Slowakei. Zudem steigt seit 2011 auch die Zahl der Asylanträge (siehe dazu Kapitel 7.4). Um die Heterogenität dieser verschiedenen Migrantengruppen besser berücksichtigen zu können, werden im Folgenden Migrantinnen und Migranten und deren Nachkommen aus fünf Herkunftsgruppen unterschieden: (1) aus der Türkei, (2) aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens, (3) aus den ehemaligen Anwerbestaaten Südeuropas, die heute zur EU gehören (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien), (4) (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler sowie (5) Personen aus osteuropäischen Ländern.

In diesem Kapitel werden ausgewählte Bereiche des Lebens von Migrantinnen und Migranten und deren Nachkommen mit den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) für 2016 beschrieben. Dabei werden die Unterschiede zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen und Generationen dargestellt, aber auch unterschiedliche Lebensbereiche genauer betrachtet, etwa die allgemeinen Lebensbedingungen, Bildungs- und Ausbildungssituation, Beschäftigungsstruktur und Einkommen, soziale sowie sprachliche Integration und kulturelle Orientierungen.

Autorinnen: Diana Schacht, Maria Metzing; DIW Berlin
Herausgeber: WZB / SOEP

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