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14.11.2018

Schulische Bildung und berufliche Ausbildung

Hinsichtlich des höchsten Bildungsabschlusses (nach ISCED "International Standard Classification of Education") lassen sich starke Unterschiede zwischen der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund feststellen. Personen mit Migrationshintergrund verfügen deutlich häufiger nur über einen Abschluss der Sekundarstufe I als höchsten Bildungsabschluss. Während fast jede fünfte Person mit Migrationshintergrund nur solch einen niedrigen Bildungsabschluss hatte, traf dies nur auf jede zehnte Person ohne Migrationshintergrund zu (19 % gegenüber 10 %). Bei den Personen, deren höchster Abschluss im Sekundarbereich II liegt, sind Personen mit Migrationshintergrund hingegen deutlich unterrepräsentiert. So verfügte jede zweite Person ohne Migrationshintergrund über einen derartigen Bildungsabschluss, während dies nur auf 38 % der Personen mit Migrationshintergrund zutraf. Geringe Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund fanden sich hingegen bei den tertiären Bildungsabschlüssen (ISCED 6/7/8).

Bildungsniveau nach ISCED 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Bei einer Betrachtung der Bildungsabschlüsse nach den Herkunftsgruppen fallen die durchschnittlich höheren Bildungsabschlüsse bei Personen aus Osteuropa auf. Beispielsweise verfügte 2016 etwa ein Viertel der Personen aus den osteuropäischen Ländern über einen tertiären Bildungsabschluss. Personen aus den ehemaligen "Gastarbeiterländern" wiesen hingegen ein niedrigeres Qualifikationsniveau auf. Rund jede zehnte Person türkischer Herkunft besaß nur einen Grundschulabschluss. Dieses Muster ist jedoch auf die spezifische türkische Migrationsgeschichte in Deutschland zurückzuführen und darauf, dass die Bildungssituation weiterhin stark durch die soziale Herkunft geprägt ist.

Auch die zweite Generation von Migrantinnen und Migranten verfügt im Durchschnitt weniger häufig über tertiäre Bildungsabschlüsse und wesentlich häufiger über niedrigere Bildungsabschlüsse im Sekundarbereich I als die gleichaltrige Population ohne Migrationshintergrund. Dieser Vergleich der Bildungslagen ist jedoch verzerrt, solange nicht der sozioökonomische Hintergrund der 17- bis 45-Jährigen sowie institutionelle Diskriminierung, soziale und ethnische Segregation oder auch familiäre Verhältnisse mit in die Betrachtung einbezogen werden. In Deutschland hängen die Bildungschancen von Kindern stark vom Bildungsniveau des Elternhauses ab (siehe Kapitel 3.1.2). Da ihre Eltern vergleichsweise niedrige Bildungsabschlüsse erzielten, ist es daher nicht überraschend, dass die Migrantennachkommen durchschnittlich niedrigere Bildungsabschlüsse erreichen als Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.

Diana Schacht, Maria Metzing

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