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14.11.2018

Sanktionsarten

Wenn Staatsanwaltschaften Strafverfahren nicht einstellen, sondern vor Gericht bringen, spielt das Alter der Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat eine wichtige Rolle. Für Jugendliche, das heißt Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren, muss das Gericht das Jugendstrafrecht anwenden. Das Jugendstrafrecht stellt die Erziehung der Jugendlichen sowie die Verhinderung weiterer Straftaten in den Vordergrund und bietet dafür ein spezielles, gegenüber dem allgemeinen Strafrecht stärker abgestuftes Sanktionensystem, das von Erziehungsmaßregeln über Zuchtmittel bis zur Jugendstrafe reicht. Bei der Aburteilung von Straftaten Heranwachsender, die zum Zeitpunkt der Tat bereits 18 Jahre, aber noch keine 21 Jahre alt waren, prüft das Strafgericht, ob Jugendstrafrecht angewandt wird. Wenn sie nach ihrem "Reifegrad" oder der Art ihrer Tat noch einem Jugendlichen gleichgestellt sind, wird nicht nach allgemeinem, sondern nach Jugendstrafrecht verurteilt. Bei Erwachsenen müssen die Gerichte immer das allgemeine Strafrecht anwenden. Es sieht als Hauptstrafen Freiheits- oder Geldstrafen vor.

Im Jahr 2016 wandten deutsche Gerichte insgesamt bei rund 61.700 Verurteilten das Jugendstrafrecht an, darunter waren 29.600 Jugendliche und 32.100 Heranwachsende. Von allen nach Jugendstrafrecht Verurteilten erhielten rund 7.800 Personen eine Erziehungsmaßregel als mildeste Sanktion des Jugendstrafrechts. Durch Erziehungsmaßregeln werden Weisungen zur Lebensführung erteilt, beispielsweise an einem sozialen Trainingskurs teilzunehmen. Bei weiteren 43.900 Jugendlichen und Heranwachsenden ahndeten die Gerichte die Straftat mit Zuchtmitteln, wie gemeinnützige Arbeitsleistungen, Zahlung eines Geldbetrags oder Jugendarrest. Zuchtmittel werden verhängt, wenn nach Ansicht des Gerichts Erziehungsmaßregeln nicht ausreichen, und sind die am häufigsten nach Jugendstrafrecht verhängten Sanktionen. Die übrigen rund 10.000 Jugendlichen und Heranwachsenden, die 2016 nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden, erhielten eine Jugendstrafe, da Zuchtmittel zur Erziehung nicht ausreichten, wegen der Schwere der Schuld oder wegen Wiederholungstaten. Bei einem Teil der Verurteilten wird die Vollstreckung der Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt, etwa damit die Straftäter eine begonnene Ausbildung oder ihre Arbeitstätigkeit nicht abbrechen müssen und sich ein Leben ohne weitere Straftaten aufbauen können. Im Jahr 2016 war dies bei rund 5.900 Personen der Fall.

Thomas Baumann

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