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14.11.2018

Einstellungen zum Islam

Im ALLBUS werden auch einige Fragen zu den Einstellungen der Deutschen gegenüber dem Islam beziehungsweise Muslimen gestellt. Sie stellen eine wichtige Ergänzung zu den bislang erhobenen Einstellungen dar, da die islamische Religionszugehörigkeit in Deutschland eng verknüpft ist mit einem ausländischen Migrationshintergrund. Musliminnen und Muslime weisen hierzulande ganz überwiegend einen Migrationshintergrund auf und die große Mehrheit der hier lebenden Menschen türkischer Herkunft sowie der in den letzten Jahren angekommenen Schutzsuchenden gehören dem Islam an.

Gefragt wird im ALLBUS unter anderem nach der Zustimmung zur Forderung, dass die Ausübung des islamischen Glaubens in Deutschland eingeschränkt werden sollte. Im Jahr 2016 bejahten dies 37 % der Westdeutschen und sogar 57 % der Ostdeutschen. Damit offenbarten hier mehr als doppelt so viele eine restriktive Haltung wie bei den bereits erwähnten Forderungen aus den Bereichen Politik und Wirtschaft. Und die Tatsache, dass lediglich 19 % der Westdeutschen und 13 % der Ostdeutschen bejahten, dass der Islam in die deutsche Gesellschaft passe, rundet den Eindruck ab, den man bereits angesichts des ausgeprägten Wunsches der Deutschen nach Assimilationsbereitschaft der hier lebenden Ausländer gewinnen konnte: Die einheimische Bevölkerung begegnet der kulturellen Vielfalt, die mit der Anwesenheit der Migrantinnen und Migranten in Deutschland verbunden ist, mehrheitlich mit Skepsis. Dies belegen auch die klaren Mehrheiten (56 % der Westdeutschen und 68 % der Ostdeutschen), die 2016 der Ansicht waren, dass die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland zu Konflikten führe.

Einstellungen zum Islam 2012 und 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Im Jahr 2012 waren die Fragen zum Islam erstmals im ALLBUS enthalten. Der Zeitvergleich zeigt, dass seitdem die Haltung der Deutschen zum Islam noch kritischer geworden ist. In West und Ost sind die Anteile derjenigen, die die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland als konfliktträchtig wahrnehmen und die eine Einschränkung der Religionsausübung für Muslime fordern, noch einmal deutlich – zwischen 8 und 15 Prozentpunkten – angestiegen. Lediglich im Hinblick auf die allgemeine Aussage, dass der Islam in die deutsche Gesellschaft passe, hat sich seit 2012 nur wenig geändert. Diese wurde allerdings damals bereits mit großer Mehrheit abgelehnt.

Was die Verbreitung islamkritischer Einstellungen in verschiedenen gesellschaftlichen Subgruppen angeht, sind keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu erkennen. Bei den anderen beiden Merkmalen, Alter und Bildung, ergibt sich ein differenziertes Bild, je nachdem welche der Einstellungen man betrachtet. Jüngere und Personen mit höherer Schulbildung äußerten sich weniger islamkritisch. Allerdings variiert das Ausmaß der beobachteten Unterschiede beträchtlich. Am deutlichsten waren sie bei der diskriminierenden Forderung nach einer Beschränkung der Religionsausübung für Muslime. Bei der Aussage, dass die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland zu Konflikten führe, sieht das Meinungsbild in allen hier unterschiedenen Subgruppen der deutschen Gesellschaft dagegen recht ähnlich aus. Auffällig sind hier nur die Ostdeutschen mit hoher formaler Bildung. Sie sahen die Anwesenheit von Muslimen in Deutschland deutlich seltener als konfliktträchtig an als Ostdeutsche mit geringerer Bildung.

Islamkritische Einstellungen in ausgewählten Bevölkerungsgruppen — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


Michael Blohm, Martina Wasmer

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