Barroso, José Manuel Durão

[* 23.3.1956 in Lissabon] Präsident der EU-Kommission aus Portugal. Studium (Jura, Politologie) in Lissabon, Genf und Georgetown.

Hochschuldozent (Europapolitik; Lissabon, Genf, Georgetown sowie 1995–99 in Porto). Abgeordneter (1985–2004; Liberalkonservativer, PSD). Staatssekretär (Innen-, Außenministerium) Außenminister (1992–95), PSD-Chef (1999–2004), Ministerpräsident (2002–04), 2004 und 2009 Wahl zum Präsidenten der EU-Kommission. Bei Bildung beider B.-Kommissionen setzte das EP Änderungen durch. B. behielt kommissionsintern das letzte Wort in Wettbewerbs- wie Außenpolitik und ging an eine effektivere Koordination der 26 Kommissare (seit 2007). Auch wegen der EU-Verfassungskrise und oft schwierigen Umsetzungen verbindlicher EU-Normen (hard law) setzte B. vermehrt darauf, komplexe, transnationale Herausforderungen zu europäisieren und »soft law«-Lösungen (Spielregeln) zu erarbeiten. Programmatisch verfolgte B. die Lissabon-Strategie, wonach Wachstum und Wohlstand Vorteile der Integration greifbar machen sollen. B. unterstützte die Vertiefung der Integration im Ende 2009 in Kraft getretenen Reformvertrag von Lissabon und förderte die Integration der zwölf Mitglieder seit 2004. In der 2010 erstmals gehaltenen Rede zur Lage der Union betonte er angesichts der hohen öffentlichen Verschuldung infolge der Finanzmarktkrise die Notwendigkeit, die Währungsunion nun mit einer echten Wirtschaftsunion zu untermauern (EU-Mitwirkung an nationaler Etatplanung und Finanzaufsicht). Plädiert für die Einführung von Eurostaatsanleihen (»Eurobonds«).

Literatur:Munzinger-Archiv, Jahrbücher der Europäischen Integration.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: Ch. Stehle

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