Brüsselisierung

Der Begriff B. wurde von der politikwissenschaftlichen EU-Forschung entwickelt und geprägt. Er beschreibt Phänomene, die mit der wachsenden Zahl von EU-Bediensteten im Generalsekretariat des Rates in Brüssel einhergehen. Dabei wird diesen Akteuren, die sich mit der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) befassen, eine ausschlaggebende Rolle bei der Gestaltung der europ. Außenpolitik zugeschrieben. Dies steht im Gegensatz zu den Bestimmungen des EU-Vertrags, gemäß welchem den Experten im Rat lediglich eine unterstützende, administrative Funktion zukommen soll und die Entscheidungskompetenz für die GASP ausschließlich bei den Mitgliedstaaten der EU liegt. Laut der B.-These führt jedoch die Existenz eines wachsenden Stabs von Ratsbediensteten zu einer zunehmenden »Europäisierung« dieses zwischenstaatlichen Politikbereichs. Dies wird mit der »Brüsseler Sozialisierung« der EU-Bediensteten begründet, die zu einer gemeinsamen strategischen Kultur führe und einen Koordinationsreflex hervorrufe. Somit würden die Entscheidungen der Mitgliedstaaten, so die These, durch die Zuarbeit der GASP-Experten im Ratssekretariat in einer Art und Weise vorstrukturiert, die den gesamteurop. Interessen gegenüber den Interessen einzelner Mitgliedstaaten Vorrang gibt.

Literatur:F. Breuer: Between Intergovernmentalism and Socialisation: The Brusselisation of ESDP, EUI Working Paper RSCA 2010/48, Florenz (Download über: www.eui.eu und cadmus.eui.eu).

Literatur:S. Duke/S. Vanhoonacker: Administrative Governance in the CFSP: Development and Practice, in: European Foreign Affairs Review, H. 2/2006, S. 163-182.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: A. Jonas

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