Dolmetscher- und Übersetzerdienst

Die Dolmetscherdienste der EU-Organe sind die weltweit größten. Bei 23 Amtssprachen sind insgesamt 506 (23 × 22) Sprachkombinationen denkbar. Deshalb wird v. a. im Europäischen Parlament (EP) mit sog. Relaissprachen (z. B. Engl., Frz., Dt.) gearbeitet, d. h. nicht jede Sprache wird in alle anderen übersetzt. Auch in der EU-Kommission wird die Sprachenvielfalt reduziert; die einzelnen Abteilungen legen Arbeitssprachen fest, i. d. R. Engl. oder Frz. Bei Verhandlungen im Rat wird eine Sprache gedolmetscht, wenn die Länderdelegationen dies beantragen. Die Dolmetscher arbeiten in Teams zu 3 Personen pro Sprache. Die Dolmetscher einer sog. A-Sprache (Mutter- oder Bildungssprache) bilden eine »Kabine«. Europ. Rechtsdokumente und amtliche Veröffentlichungen müssen hingegen in allen Amtssprachen veröffentlicht werden. Neben den klassischen Übersetzern leisten die sog. »lawyer-linguists« (Sprachexperten, die mit den Feinheiten des EU-Rechts vertraut sind) eine wichtige Aufgabe für die Genauigkeit und Stimmigkeit der Rechtstexte. Im EP arbeiten außerdem fast 700 Übersetzer. Auch sie benutzen zunehmend Relaissprachen. Der Übersetzerdienst des EP übersetzt ca. 1 Mio. Seiten pro Jahr. Die Kosten für die Sprachregelung der EU belaufen sich auf ca. 1 Mrd. € – gut 2 € pro EU-Bürger und Jahr. Dabei entfallen ca. 800 Mio. € auf den Übersetzerdienst, 200 Mio. € auf den Dolmetscherdienst. Pro Tag wird die Arbeit von ca. 2.000 Übersetzern und 80 Dolmetschern benötigt.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: J. Dieringer

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln