ESA (Europäische Weltraumagentur)

Die E. [engl.: European Space Agency] ist eine Organisation zur Zusammenarbeit in Europa auf dem Gebiet der Weltraumforschung und kommerziellen Nutzung des Weltraumes; sie ist in Europa das politische Pendant und wirtschaftlicher Konkurrent der 1958 gegründeten US-amerik. Weltraumagentur NASA (National Aeronautics and Space Administration). 1964 wurde ESRO (European Space Research Organization) von 10 Staaten gegründet (Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Niederlande, Schweiz, Schweden, Spanien und Großbritannien). Der mit dem »Sputnik-Schock« 1957 einsetzende Wettlauf zwischen den USA und der UdSSR im Weltraum spornte die Europäer an, einen eigenständigen Beitrag auf einem für die Entwicklung neuer Technologien wichtigen Feld zu leisten. Die Frage stellte sich, ob die Europäer auch auf dem Gebiet der Weltraumpolitik in der Lage sein würden, nach innen und nach außen geschlossen aufzutreten und sich gegenüber den Weltmächten USA und UdSSR als Konkurrent im Wettlauf um neue Technologien und Marktanteile positionieren zu können. Auf Initiative Großbritanniens wurde zeitgleich mit ESRO eine zweite Organisation mit dem Namen ELDO (European Launcher Development Organization) gegründet; deren ausschließliches Ziel war die Entwicklung von Trägersystemen. Da jedoch zahlreiche Versuche der Entwicklung einer eigenen Europarakete scheiterten, wurde ELDO aufgelöst und am 31.5.1975 mit ESRO zu einer neuen Organisation, der E., fusioniert; Sitz der Agentur ist Paris. Inzwischen gehören der E. 17 Mitgliedstaaten an; mit Drittstaaten wie Kanada, China und Russland bestehen Kooperationsbeziehungen. Die E. verfügt über ein weitverzweigtes Netz von Satelliten, die sowohl kommerziell (Telekommunikation) als auch für wissenschaftliche Zwecke (Erderkundung, Meteorologie) genutzt werden; das Satellitenkontrollzentrum ESOC sitzt in Darmstadt. Finanziert wird die E. v. a. durch Beiträge der Mitgliedstaaten: 2009 lag der Gesamthaushalt bei ca. 3,6 Mrd. €; Frankreich trägt mit etwa 25 % den größten Anteil des Budgets, Deutschland steht mit 23 % und Italien mit 11 % an zweiter bzw. dritter Stelle. Für 2016/18 plant E. eine unbemannte Mission zum Mars (»ExoMars«).

http://www.esa.int

Literatur:T. C. Hoerber: The European Space Agency and the European Union: The Next Step on the Road to the Stars, in: JCER, H. 3/2009, S. 405-414.

Siehe auch:
Weltraumpolitik der EU

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: M. Große Hüttmann

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