Europäischer Gewerkschaftsbund (EGB)

Der E. bildet den europ. Dachverband von 82 nationalen Gewerkschaftsorganisationen in 36 Ländern. Ebenfalls angeschlossen sind 12 Branchenverbände. Derzeit vertritt der E. die Interessen von ca. 60 Mio. abhängig Beschäftigten. Seine Hauptziele sind neben der Förderung von Frieden und Demokratie in Europa die Weiterentwicklung und Vereinheitlichung von Sozialstandards. An diesen Leitlinien orientieren sich die Lobbyaktivitäten des Verbandes sowie seine Mitarbeit in Gremien wie dem Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (Brüssel). Gegründet wurde der E. am 8.2.1973. Sein höchstes Organ ist der Kongress. Dieser besteht aus Repräsentanten aller Mitgliedsorganisationen, tritt alle 4 Jahre zusammen und arbeitet überwiegend programmatisch. Der Exekutivausschuss sorgt für die Umsetzung der Beschlüsse. Unterstützt wird er dabei vom Präsidium und dem Sekretariat. Als Denkfabrik und wissenschaftlicher Dienstleister ist das Europäische Gewerkschaftsinstitut tätig. Der E. versteht sich als »soziales Gewissen« der EU und versucht das Leitbild eines »sozialen Europa« zu verwirklichen. So übt er besonders großen Einfluss auf die Bereiche »sozialer Dialog«, Gleichstellung, Elternurlaub, Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Dienstleistungen und europ. Betriebsräte aus. Neben Problemen bei der Umsetzung von EU-Initiativen führen Kompetenz- und Strategiefragen immer wieder zu verbandsinternen Debatten und Forderungen an die europ. Politik. Allerdings blieb der (Reform-)Vertrag von Lissabon weit hinter den Vorstellungen des Dachverbandes zum »Sozialraum Europa« zurück.

http://www.etuc.org

Literatur:K.-H. Nachtnebel: Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB), Wien 2006.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: G. Weinmann

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