Gender Mainstreaming und EU

G. ist ein Ansatz der Gleichstellungspolitik (dt. etwa: »integrierte Gleichstellungsorientierung«). Er zielt auf die »Einbeziehung der Dimension der Gleichstellung von Frauen und Männern in alle Politiken und Maßnahmen der Gemeinschaft«, um Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern und Ungleichheit abzubauen. G. wurde erstmals im Vertrag von Amsterdam (1997) rechtlich verankert und ist auch im Lissabon-Vertrag (2009) fixiert [Art. 8 AEUV]. Der Ansatz soll in allen Phasen des politischen Entscheidungsprozesses zum Tragen kommen; er führt in der politischen Praxis zu verfahrensrechtlichen und institutionellen Anpassungen und bringt den Einsatz neuer Instrumente mit sich (z. B. Analyse des geschlechtsspezifischen Einflusses von gesetzlichen Maßnahmen, Weiterbildungsmaßnahmen, geschlechtssensible statistische Indikatoren und die Verbreitung von sog. Best-Practice-Modellen (»bewährte Praxis«), finanzielle Unterstützung von Programmen). Die Umsetzung des G. wird von der EU-Kommission in mehrjährigen Rahmenstrategien festgelegt (aktuell: Strategie für die Gleichstellung von Frauen und Männern 2010–15). G. ist in einigen Politikfeldern weit vorangeschritten, z. B. in der Forschungs-, Entwicklungs-, Beschäftigungs- oder Strukturpolitik und der Personalpolitik der EU-Institutionen, in Teilen auch in der Sicherheits- und der Agrarpolitik. G. ergänzt die klassische Frauenförderung, ersetzt sie aber nicht. Der Ansatz wurde von den Mitgliedstaaten der EU übernommen.

http://www.gender-mainstreaming.net/

Literatur:G. Abels/J. Mushaben: Gendering the European Union, Houndmills/Basingstoke 2012.

Siehe auch:
Benchmarking
Gleichstellungspolitik

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: G. Abels

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