Governance

Der Begriff G. [lat.: gubernare = steuern] wird seit den 1990er-Jahren in der EU-Forschung genutzt, um neue, nicht hierachische Formen der politischen Steuerung und des »Regierens in Netzwerken« (»network governance«) zu beschreiben. Er steht im Unterschied zu traditionellen Formen des Regierens (»government«) für eine auf Koordination und Verflechtung der politischen Entscheidungsebenen (EU, Mitgliedstaaten, Regionen, Kommunen) angelegte Form der Steuerung im EU-Mehrebenensystem. Die EU gilt als Paradabeispiel für »Mehrebenen-Regieren« (»Multi-Level-Governance«) und für innovative Arten des Regierens (»Offene Methode der Koordinierung«) in Politikfeldern (z. B. Gesundheitspolitik), in denen die EU (noch) keine echten Kompetenzen besitzt. Mit dem G.-Weißbuch (2001) hat die EU-Kommission sich erstmalig mit der grundlegenden Frage, wie in der EU regiert werden soll, auseinandergesetzt. Laut Kommission zeichnet sich G. u. a. durch breite Partizipation von nicht staatlichen Akteuren (Zivilgesellschaft) aus. G. ist inzwischen zum inoffiziellen Leitbild der EU geworden.

Literatur:B. Kohler-Koch/B. Rittberger: The »Governance Turn« in EU Studies, in: JCMS Annual Review 2006, S. 27-49.

Siehe auch:
Weißbuch
Zivilgesellschaft und EU

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: M. Große Hüttmann

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln