Pleven-Plan

Der P. zur Schaffung einer gemeinsamen europ. Armee unter dem Kommando eines europ. Verteidigungsministers wurde am 24.10.1950 vom frz. Ministerpräsidenten Réne Pleven (* 15.4.1901 · † 13.1.1993) der Nationalversammlung in Paris vorgelegt. Die Idee zu diesem Plan stand im Zusammenhang mit der Debatte um die dt. Wiederbewaffnung, welche in Frankreich mit Skepsis und Sorge verfolgt wurde. Die USA setzten sich, v. a. nach dem Ausbruch des Koreakrieges, dafür ein, den dt. Wehrbeitrag im Rahmen des 1949 gegründeten Verteidigungsbündnisses NATO zu organisieren. Der ambitionierte frz. Plan zielte im Gegensatz dazu auf eine enge Einbindung und damit Kontrolle dt. Truppenkontingente in europ. Strukturen. Der P. stieß bei den Regierungen in den USA, in Großbritannien und auch bei der dt. Regierung Adenauer auf Skepsis und wurde nicht realisiert. Aus dem P. gingen jedoch Verhandlungen über die Schaffung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) hervor. Da der EVG-Vertrag 1954 von der Frz. Nationalversammlung abgelehnt wurde, waren auch die Pläne einer Europaarmee und einer Vereinheitlichung der Ausbildung und Ausrüstung zunächst gescheitert. Die Idee einer Europaarmee, wie sie in den 1950er-Jahren mit dem P. geboren wurde, wird jedoch seit den 1990er-Jahren immer wieder als Vorschlag aufgegriffen.

Literatur:Der P. ist auszugsweise abgedruckt in: G. Brunn: Die Europäische Einigung von 1945 bis heute, Stuttgart 2002, S. 344-347.

Siehe auch:
Europäische Politische Gemeinschaft (EPG)

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: M. Große Hüttmann

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