Schuman-Plan

Als S. wird der vom frz. Außenminister Robert Schuman 1950 vorgelegte Plan bezeichnet, mit dem der europ. Integrationsprozess nach dem 2. Weltkrieg eingeleitet wurde. Der Plan sah vor, die dt. und die frz. Montanindustrie dem nationalen Zugriff zu entziehen und einer europ. Hohen Behörde zu unterstellen, die auch anderen europ. Ländern offenstehen sollte. In dem Plan verbanden sich nationale frz. Interessen mit einem europ. Impetus. Ziel war es, die westdt. Kohle- und Stahlproduktion nach dem vorhersehbaren Wegfall der industriellen Restriktionen, die Westdeutschland nach dem 2. Weltkrieg auferlegt waren, einem möglichen dt. Aufrüstungsstreben zu entziehen. Damit sollte der europ. Frieden gesichert und Frankreich gleichzeitig Einfluss auf die westdt. Montanindustrie ermöglicht werden. Die Verhandlungen über den S. führten 1951 zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, der ersten supranational-europ. Organisation überhaupt. Erster Präsident ihrer Hohen Behörde wurde Jean Monnet, der den als S. bekannt gewordenen Vorschlag ausgearbeitet hatte.

Literatur:M. Kipping: Zwischen Kartellen und Konkurrenz. Der Schuman-Plan und die Ursprünge der europäischen Einigung 1944–1952, Berlin 1996.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: V. Conze

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