Supranational

Der Begriff s. [dt.: überstaatlich] beschreibt eine besonders enge Form der politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Verflechtung von Staaten, die sich durch die Übertragung von Kompetenzen und Ressourcen auf eine den Staaten übergeordnete politische Ebene und die Errichtung eines s. Rechtssystems ergibt. Die EG ist ein klassisches Beispiel für ein s. System. Im Unterschied zur intergouvernementalen (dt.: zwischenstaatlichen) Zusammenarbeit kann die s. Kooperation zu einer Einschränkung der mitgliedstaatlichen Kontrolle gegenüber den s. Behörden (z. B. Kommission, Europäischer Gerichtshof) führen.

Diese Verluste nehmen die Mitgliedstaaten jedoch in Kauf, weil sie von der s. Entscheidungsfindung (sog. »Gemeinschaftsmethode«) und unabhängigen Kontrolle der Einhaltung des Gemeinschaftsrechts profitieren. Die Staaten gewinnen durch die Übertragung von Kompetenzen auf die EU-Ebene politische Handlungsspielräume zurück, die sie nicht besäßen, wenn sie auf sich allein gestellt wären (z. B. in der Außenpolitik und Klimapolitik).

Literatur:H. Schneider: Leitbilder der Europapolitik I. Der Weg zur Integration, Bonn 1977.

Literatur:G. Thiemeyer: Supranationalität als Novum in der Geschichte der internationalen Politik der fünfziger Jahre, in: JEIH, H. 4/1999, S. 5-21.

Quelle: Martin Große Hüttmann/Hans-Georg Wehling (Hg.): Das Europalexikon, 2., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2013. Autor des Artikels: M. Große Hüttmann

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