Atatürk

(türk.: «Vater der Türken», 1881 – 1938). Mustafa Kemal, der seit 1934 den Familiennamen A. trug, wurde als Sohn eines kleinen Beamten in Saloniki geboren. Nach dem Besuch der Militärakademie (1904) in Istanbul übernahm er Posten in Damaskus und Saloniki, wo er sich dem «Komitee für Einheit und Fortschritt» (Jungtürken) anschloss, zu dem er indes später auf Distanz ging. Zu Ruhm gelangte er im Ersten Weltkrieg durch seine erfolg­reiche Verteidigung der Dardanellenfestungen gegen die Alliierten. Nach der Niederlage des Osman. Reiches wurde er von Sultan Mehmed VI. Vahdettin mit der Wiederherstellung der zusammengebrochenen staatlichen Ordnung in Ostanatolien beauftragt. Tatsächlich begann er jedoch mit dem Aufbau einer Widerstandsbewegung mit dem Ziel, Alliierte, Armenier und Griechen, die Teile Anatoliens besetzt hatten, zu vertreiben. Im Unabhängigkeitskrieg (1919 – 1922) avancierte Mustafa Kemal zum unangefochtenen Führer dieser Bewegung. Seit April 1920 war er Präsident der «Großen Türk. Nationalversammlung», die sich in Ankara als Gegenregierung etabliert hatte. Mit der Gründung der Türk. Republik (1923) wurde der polit. Visionär zu deren erstem Staatspräsidenten gewählt. Die stark auf seine charismat. Persönlichkeit zugeschnittene, autoritäre Führung und das Monopol der von ihm gegründeten Republikan. Volkspartei sicherten A. bis zu seinem Tode eine einzigartige Machtposition. Die geradezu religiös anmutende Verehrung A.s, die in islam. Kreisen seit jeher Anstoß erregte, ist in den letzten Jahren zurückgegangen; gleichzeitig hat eine Diskussion über seine histor. Leistungen eingesetzt.

Literatur:
Mango, A.: Atatürk, 1999. – Kreiser, K.: Atatürk: Eine Biographie, 2008. – Tröndle, D.: Mustafa Kemal Atatürk. Mythos und Mensch, 2011.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Martin Strohmeier, University of Cyprus, Turkologie

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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