Architektur

Mit den großen Moscheen der Heiligtümer in Jerusalem, Mekka, Medina und den Moscheen in den Hauptstädten fand der Islam seinen Ausdruck, der ihn von den übrigen Glaubensgemeinschaften unterschied. Dieser Prozess setzte bereits zu Ende des 7. Jh. ein und dauerte bis zum Ende einer eigenständigen islam. A. im 20. Jh. Die islam. A. galt stets als Repräsentationsmittel des Auftraggebers, der damit seine Macht und sein Ansehen, teilweise auch seine Frömmigkeit darstellen wollte. Als Stifter traten in erster Linie die Herrscher und deren Familien, Frauen mit dem gesamten Hofstaat, aber auch vermögende Privatpersonen auf. Die größten und aufwendigsten Bauten sind meist den Herrschern und ihrer nächsten Umgebung zuzuschreiben, die auch Einfluss auf die formale Gestaltung genommen haben. In der Frühzeit war die A. stark von der antiken und spätantiken Formensprache geprägt, die teilweise bewusst rezipiert wurde. Die Verbreitung bestimmter Formen und Erfindungen erfolgte nach dem Vorbild der Hauptstädte und des Hofes, z. B. in abbasid. Zeit (8.– 13. Jh.) in Bagdad und Samarra/Irak. Mit der Ausbreitung dieser Formen wurden Techniken und Baumaterial übernommen, wie z. B. Backstein anstelle von Stein (in Nordafrika). Die Übernahmen von Bauformen und Grundrissen sind als bewusste Zitate zu verstehen, die oft aus polit. Motiven erfolgten. Trotz der daraus resultierenden Gemeinsamkeiten in den unterschiedlichen Ländern des islam. Reiches lassen sich regionale Traditionen beobachten, die die Entwicklung der A. bestimmten, wie z. B. in Nordafrika oder Iran. Als große Bauaufträge müssen Moscheen und Medresen gelten, die oft mit Gräbern verbunden wurden, Grabanlagen und Palastbauten sowie Krankenhäuser, Bäder und Khānqāhs (Klöster für Derwische). Die Stadt als Ort muslim. Lebens und islam. Kultur erfuhr demgemäß ein spezifisches Gepräge, das sie bald von den Städten spätantiker Tradition unterschied. Große Aufmerksamkeit wurde der allgemeinen Versorgung geschenkt: Wasserleitungen, Kanalisation, auch Staudämmen und Brücken. Vorschriften regelten die Baumaßnahmen. Die Namen der Architekten sind erst in späterer Zeit, d. h. im Mittelalter, gesichert überliefert, sowohl durch literar. Überlieferung als auch durch Inschriften. Einer der größten Architekten seit der Antike war Sinān (um 1490 – 1588), der im Dienst des Sultans Süleymān II. der osman. Herrschaft architekton. Ausdruck verlieh und sie unsterblich machte (Edirne, Istanbul). In der modernen Zeit ist eine eigenständige islam. A. nicht ohne Weiteres erkennbar, weil die Bauten meist einer internationalen Formensprache ohne individuelle Prägung verpflichtet sind. Vereinzelt bemühen sich Architekten um die Umsetzung traditioneller Formen in die Moderne, die teilweise als geglückt gelten können.

Literatur:
Hillenbrand, R.: Islamic Architecture, 1994. – Holod, R.: Modern Turkish Architecture, 1984. – Kuran. A.: Sinan, the Grand Old Master of Ottoman Architecture, 1987.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Barbara Finster, Universität Bamberg, Islamische Kunst und Archäologie

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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