Basar

(pers. «Markt»; arab. sūq), traditioneller Marktbereich oriental. Städte. In der Regel befindet sich im Zentrum des B. die große Freitagsmoschee (Moschee), um die herum sich die Handels- und Kleingewerbeeinrichtungen in einer hierarch. Ordnung gruppieren. Lärmende und schmutzige Gewerbe sind in den Randzonen angesiedelt, während prestigeträchtigere Läden, wie z. B. Buchhänd­ler und Kerzenzieher, in der Nähe der Moschee liegen. Typisch sind die Branchensortierung des B., d. h. die Handelsgeschäfte einer Branche liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander, sowie die Trennung von Wohn- und Wirtschaftsbereich. Viele Basare des Vorderen Orients sind «gedeckte», überkuppelte Basare, während diese Form der Überdachung auf dem Indischen Subkontinent unüblich ist. Sehr schöne Beispiele für traditionelle gedeckte Basare sind in den Altstädten von Istanbul, Damaskus und Marrakesch zu finden. Der sehr gut erhaltene und aufwändig restaurierte Basar von Aleppo wurde im syrischen Bürgerkrieg seit 2011 weitgehend zerstört. Der traditionelle B. hat im Zuge der ökonom. Umbrüche seit dem 19. Jh. und der Herausbildung moderner Neustädte seine Bedeutung stark verändert. Während in den Neustädten moderne Wirtschaftszentren entstanden, werden im B. die einfachen Bedürfnisse des täglichen Bedarfs v. a. der unteren Schichten gedeckt, zudem ist er ein Publikumsmagnet für Touristen. In den letzten Jahren hat vielfach ein Umdenken im Hinblick auf die historische Bausubstanz eingesetzt: Während immer mehr Menschen die Wohnungen der historischen Basarbezirke verlassen, um in modernere und besser ausgestattete Quartiere zu ziehen, sind vielfältige Erhaltungs- und Restaurierungsprojekte in Gang gekommen, um traditionelle Stadtbezirke vor dem Verfall zu retten. Der Basar ist Projektionsfläche für das kulturelle Erbe der Nation und nimmt damit eine wichtige identitätsstiftende Funktion ein.

Literatur:
Gharipour, M.: The Bazar in the Islamic city: Design, Culture and History, 2012. – Wirth, E.: Die orientalische Stadt im islamischen Vorderasien und Nordafrika, Band 1, 2000.

Autor/Autorinnen:
Dr. Renate Dieterich, DAAD Bonn, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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