Buchdruck

Obwohl schon im 15. Jh. durch Handelskontakte im Nahen Osten bekannt, wurde der B. sehr viel später eingeführt. Die wichtigsten Gründe hierfür waren der Widerstand der Berufsschreiber, die um ihre Arbeit fürchteten, Vorbehalte der religiösen Gelehrten und polit. Bedenken der Herrschenden vor einem schwer kontrollierbaren Medium. Das Drucken mit arab. Lettern (Arab. Schrift) blieb ausdrücklich verboten, während in hebräischen und armen. Lettern gedruckt werden konnte. Auch ästhet. Gründe spiel­ten eine Rolle, was die Bevorzugung der Lithographie im 19. Jh. in Indien und Persien erklärt, durch die die Handschrift besser nachgebildet wird. Teilweise wurde Arabisch sogar mit hebräischen oder syrischen Lettern gedruckt. Die ersten arab., persischen und türkischen Drucke sind in Europa entstanden und dienten der religiösen Unterweisung der oriental. Christen. Als erstes vollständig in arab. Schrift gedrucktes Buch gilt ein melkit. Gebetbuch, das 1514 in Italien produziert wurde. Es folgten philosoph. und grammat. Traktate sowie literar. Werke. Im Nahen Osten wurden durch Christen zwischen 1706 und 1711 in Aleppo in Syrien die ersten Bücher in arab. Schrift gedruckt. Zu den Pionieren zählt Ibrahim Müteferriqa, der 1727 vom osman. Sultan eine Genehmigung für die Einrichtung einer Druckerei in Istanbul erhielt; eine Fatwa legitimierte das Drucken mit arab. Lettern, ausgenommen islam. Werke. Gerade 17 Titel erschienen bis 1741 in kleinen Auflagen zwischen 500 und 1000 Stück, darunter Wörterbücher und histor. Schriften. Im Verlauf des napoleon. Feldzugs 1798 wurden in Kairo Proklamationen u. a. Schriften gedruckt. Der Vizekönig von Ägypten, Muḥammad ʿAlī, ließ 1821 eine Druckerei im Kairoer Stadtteil Būlāq einrichten. Bis 1842 wurden dort etwa 250 Titel produziert, darunter Lehrbücher für die Armee und die Schulen, amtliche Verlautbarungen und Übersetzungen. Bei den Druckschriften wurde die äußere Erscheinungsform der Handschriften imitiert. Zu einer Ausweitung der Druckaktivitäten kam es erst in der 2. Hälfte des 19. Jh. Ende des 19. Jh. existierten im Libanon über 20, in Kairo und Istanbul jeweils fast 100 Druckereien, die mehrere 1000 Titel produzierten. 1857 legte das erste osman. Druckgesetz Zensurbestimmungen fest. Während die ersten Bücher pragmat. Zwecken ihrer Auftraggeber dienten, wurden in der Folgezeit Werke des eigenen kulturellen und literar. Erbes und Übersetzungen von französ. und englischer Literatur bzw. Fachbüchern gedruckt. Auch gefördert durch das sich entwickelnde Pressewesen bahnten sich dadurch wesentliche kulturelle Veränderungen an.Im 20. Jh. entwickelten sich Beirut und Kairo zu großen Verlagszentren. Die weitere Entwicklung wurde jedoch stark behindert durch ungeklärtes Urheberrecht, Zensur, komplizierte Export- u. Importbestimmungen und Probleme des Buchvertriebs. Größere Übersetzungsvorhaben ließen sich fast nur durch staatliche Initia­­tiven realisieren. Doch die Verlagswelt modernisiert sich und der «International Prize for Arabic Fiction (IPAF)» hat auch in der arabischen Welt zum Phänomen des Bestsellers geführt.

Autor/Autorinnen:
Stefan Winkler, M. A., Goethe-­Institut, Pakistan

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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