Drusen

Religionsgemeinschaft genannt nach dem Begründer ihrer Lehre Muḥammad ibn Ismāʿīl ad-­Darazī, die sich Anfang des 11. Jh. von den Ismāʿīliten abgespaltet hat. Im Zentrum der drusischen Lehre steht die Doktrin von einem göttlich inspirierten und ein­gesetzten Imam. Die Imame sind die nach Gottes Ebenbild geschaffenen perfekten Menschen, die das Göttliche wie ein Spiegel reflektieren. Die letzte dieser göttlichen Manifestationen war der sechste fatimid. Kalif al-­Ḥākim (verschwunden 1021). Ihre Vorstellung von der Geschichte der Religionen äußert sich in Phasen und Zyklen, deren jeder mit einem Propheten beginnt. Dieser bringt das religiöse Recht, dessen innere Bedeutung von einem Ausführenden vermittelt wird. Ebenso wie die Schiiten glauben die D. an die Rückkehr des Imams, der Gottes Reich auf Erden errichten wird. Zu ihrem kanon. Schrifttum gehören neben dem Koran die nach mündlicher Überlieferung zwischen 1017 und 1042 in 24 Büchern niedergeschriebenen Episteln drusischer Würdenträger, von denen nur noch sechs erhalten sind. Mit der Lossagung von der alten islam. Ordnung und der Verkündung eines «Dritten Weges» war der Bruch mit Sunniten und Schiiten besiegelt. Eine Konvertierung zum Drusentum ist seit 1043 nicht mehr möglich, die Gläu­bigen unterscheiden sich in «Wissende» und «Unwissende». Die ca. 200 000 D., die sich selbst muwaḥḥidūn (arab. «Bekenner der Einheit Gottes») nennen, leben in Syrien, Libanon, Israel und Jordanien.

Literatur:
Abu-­Izzeddin, N. M.: The Druzes. A New Study of their History, Faith and Society, 1984. – Falaturi, A.: Art. «Drusen», in Kreiser, K./Diem W./Majer H. G.: Lexikon der islamischen Welt, Bd. 1, 1974, 146. – Schmucker, W.: «Sekten und Sondergruppen», in Ende, W./Steinbach, U.: Der Islam in der Gegenwart, 52 005, 716 – 727. – Lang, T.: Die Drusen in Libanon und Israel – Geschichte, Konflikte und Loyalitäten einer religiösen Gemeinschaft in zwei Staaten, 2013. – Firro, K. M.: Art. «Druzes (Durūz)», The Encyclopaedia of Islam, THREE.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Anja Pistor-­Hatam, Universität Kiel, Islamwissenschaft

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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