Farben

. In der arab. Sprache werden F. v. a. in ihren Hell-­Dun­kel­qualitäten angegeben. Reflexionen über das Wesen und die Entstehung der F. lassen sich stets auf griechische Quellen und Einflüsse zurückführen. Die Auffassung darüber, ob F. als Akzidenz oder Substanz anzusehen ist, divergieren. Zu den Grundfarben zählen mit unterschiedlicher Akzentsetzung Weiß, Schwarz, Rot, Gelb, Grün, Blau oder nur Rot, Gelb, Weiß und Grün. Gemäß der mystischen Auffassung im Islam ist Licht die Spiritualität der F., und F. ist die Körperlichkeit des Lichtes. Demgemäß ist Weiß die F. der ­Intelligenz, die der Seele Grün, die der Materie Schwarz. Im polit. Leben und im Alltag spielten F. v. a. bei der Kleidung eine Rolle. So galt Schwarz als die F. der ʿAbbasiden, Weiß als die der Fatimiden (Dynastien). Hingegen wird Rot mit ʿAlī, dem Schwieger­sohn und Vetter des Propheten Muḥammad, assoziiert, Grün mit dem Propheten selbst bzw. seinen Nachkommen. Schwarz ist heute die F. der Kiswa, der Decke der Kaaba, doch war diese früher auch mehrfarbig. Die F. Gelb wurde in der Kleidung den Christen und Juden zugewiesen, Grün war ihnen verboten. Türkis-­Blau gilt als Schutzfarbe gegen den Bösen Blick, dieselbe Funktion übernimmt Rot z. B. in Südarabien. Pflaumenblau war in Persien eine F. der Trauer, andernorts Weiß, auch Schwarz. In der Kunst wird der F. nicht nur aus ästhet. Gründen besondere Qualität zuerkannt. Sie gilt auch als Träger bestimmter Eigenschaften. Gelb ist die F. der Sonnenmuster im Zenith der Kuppel, assoziiert mit dem Licht schlechthin, das Blau der Kuppeln von Moscheen symbolisiert das Himmelszelt. Das Innere der Kuppeln, häufig Abbild der sieben Himmel, zeigt die F. der jeweiligen Himmelszonen mit einer Staffelung der F. Gelb, Grün, Rot und Weiß. Weiß, von altersher eine sakrale F. im Orient, war den Moscheen vorbehalten, nichtislam. Kultbauten durften nicht weiß sein. Wichtig waren und sind F. bei Fahnen, etwa das Grün in den Fahnen vieler heutiger Staaten (z. B. Saudi-­Arabien). Für die Miniaturmalerei wurden die F. aus Mineralien gewonnen, anorgan. und organ. Stoffen, d.h von tierischen und pflanzlichen Stoffen. Für Blau wurde z. B. neben Lapislazuli auch Indigo oder Azurit verwandt.

Literatur:
Fischer, W.: Farb- und Formbezeichnungen in der Sprache der altarabischen Dichtung, 1965. – Gätje, H.: Zur Farbenlehre in der muslimischen Philosophie, Der Islam 43 (1967), 280 – 301. – Morabia. A.: Art. «Lawn», The Encyclopaedia of Islam, second edition. – Bloom, J. und Blair, S. (Hg.): And Diverse Are Their Hues: Color in Islamic Art and Culture, 2011. – Borg, A. (Hg.): The Language of Color in the Mediterranean, 1999.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Barbara Finster, Universität Bamberg, Islamische Kunst und Archäologie

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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