Gebet

Muslime kennen verschiedene Arten von G. Das arab. ṣalāt genannte G. stellt eine der Fünf Säulen (Grundpflichten) des Islams dar. Es wird jeden Tag fünfmal absolviert, vor Sonnenaufgang, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und später am Abend. Vor jedem G. sind eine Ankündigung durch einen Gebetsruf und die rituelle Waschung obligatorisch. Eine notwendige Vorbereitung besteht ferner darin, dass der Muslim sich innerlich bewusst macht, das G. nicht nur aus Routine durchzuführen, sondern mit der Absicht, Gott zu dienen. Dann folgt als Eröffnung des zum G. erforderlichen Weihezustands (arab. iḥrām) die Formel allāhu akbar (arab. «Gott ist überaus groß»). Stehend werden eine Reihe von weiteren Formeln und die erste Sure des Korans (Fātiḥa) rezitiert. Die nächsten Teile des G. sind das Vorbeugen des Oberkörpers, wobei die Hände auf die Knie gelegt werden, und das Wiederaufrichten. Indem die Formel allāhu akbar ausgesprochen wird, erfolgt die gen Mekka gerichtete (Qibla) Niederwerfung auf die Knie, Nase, Stirn und Zehen berühren dabei den Boden. Der Betende begibt sich dann in eine aufrecht kniende Position, vollzieht eine zweite Niederwerfung und steht wieder auf. Alle diese Bewegungen werden von verschiedenen Formeln begleitet. Die beschriebene Sequenz (arab. rakʿa) wird noch einmal oder mehrmals vollzogen. Mit weiteren Formeln findet das G. seinen Abschluss. Das G., außer Freitag mittags, kann an jedem Ort, eventuell auf einem Gebetsteppich, vollzogen werden. Idealerweise findet es aber in Moscheen statt. Freiwillige G. (arab. duʿāʾ, manchmal aber ebenfalls ṣalāt genannt) haben die verschiedensten Formen und Funktionen. Das Nachtgebet wird besonders von Sufis geschätzt und von ihnen ebenso streng eingehalten wie die obligator. G. Freiwillige G. sollen Muslimen auch als Schutz auf der Reise dienen oder gelten der Bitte um Regen.

Literatur:
Khoury, A. T.: Gebete des Islam, 1995. – Ders.: Die Weisheit des Islams: Gebete und koranische Texte, 2006.

Autor/Autorinnen:
Prof. Dr. Ralf Elger, Universität Halle, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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