Geschlecht

Mann und Frau sollen sich äußerlich durch Kleidung und Schmuck deutlich voneinander unterscheiden. Sind zumindest vor Gott beide G. für ihre Taten gleichermaßen verantwortlich und konnten im frühen Islam Frauen an der religiösen Praxis in größerem Ausmaß als heute teilnehmen, so zieht sich gegenwärtig das Konzept der Geschlechterkomplementarität durch alle Lebensbereiche. Frauen und Männer werden als verschieden, aber gleichwertig und einander ergänzend angesehen. Praktisch werden Frauen aber auf den niederen Rang verwiesen. Andererseits genießen Frauen koran. verbriefte Rechte, die sie in Erb- und Eigentumsfragen bis ins 20. Jh. rechtlich besser stellten als ihre europäischen Geschlechtsgenossinnen. Sie haben Anspruch auf Versorgung durch männliche Familienangehörige. Geschlechtsidentität wird durch Erziehung und lokale Initiationsriten geschaffen, zu deren wichtigsten die Beschneidung und die Hochzeit gehören. Das Konzept der Geschlechterkomplementarität trägt gesellschaftlich zu traditioneller Rollenteilung, zu mehr oder minder strikter Absonderung der G. voneinander und zur religiös begründeten Norm der Heterosexualität bei. Die Ehe, die Sexualität und zwischengeschlechtlichen Kontakt legitimiert, spielt daher in islam. geprägten Kulturen eine zentrale Rolle.

Literatur:
Ahmed, L.: Women and Gender in Islam, 1992. – Ghoussoub, M./Sinclair-­Webb, E.: Imagined Masculinities. Changing Patterns of Identity for Middle Eastern Men, 1999. – Strohmeyer, S.: Kairo. Gespräche über Liebe, 1996. – Schneider, I.: Der Islam und die Frauen, 2011.

Autor/Autorinnen:
Katharina Boehm, M. A., Bamberg, Arabistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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