Halbmond

(arab. hilāl), die erste sichtbare Mondsichel nach dem Neumond. Das Erblicken der Mondsichel kündigt den Beginn eines neuen Monats im lunaren Kalender an. Bedeutungsvoll und erwartet ist das Erscheinen des H. v. a. bei Festtagen und -monaten wie z. B. dem Fastenmonat Ramadan. Schon früh gehörte der H. zum dekorativen Symbolkanon mit religiösem Bezug, sichtbar etwa in Mosaiken des im Jahre 691 – 692 erbauten Felsendoms in Jerusalem. Bei der Umwandlung der Kathedrale des von den Muslimen eroberten Ani in Armenien im 11. Jh. soll das Kreuz durch einen H. ausgetauscht worden sein. Im Europa des 15. Jh. wurde der H. z. B. auf großen Häusern in Ansichten von muslim. Städten eingefügt, um sie als islam. zu kennzeichnen. Auch für den Export in den Orient hergestelltes Papier versah man mit halbmondförmigen Wasserzeichen. Der osman. Sultan Abdülmecid (ʿAbd al-­Majīd) II. führte 1827 eine Flagge mit weißem H. und Stern auf rotem Grund ein. Bald gebrauchte der Herrscher von Tunis das gleiche Symbol. Pakistan verwendet den H. seit seiner Gründung im Jahre 1947 als nationales Emblem, als letztes Land führte ihn Algerien 1961 nach Erlangung seiner Unabhängigkeit ein.

Literatur:
Ettinghausen, R.: Art. «Hilāl», The Encyclopaedia of Islam, second editon.

Autor/Autorinnen:
Christian Szyska, M. A., Bonn, Orientalistik

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln