Internet

Heute wie selbstverständlich genutzt, wurde das I. in den meisten Staaten der islamischen Welt nur zögerlich eingeführt, da die Informationsrevolution für die Regierungen gleichzeitig den Verlust von Kontrolle über Information bedeutete, was mit den ökonom. und bildungspolit. Vorteilen des Mediums vereinbart werden musste. Noch immer sind Versuche der Kontrolle auf technischer Ebene, z. B. durch Blockieren von Facebook, Twitter oder YouTube, zu beobachten. In einigen Regionen ist der Zugang strukturell durch geringe Kapazitäten oder hohe Gebühren begrenzt. Besonders bei jungen Leuten spielen Chats und Blogs als Tor zur Außenwelt eine große Rolle. Blogs und soziale Medien sind aber nicht zuletzt für Journalisten oder politische Aktivisten ein unverzichtbares Instrument geworden, auch wenn damit oft eine un­mittelbare Gefahr für Leib und Leben verbunden ist. – Islam. Lehrinstitutionen stellen religiöse Texte ins I. und geben digitale Korankonkordanzen oder andere Hilfsmittel zum Studium der Religion heraus. Einzelne islam. Gelehrte unterhalten eigene I.seiten und erreichen so weltweit Anhänger. Daneben engagieren sich Privatpersonen und religiöse Organisationen durch die digitale Aufbereitung religiöser Texte. Religiöse Dienstleistungen im Internet wie Fatwa-­Auskünfte oder Online-­Kurse zur Pilgerfahrt werden immer zahlreicher, und diverse religiöse Organisationen, legale wie illegale, präsentieren sich im I., das auch als Medium zur Selbstdarstellung von Muslimen in Deutschland an Bedeutung gewinnt. Problematisch ist die gezielte Anwerbung von Anhängern im I. durch jihadistische Gruppen. Privat wird das I. religiös als Diskussionsforum und zum Austausch von Informationen und religiösem Material wie Predigten, Gebeten oder Liedern als Texte und Videos genutzt. Auf der Ebene von Organisationen sind Selbstdarstellungen von muslimischen Minderheiten und salafistisch orientierten Gruppen und Personen überproportional stark im I. vertreten. Letztere verfügen über ausreichend finanzierte Mittel und sind gut organisiert, wie beispielsweise die Seite IslamQA (Fragen und Antworten zum Islam), wo man in mehr als 15 Sprachen Antworten überwiegend salafistischer Auslegung bekommen kann. Die Präsenz in anderen Sprachen ist problematisch, wenn Fragesteller ohne Zugang zu Originalquellen sich auf solche Seiten an­gewiesen fühlen. Islam im I. spiegelt so nur einen Ausschnitt des Spektrums Islam wider und keinesfalls eine proportionale Repräsentation der unterschiedlichen Gruppen und Richtungen.

Literatur:
Gräf, B.: Medien-­Fatwas@Yusuf al-­Qaradawi. Die Popularisierung des islamischen Rechts, 2010. – Lohlker, R. (Hg.): Jihadism: Online Discourses and Representations, 2013.

Quelle: Elger, Ralf/Friederike Stolleis (Hg.): Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur. München: 6., aktualisierte und erweiterte Auflage 2018.

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